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Ostholsteiner Anzeiger

18. Oktober 2017 | 01:12 Uhr

Jetzt sollen Fakten sprechen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Bürgergemeinschaft stellt neues Buch über das umstrittene Haus des Gastes vor / Ziel: Diskussion um Abriss oder Erhalt versachlichen

shz.de von
erstellt am 09.Jun.2016 | 16:39 Uhr

Ist das Kunst oder kann das weg? Erbittert wurde vor zwei Jahren die Diskussion geführt, ob das Haus des Gastes abgerissen werden soll. 2015 votierte die Mehrheit der Eutiner für einen Erhalt des Gebäudes an der Stadtbucht. Der Bürgerentscheid gilt nur bis Februar 2017, deshalb bringt sich zurzeit die Bürgerinitiative für den Erhalt in Stellung (wir berichteten). Geht die Auseinandersetzung Pro und Kontra Haus des Gastes von vorne los?

„Ein sachlicher Blick ist hilfreich“, sagt Karin David, Autorin des Buches „Das Haus des Gastes Eutin. Ein Beitrag zur Architekturgeschichte der 1960er Jahre“, das die Bürgergemeinschaft Eutin jetzt herausgebracht hat. In einer kleinen Feierstunde stellten am Donnerstag Herausgeber wie Autorin ihre Neuveröffentlichung vor. „Das Buch ist erstellt für alle, die Informationen haben möchten oder sollten“, sagte Regine Jepp, Sprecherin der Bürgergemeinschaft, zu den anwesenden Gästen, darunter Vertreter der Fraktionen und der Stadt.

Karin David – promovierte Kunsthistorikerin aus Eutin – hat für ihre Recherchen den Architekten des Hauses, Udo Stücker, befragt und Kontakte zu den Nachfolgern des Büros Maasz-Fenne, die Mitte der 1960er Jahre die gärtnerische Einbettung geplant und schließlich auch umgesetzt haben, geknüpft. Parallel wurden alte Bauakten gewälzt, Dokumente ausgewertet, Fotos und Pläne gesichtet. Auch in alten Ausgaben des Ostholsteiner Anzeigers wurde David auf der Suche nach weiteren Details zur Geschichte des Hauses fündig.

Das 66 Seiten starke Buch zeichnet den Weg des Hauses bis heute nach. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Auseinandersetzung mit der Architektur. Dabei stellt die gebürtige Bosauerin auch Vergleiche zu weiteren Häusern des Gastes in der Umgebung an, darunter in Klingberg, Malente und Timmendorfer Strand.

Architekt Christian Bielke sprach sich in der Feierstunde dazu aus, die Formensprache der Moderne, die Offenheit und Transparenz, mehr wertzuschätzen. „Das Haus des Gastes ist eines der wenigen noch erhalten geblieben Beispiele dieser Nachkriegsarchitektur“, hob Bielke hervor und hoffte zugleich, dass die Landesdenkmalpflege den Wert des Gebäudes erkennen möge. „Fehlen derartige Zeitzeugnisse, dann wird Geschichte unscheinbar“, sagte der Architekt.

Das Buch gibt vor diesem Hintergrund nicht nur historische Einblicke: Neben der aktuellen Situation beleuchtet das Werk auch die möglichen Perspektiven für den umstrittenen Bau – wie die Einbindung in eine „Route für Kurgasthäuser“ analog zur Gartenroute. „Wichtig ist, dass das Haus des Gastes als ,öffentlicher Raum’ der Stadt bestehen bleibt“, so David.

Fazit der Herausgeber: 25 Spender – unter ihnen Architekten wie Bielke und die Marius-Böger-Stiftung – haben es ermöglicht, „ein äußerst qualitätvolles und ansprechendes Buch“ vorzulegen, so Jepp. Einer Person dankte Jepp besonders: „Wir widmen das Buch ausdrücklich Eckhard Ahrens“, sagte die Sprecherin der Bürgergemeinschaft und hob die Verdienste des kürzlich verstorbenen Eutiners hervor, der 2014 das Bürgerbegehren zum Erhalt des Haus des Gastes auf den Weg brachte. „Ahrens verdanken wir es, dass das Haus noch steht“, ergänzte Autorin
David.

Das Buch „Das Haus des Gastes Eutin“ ist im Kulturcafé Klausberger, Markt 16, in Eutin zum Preis von 7,50 Euro erhältlich.

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