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Ostholsteiner Anzeiger

22. August 2017 | 22:48 Uhr

Jetzt erst einmal zur Ruhe kommen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Plöns scheidender Bürgermeister Jens Paustian blickt auf seine zwölfjährige Amtszeit zurück und zieht eine zufriedenstellende Bilanz

Er hätte es fast geschafft: Zwölf Jahre Bürgermeister in Plön, ohne auch nur einen einzigen Tag krank zu sein. Doch dann verletzte sich Jens Paustian beim Zaunbau in Dannau, quetsche sich den rechten Daumen und fiel gleich neun Wochen aus. Zufrieden und fast wieder genesen sitzt der 54-Jährige, der in den vergangenen Wochen durch den blauen Schutzhandschuh auffiel, an seinem Schreibtisch im Rathaus. Es sind seine letzten Tage als Bürgermeister in der Herzogstadt Plön.

2005 im Wettbewerb und 2011 als einziger Kandidat gewann Jens Paustian, der nach seiner ersten Wahl aus Grebin nach Plön zog, die Direktwahl zum Plöner Bürgermeister noch mit guten Ergebnissen. 2016 hatte er es nicht einmal mehr in die Stichwahl geschafft. Seine letzte Amtszeit endet am kommenden Dienstag (28. Februar). Mittlerweile wohnte Paustian mit seiner Familie nicht mehr in Plön. „Der Familie zuliebe“, sagte er. Er würde es immer wieder so machen. Bei seinen Kritikern allerdings kam der Wegzug aus Plön überhaupt nicht gut an. Sie empfanden es als Abkehr von Plön.

Damals hatte er noch selbst mit seiner Familie als parteiloser Kandidat Plakate geklebt und hinter einem Tapeziertisch mit Informationen auf dem Marktplatz gestanden. Paustian: „Heute wird ein Großteil des Wahlkampfes im Internet in den sozialen Medien geführt.“ Er sei selbst kein Freund davon. Vielleicht habe ihm die eigene Internet-Abstinenz im Wahlausgang sogar geschadet.

Aber auch die Schlagzeilen in den Zeitungen können ganz schön etwas anrichten. Paustian stand nach einem Vertrauensverlust durch die in der Ratsversammlung vertretenen Parteien ziemlich unter Druck. „Ich kann als Christ vergeben“, sagte Paustian irgendwie zufrieden, aus diesem sich schier unaufhaltsam und immer schneller drehenden Hamsterrad entkommen zu sein. Er wisse heute nicht mehr, wie er das eine oder andere überhaupt durchgestanden habe. Ein tiefer – nahezu Mitleid erregender – Seufzer: „Das waren teilweise schon schwere Zeiten.“

Als Paustian von der Sanierung des Plön-Bades und der Akquise von 6 Millionen Euro an Fördergeldern als Höhepunkte seines Bürgermeisteramtes spricht, glänzen seine Augen wieder. Viel habe die Aktiv-Region ermöglicht. Aber auch die Sanierung des Bahnhofes mit der Touristinfo, der Lübecker Straße und der Klosterstraße und die Sanierung des Plöner Schlosses seien in seine Amtszeit gefallen. Hinzu kommen der neue Bootshafen, die Gründung der Tourismuszentrale Holsteinische Schweiz mit den Umlandkommunen als Erfolgsmodell, die Offene Ganztagsschule mit 1,5 Millionen Euro an Fördergeldern und die Schulsozialarbeit. Das Stadtbuchtfest habe sich etabliert und es habe sich eine Lösung für das lange leerstehende Lübsche Tor ergeben.

Was Paustian bereut? Das ist die Gründung der Anstalt des öffentlichen Rechts mit den Stadtwerken. „Es war falsch, Bauhof und Stadtgärtnerei bei den Stadtwerken zu vereinen“, ist Paustian heute überzeugt. Der Bürgermeister habe dort keinen Zugriff. Schließlich gingen Beschwerden über die Arbeit des Bauhofes bei der Stadt ein. Daneben hat Jens Paustian 14 mit seinem Amt verbundene Vorstandsämter ausgefüllt – vom Verbandsvorsteher des Zweckverbandes Tourismuszentrale Holsteinische Schweiz bis hin zum Vorsteher des Feuerlöschverbandes Plön Stadt und Land.

Gewünscht hätte sich Jens Paustian, dass die Verwaltungen der Stadt Plön und des Amtes Großer Plöner See zusammengekommen wären. Das Vertrauensverhältnis sei da gewesen. „Gern hätte ich auch ein weiteres Hotel nach Plön geholt“, sagte er. Plön benötige es dringend, denn die Vermieter brechen weg. Gern wäre Paustian auch nur ein einziges Mal in den Genuss gekommen, einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen. Aber auch auf die Widrigkeiten mit der Doppik hätte er gern verzichtet oder das Projekt Seewiesen mehr nach vorn gebracht. Wie auf Knopfdruck klagt Paustian über die zu hohe Kreisumlage oder die hohen Schulkostenbeiträge.

„Ich bin manchmal viel zu lieb gewesen“, antwortet Jens Paustian auf die Frage, was er in seiner Amtszeit bereut hat. Er hätte sich in manchen Situationen mehr wehren und auch mal rechtliche Schritte einleiten müssen. Aber im Rückblick war es insgesamt eine schöne Zeit als Bürgermeister in Plön. Das Amt habe ihm viel Freude bereitet. „Aber Spaß ist etwas anderes“, schmunzelte Paustian aus seinem Cord-Blazer heraus.

Was empfiehlt Jens Paustian seinem Nachfolger Lars Winter? „Er sollte sich erst einmal alles anhören und anschauen aber auch sorgsam mit der Stadt und dem Umland auf Augenhöhe umgehen. Jetzt packt Jens Paustian einige Bilder und den Teller der Gemeinde Grebin, den er damals zum Abschied aus seiner Heimatgemeinde bekam, in den Umzugskarton ein. Dabei denkt er daran, dass er als Gast der Max-Planck-Gesellschaft drei Mal hinter Bundeskanzlerin Angela Merkel gesessen hat, einmal in der dritten Reihe hinter Bundespräsident Horst Köhler oder Christian Wulf. In die erste Reihe hatte er es nicht geschafft.

Mit diesen Erinnerungen will Jens Paustian am ersten Tag nach seiner Bürgermeisterzeit am 1. März „erst einmal zur Ruhe kommen und ordentlich ausschlafen“. Er weiß: „Ich muss erst einmal die Last der Verantwortung abfallen lassen.“ Als 54-Jähriger ist er durch Pensionszahlungen bis ans Lebensende versorgt. Daneben denkt Paustian daran Dozent an der Verwaltungsschule in Bordesholm zu werden. Er hat aber auch die Kommunalwahl 2018 im Blick. Schließlich war er vor seinem Bürgermeisteramt selbst Gemeindevertreter in Grebin. Vielleicht startet er kommunalpolitisch ja noch einmal durch. Seine Frau werde als Lehrerin ein paar Stunden Religion und Musik an der Plöner Breitenauschule geben. „Und alles andere ergibt sich“, freut sich Jens Paustian auf seine Zukunft, denn die hat er mit
54 Lebensjahren allemal.

 

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erstellt am 02.Feb.2017 | 21:43 Uhr

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