Szenische Lesung : Jean Paul Sartres Appell an das Publikum

Ist der Mensch in seinen Entscheidungen frei? Dieser Frage geht Jean Paul Sartre in "Das Spiel ist aus" nach. Schauspieler bringen das Werk als szenische Lesung auf die Bühne.

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04. November 2009, 11:21 Uhr

Eutin/ | "Schreiben heißt, einen Appell an den Leser richten", schrieb Jean Paul Sartre 1956. Der Leser "möge der Enthüllung, die ich durch das Mittel der Sprache vorgenommen habe, zu objektiver Existenz verhelfen". In der Kreisbibliothek ist der Appell am Sonnabend, 7. November, in der Kreisbibliothek auch an die Zuhörer gerichtet.

Die Schauspieler Franziska Mencz und Christian Kaiser präsentieren um 19.30 Uhr das Szenario "Das Spiel ist aus" des französischen Philosophen als szenische Lesung. Sartre ist als Vordenker und Hauptvertreter des Existentialismus einer der bekanntesten Philosophen des 20. Jahrhunderts. Darüber hinaus prägte er als politisch engagierter Literat die intellektuelle Szene seiner Zeit.

In seinem vielfältigen Werk findet sich auch das Drehbuch zu dem Film "Les jeux sont faits" von 1947. 1958 wurde "Das Spiel ist aus" als Theaterstück in einer von Sartre selbst redigierten Bearbeitung in Münster uraufgeführt.
Eve und Pierre lernen sich nahe dem Fegefeuer kennen
Die zentrale Frage des Textes lautet, ob der Mensch in seinen Entscheidungen und Handlungen tatsächlich frei ist - eine Thematik, die Sartre auf raffinierte Weise anschaulich in Szene setzt. Als Tote lernen sich Eve und Pierre in einer kleinen Straße nahe dem Fegefeuer kennen und verlieben sich ineinander. Beide lebten in einer Diktatur und wurden zur gleichen Zeit getötet. Sie, eine gutbürgerliche Frau, wurde von ihrem Mann, dem Polizeichef, der es auf ihre jüngere Schwester abgesehen hatte, vergiftet. Er, ein Arbeiter und Revolutionär, wurde von einem Polizeispitzel vor einem geplanten Aufstand erschossen. Gemeinsam erhalten sie eine zweite Chance, ein neues Erdendasein zu beginnen - allerdings müssen sie innerhalb von 24 Stunden eine schwere Bedingung erfüllen.

Christian Kaiser rechnet die Kreisbibliothek wegen seiner vielen Auftritte über Jahre hinweg schon zu ihrem "festen Inventar". Als Ensemble sind er und Franziska Mencz drei Mal mit Eigenproduktionen in Eutin aufgetreten, zuletzt im Literatursommer 2008 mit einem Programm um den russischen Autor Daniil Charms. Zusammen spielten sie zuletzt am Berliner Renaissance-Theater in "Shakespeare in trouble". Derzeit gastiert Christian Kaiser in der Schweiz, in Zürich und Winterthur, während Franziska Mencz nach einem Auftritt im Fernsehfilm "Haltet die Welt an" in einem Projekt der Bremer Shakespeare Company mitwirkt.

Eintrittskarten für die Lesung gibt es im Vorverkauf in der Kreisbibliothek unter 04521/701216 und an der Abendkasse.

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