Jazz vom Feinsten

vRissen das Publikum im Binchen mit: (von links) Mike Schoenmehl, Ardell Johnson und Stephan Völker.
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vRissen das Publikum im Binchen mit: (von links) Mike Schoenmehl, Ardell Johnson und Stephan Völker.

Ein Abend des Kulturbunds: Traditioneller Jazz überaus gelungen neu interpretiert

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21. Januar 2018, 15:32 Uhr

Ungewöhnlich begannen Stephan Völker (Klarinette und Saxophon), Mike Schoenmehl (Klavier) und Ardell Johnson (Geschichtenerzähler und Sänger) am Sonnabend im Kino „Binchen“ einen Abend mit ihrem neuen Programm „The Way of Gospel, Blues and Jazz“: Ardell Johnson sprach ernsthaft von einer Freundin, die sie am selben Tag hätten beerdigen müssen. Tatsächlich stellte sich dies schnell als die Überleitung zu dem Lied „Don’t Talk About Me, When I’m Gone“ heraus. Eben noch erläutert Johnson die Gebräuche bei Beerdigungen in New Orleans, und ehe man es sich versieht, ist der Zuhörer mitten in einer anderen Zeit und einem anderen Lebensgefühl, dem des Blues und des Jazz.

So geht es weiter bei dieser Veranstaltung, die zum Programm des Kulturbunds Eutin gehörte: Johnson, Sohn eines Baptistenpredigers in Chicago, Gospel- und Bluessänger, erzählt Anekdoten zu den Liedern und führt durch das Programm von Gospel bis zum Jazz, von New Orleans bis Chicago. Wer hat wohl gewusst, dass Al Capones Lieblingslied „Honeysuckle Rose“ von Fats Waller war? Oder dass „House Of The Rising Sun“, ein aus den 60er Jahren sehr bekanntes Lied, auf ein irisches Volkslied aus dem 15. Jahrhundert zurückgeht? Aber Johnson erzählt nicht nur. Er singt vor allem. Und mit was für einer Stimme: Einer Stimme, der keine Nuance fremd ist, die einen enormen Umfang hat und die Sehnsucht und Freude, Wehmut und Staunen einfach spürbar machen kann. Und ganz nebenbei schauspielert er auch immer ein bisschen, so aus Spaß.

Mike Schoenmehl, Dozent an verschiedenen Musikhochschulen, Autor, Komponist und Arrangeur aller Songs dieses Programms, erntet als Solist mit dem seinem Namen alle Ehre machenden „Fingerbreaker“ auf dem Klavier stürmischen Applaus. Auch Stephan Völker fasziniert mit seinem Saxophon. Er erzählt, fragt, posaunt, singt und flüstert – alles mit diesem Instrument. Der immer wieder spontan bekundete Beifall gilt ebenso seinem intensiven Spiel auf der Klarinette.

Ob Soli oder Duette oder im Zusammenspiel der drei, immer beeindruckt das große Können jedes einzelnen. Ansteckend auch die Freude und die gegenseitige Wertschätzung, die sie ganz offen zeigen.

So wollte denn das Publikum sie am Ende auch nicht einfach gehen lassen. Bevor das Trio aber als Zugabe „On The South Side Of Chicago“ von Nat King Coles Bruder Freddy Cole spielte, wies Stephan Völker darauf hin, wie wichtig Örtlichkeiten wie das „Binchen“ sind: Kleine, feine Bühnen, die solche Auftritte möglich machen. Und er würdigte all jene, die im Hintergrund so tolle Arbeit leisteten.

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