JAW ein vorbildlicher Arbeitgeber

Ehrung: Margit Haupt-Koopmann (vorne, von links) und Petra Eylander überreichten Urkunden an Kirsten Voß und (im Hintergrund) Christian Lange.
Ehrung: Margit Haupt-Koopmann (vorne, von links) und Petra Eylander überreichten Urkunden an Kirsten Voß und (im Hintergrund) Christian Lange.

Arbeitsagentur lobte die hohe Zahl von Angestellten mit Behinderung in der Bildungseinrichtung der Nordkirche auf dem Koppelsberg

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30. November 2016, 13:00 Uhr

Mit Blick auf den Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung am 3. Dezember wollen die Arbeitsagenturen bundesweit mit einer Aktionswoche dafür werben, Menschen mit Handicap eine Chance auf dem Arbeitsmarkt zu geben. Die Pressekonferenz zu den aktuellen Arbeitslosenzahlen in Schleswig-Holstein und der Region Kiel und dem Kreis Plön fand deshalb gestern im Jugendaufbauwerk (JAW) Koppelsberg bei Plön statt – und wurde mit einer Auszeichnung der Bildungseinrichtung verknüpft. Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Regionaldirektion Nord der Agentur, und Petra Eylander, Chefin der Kieler Arbeitsagentur, überreichten Zertifikate, mit denen das besondere Engagement des Jugendaufbauwerks als Arbeitgeber für behinderte Menschen gewürdigt wird. Kirsten Voß, Leiterin des Bereiches Frauen, Männer und Jugend der Nordkirche sowie Christian Lange, Leiter des Jugendaufbauwerkes, nahmen die Urkunden entgegen.

Die von der Nordkirche getragene Einrichtung auf dem Koppelsberg fördere nicht nur als Bildungsträgerin, sondern auch als Arbeitgeberin Menschen mit Behinderungen: Zehn Prozent der Angestellten hätten ein Handicap.

Für Betriebe mit mehr als 20 Angestellten schreibe der Gesetzgeber bundesweit eine Quote von fünf Prozent an behinderten Beschäftigten vor, erläuterte Margit Haupt-Koopmann. Das gelte in Schleswig-Holstein für fast 4700 Betriebe, von denen aber fast 30 Prozent die Pflicht nicht erfüllten und für unbesetzte Plätze eine Abgabe zahlten.

Bundesweit werde statt der vorgeschriebenen Beschäftigungsquote von fünf Prozent ein Anteil von 4,7 Prozent erreicht, in Schleswig-Holstein nur 4,3 Prozent, im Kreis Plön sogar nur 3,9 Prozent. „Ich möchte keine Arbeitgeber schelten, natürlich spielt im Kreis Plön auch die Struktur mit vielen kleinen Unternehmen eine Rolle“, sagte Petra Eyländer.

Sie wünsche sich eine größerer Bereitschaft der Unternehmen, Menschen mit Handicap einzustellen, und das angesichts eines längst spürbaren Fachkräftemangels, fuhr Margit Haupt-Koopmann fort. Dabei habe diese Personengruppe ein großes Potenzial: „80 Prozent der Betroffenen sieht man nicht an, dass sie behindert sind. Und 54,1 Prozent der Arbeitslosen mit Handicap haben eine abgeschlossene Berufsausbildung, im Schnitt aller Arbeitslosen sind es 41,3 Prozent.“

Außerdem seien behinderte Mitarbeiter vielfach hoch motiviert. Es gebe vielfältige Fördermöglichkeiten für Arbeitgeber, die von Eingliederungszuschüssen bis hin zur behindertengerechten Ausstattung von Arbeitsplätzen reichten.

Trotz dieser nachweisbaren Vorteile seien in Schleswig-Holstein aktuell fast 5000 Menschen mit Behinderung arbeitslos gemeldet. Das seien 190 oder 3,7 Prozent weniger als vor einem Jahr. Die Zahl aller Arbeitslosen sei im selben Zeitraum aber stärker, nämlich um 5,2 Prozent gesunken.

„Für uns ist es wichtig, besonders jungen Menschen den Weg ins Berufsleben zu erleichtern“ sagte Kirsten Voß mit Blick auf die Arbeit, die im Jugendaufbauwerk Koppelsberg geleistet wird. Darunter seien natürlich auch viele, die es in ihrem Leben nicht einfach gehabt hätten.

Für ihn sei der Satz eines Kollegen eine zentrale Aussage, ergänzte Christian Lange, Leiter des Jugendaufbauwerkes: „Ich fühle mich nicht behindert, hier bin ich voll integriert.“

Als ein Mitarbeiter, der zu den zehn Prozent der Menschen mit Handicap in dem JAW zählt, stellte sich Martin Hennschen den Fragen der Journalisten: Der 29-Jährige aus Preetz ist einer von zwei Systemadministratoren für die Computer des JAW: Rund 100 Rechner seien zu betreuen, sagte Hennschen.

Gelernt habe er Technischer Zeichner, sei dann ein Jahr arbeitslos gewesen und durch eine Fördermaßnahme der Arbeitsagentur mit dem JAW auf dem Koppelsberg in Kontakt gekommen, wo sein Talent im Umgang mit Computern erkannt wurde.

Für seinen Weg zum Arbeitsplatz nimmt der Preetzer einiges auf sich: Er fährt mit der Bahn nach Plön und legt den Weg zum Koppelsberg mit dem Fahrrad zurück – zu jeder Jahreszeit. Martin Hennschen arbeitet schon seit dreieinhalb Jahren beim JAW.

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