Eutin : Jahresbände wechseln den Besitzer

Haben die 451 Almanache in die Landesbibliothek geholt: Hans Jürgen Arndt (Jürgen-Wessel-Stiftung, links) und Dr. Frank Baudach (Stiftung Eutiner Landesbibliothek).
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Haben die 451 Almanache in die Landesbibliothek geholt: Hans Jürgen Arndt (Jürgen-Wessel-Stiftung, links) und Dr. Frank Baudach (Stiftung Eutiner Landesbibliothek).

Die Eutiner Landesbibliothek hat 451 seltene Almanache aus dem Besitz des verstorbenen Künstlers Karl Leonhardt erworben

JulianHeldt_5837.jpg von
26. März 2014, 15:18 Uhr

Jahrelang schlummerte die riesige Almanach-Sammlung im Privatbesitz des Publizisten Karl Leonhardt aus Bosau. Als dieser im Jahr 2007 starb und die Bücher kurze Zeit später zum Verkauf standen, brauchte Dr. Frank Baudach von der Stiftung Eutiner Landesbibliothek nicht lange überlegen. Er wollte sie in das Archiv an den Schloßplatz holen. Einziges Problem: Da es sich bei Almanachen um seltene Jahrbücher aus der Frühen Neuzeit handelt, haben diese auch ihren Preis. 25 000 Euro wurden für den Kauf der insgesamt 451 Bücher aus dem 18. und 19. Jahrhundert benötigt.

„Wir haben für derartige Anschaffungen keine eigenen Haushaltsmittel, aber dafür gute Freunde, die uns unter die Arme greifen“, erklärt Carsten Behnk, Geschäftsführer der Kulturstiftung des Kreises Ostholstein. Möglich machte den Kauf schließlich eine Spende der Jürgen-Wessel-Stiftung aus Lübeck. „Mit dem Erwerb der Sammlung kann der bisherige Bestand von rund 350 Almanachen nicht nur mehr als verdoppelt, sondern auch inhaltlich auf ideale Weise ergänzt werden“, sagt Baudach. So seien in der Sammlung von Leonhardt nur sehr wenige Titel enthalten, die bereits im Besitz der Landesbibliothek sind.

Inhaltlich geben die erworbenen Almanache eine große Vielfalt her. Einige von ihnen haben auch einen Bezug zur Region. Etwa die Jacobi-Taschenbücher aus den Jahren 1795 und 1796 oder das Deutsche Musenalmanach, in dem der Lübecker Dichter Emanuel Geibel 1834 sein erstes Gedicht veröffentlichte. Bei Musenalmanachen handelt es sich um kleinformatige, jeweils jährlich erschienene Publikationen, die neben einem Kalendarium des entsprechenden Jahres auch zu dieser Zeit aktuelle Poesien enthalten. Als „absolutes Starstück“ der Leonhardt-Sammlung bezeichnete Baudach einen roten Maroquin-Einband mit goldgeprägtem Wappen vom spanischen König Carlos III. aus dem Jahr 1784. Dieser stamme offensichtlich aus dem Besitz eines Mitgliedes der königlichen Familie, so seine Vermutung. Da Almanache früher von ihrem Besitzer selbst gebunden wurden, handelt es sich bei den Exemplaren größtenteils um Unikate.

Für Geschichts- und Kulturinteressierte werden die Werke aus der Sammlung von Leonhardt in Kürze zugänglich sein. Derzeit werden sie in der Landesbibliothek sortiert, gesichtet und im Bibliotheken-Verbundssystem erfasst. „Die Almanache sind in eine Institution gelangt, in deren Bestände sie ideal hineinpassen und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können“, freut sich Baudach. Eine Fernleihe der Bücher wird aufgrund ihrer Seltenheit nicht möglich sein.

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