Jahre "wilder Ehe" einer Städtepartnerschaft

Ein Erinnerungsstück: Der „Jayhawk“.
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Ein Erinnerungsstück: Der „Jayhawk“.

Seit 20 Jahren sind Eutin und Lawrence offiziell schwesterlich verbunden, in Kansas wird deshalb heute gefeiert. Doch auch in den Jahren vor 1969 waren schon Studenten aus Lawrence zu Gast - Eva Pause erinnert sich an die schöne Stunden.

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02. Oktober 2009, 10:16 Uhr

Eutin/ | "Sister City" - so wird Eutin von den Menschen in Lawrence genannt. Seit 20 Jahren besteht ein lebendige Austausch zwischen den beiden Städten auf der Basis einer offiziellen Partnerschaft. Zum runden Jahrestag der "Schwesternschaft" ist eine Eutiner Delegation nach Kansas geflogen - denn heute (2. Oktober) wird das Jubiläum in Lawrence offiziell gefeiert.

In Ostholstein wurde der runde Jahrestag mit amerikanischen Gästen bereits im Juni gewürdigt. In den Jubiläumsreden wurde bei dieser Gelegenheit von "Porzellanhochzeit" für die offizielle Beziehung gesprochen, und auch von der "wilder Ehe" vor 1969: An diese Jahre erinnert sich die Eutinerin Eva Pause noch sehr gut. In ihrer Gaststätte am Rosengarten 18 beköstigte sie gemeinsam mit ihrem Mann Hermann von 1967 bis 1970 die amerikanischen Austauschstudenten.

"Wir waren erstaunt, dass sich die Universität in Lawrence/Kansas/USA Eutin zum Sitz ihres Sommerseminars für ihre Germanistikstudenten ausgesucht hatte", hat sie ihre Erinnerungen schriftlich festgehalten. Eine Studentin, deren Großmutter in Kiel wohnte, habe den Tipp gegeben, weil hier ein "gutes Hochdeutsch gesprochen würde". Eine Großstadt sei für die Amerikaner aber auf keinen Fall als "Sister City" in Frage gekommen - so sei die Rosenstadt Eutin gewählt worden.

Schon damals waren die Studenten in Gastfamilien untergebracht und wurden dort verpflegt, nach dem Deutsch-Unterricht an der Voß-Schule trafen sie sie sich jedoch zum Mittagessen im Gasthaus der Pauses: "Für die Studenten musste auf jedem Tisch eine Kanne mit Wasser und Gläser stehen." Über diesen kostenlosen, in Eutin unbekannten Service hätten sich die Serviererinnen sehr gewundert, berichtet Eva Pause.

Die Küche der Gaststätte sei wiederholt zur Popcorn-Herstellung genutzt worden: "Die Studenten hatten dazu Mais mitgebracht. Die Körner wurden in einem Eisentopf erhitzt und machten beim Zerplatzen einen höllischen Lärm. Wir staunten, wie aus einer Hand voll Mais ein ganzer Topf voll wurde."

Auch an die Professoren der Univerisity of Kansas, die die Studenten begleitet, finden Platz im Gästebuch der ehemaligen Wirtsfrau. So bedankt sich der beispielsweise der deutschstämmige Professor Erich Albrecht, der in den Jahren 1967 und 1968 mit den Studenten angereist war, bei den Pauses.

Auch der ebenfalls deutschstämmige Professor Helmut Hülsbergen, der in den nächsten beiden Jahren Begleiter der jungen Amerikaner war, ist im Erinnerungsalbum verewigt.

Ein Bild zeigt Hülbergen umringt von fröhlichen Soldaten: "Im zweiten Jahr kam seine Familie erst später, weil seine Frau inzwischen noch einen Säugling zu versorgen hatte. Professor Hülsbergen hielt sich in der Zeit dese Alleinseins abends viel bei uns auf", erklärt Eva Pause. Dabei sei es zu einem kameradschaftlichen Verhältnis zu Eutiner Feldwebeln gekommen: "Die fanden ihn so prima, dass sie ihn eines schönen Abends zum Feldwebel ehrenhalber kürten. Ein Stuhl wurde auf einen kleinen runden Tisch gestellt, und obenauf saß der Professor mit einem Feldwebel-Käppi. Alles tanzte klatschend um ihn herum."

Als Geschenk erhielten die Pauses einen "Jayhawk", das Maskottchen der Universität; auch dieser "quasselnde Habicht" erinnere noch an die schönen Stunden, fasst Eva Pause zusammen.

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