zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

15. Dezember 2017 | 05:44 Uhr

„Jahnkampf ist das Rundum-Paket“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Betsy Klahr hat sich für die deutschen Mehrkampfmeisterschaften in Eutin qualifiziert, die an diesem Wochenende ausgetragen werden

shz.de von
erstellt am 14.Sep.2015 | 14:55 Uhr

Dass sie Erste werden könnte, hatte Betsy Klahr vor einem Jahr schon abgehakt. Sie musste sich nach einer Armverletzung mit Tape bandagieren lassen. Beim Kugelstoßen musste der Verband ab. Doch dann witterte sie ihre Chance, der Ehrgeiz tat ein übriges. Jetzt passte ein Mosaiksteinchen zum anderen: Und die heute 17-Jährige konnte es kaum glauben. Die junge Turnerin des Polizeisportvereins wurde Deutsche Meisterin im Jahn-Sechskampf. So geht Betsy Klahr am Sonnabend als Titelverteidigerin und an Nummer 1 gesetzt bei den deutschen Meisterschaften in Eutin in den Wettbewerb.

„Der Jahnkampf ist das Rundum-Paket“, sagt Betsy Klahr. Je zwei Disziplinen aus dem Turnen, dem Schwimmen und der Leichtathletik stehen auf dem Programm, da ist Vielseitigkeit gefragt. Auch beruflich hat sich Betsy Klahr für einen Beruf mit vielen Seiten entschieden, sie hat am 1. Juli eine Ausbildung bei der Landespolizei in Eutin begonnen: „Ich wollte nicht nur im Büro sitzen, aber auch nicht immer unterwegs sein. Bei der Polizei gibt es viele verschiedene Bereiche“, sagt die junge Sportlerin. Sie sei sehr froh, dass sie die Aufnahmeprüfung geschafft habe. Die Ausbildung dauert zweieinhalb Jahre.

Sie genießt ihren Sport: „Der Salto gibt mir ein total freies Gefühl. Es ist superschön, wenn man die Flugphase spürt“, sagt Betsy Klahr. Sie ist bei deutschen Meisterschaften ein „alter Hase“. Ihre ersten Übungseinheiten mit den Trainerinnen Janina Peglow und Susann Meyer hat sie 2005 beim PSV Eutin absolviert, dem sie treu geblieben ist. „Bei meinen ersten deutschen Meisterschaften bin ich über 50 Meter hinterhergeschwommen, ich war mit Abstand die langsamste“, gesteht sie freimütig. Aber im Training hat sie an sich gearbeitet. Die PSV-Turnerinnen trainieren sonnabends im Kirsten-Bruhn-Bad, Schwimmen sei vor allem eine Frage der Technik, stellt sie fest – und verbesserte sich Jahr für Jahr.

Betsy Klahr ist von Haus aus Turnerin, kam vor rund zehn Jahren zusammen mit Hanna Marutz zu den Turnerinnen des PSV. Und beide sind bis heute dabei: „Wir sind eine Familie und wir sind füreinander da.“ Dabei kommt die sportliche Leistung nicht zu kurz. „Beim Trainingslager auf Föhr trainieren wir sehr viel, aber es gibt dann auch die Ausflüge zum Surfen. Die Älteren helfen den Kleinen, das ist schön“, sagt sie. Sie hat ein Jahr lang auch beim Kinderturnen als Übungsleiterin mitgeholfen: „Es hat Spaß
gemacht, die kleinen Kinder über die Bank zu begleiten.“

Bei der Polizei steht natürlich auch Sport auf dem Dienstplan, allerdings nicht ihr Lieblingssport Turnen, sondern Kampfsport. Kein Neuland, denn sie hat in Kindertagen dort erste Erfahrungen gesammelt und es bis zum grünen Gurt gebracht. „Beim Kampfsport kann man loslegen – und kann die Arme auch mal krumm machen, die beim Turnen ja immer schön gestreckt sein müssen.“

Aktuell ist es für Betsy Klahr schwierig, regelmäßig zu trainieren. „Meistens habe ich Dienst bis 17 Uhr, das Training fängt um 16 Uhr an, da ist es meistens zu spät um einzusteigen, also gehe ich in den Kraftraum. Und ich kann viele Übungen für die Rumpfmuskulatur auch allein machen“, sagt sie. In ihrem letzten Schuljahr hat sie sich durchgekämpft. „Nach einem langen Schultag noch drei Stunden Training, das ist schon hammerhart!“

Beim Turnen ist der Boden ihr Lieblingsgerät. „Die Bodenübung ist sehr persönlich, denn die Musik habe ich selbst ausgesucht“, sagt sie. Die Interpretin ist Lindsey Stirling. Sport birgt immer auch Gefahren. „Einmal gegen den Sprungtisch zu laufen, gehört einfach dazu“, stellt sie fest. Im März hat es sie aber deutlich schlimmer erwischt, sie landete bei einem missglückten Rückwärtssalto unglücklich und verletzte sich schwer. Sie hat auf das Gerät und zu ihrem Lieblingssport zurückgefunden. Wir haben ganz klein angefangen, viele Vorübungen gemacht und behutsam darauf hingearbeitet, dass es wieder klappt wie früher. Inzwischen kann ich die Übung wieder so turnen wie vor dem Unfall“, sagt sie.

Besonders schwer fällt Turnerinnen das Kugelstoßen. Auch da hat sie Fortschritte gemacht. Bei den Landesmeisterschaften hat sie eine neue Bestmarke aufgestellt. Sie stieß die Kugel auf die Zwölf-Meter-Marke. „Das ist ganz schön weit“,
habe sie gedacht. „Die ganzen Liegestütze haben sich gelohnt“, stellt die junge Frau fest. Anders verhalte es sich mit dem 100-Meter-Sprint. „Wir sprinten beim Turnen ziemlich wenig, und wenn, dann kurze Strecken, 100 Meter sind ganz schön weit!“

Die deutschen Meisterschaften in heimischer Halle wird sie genießen, auch wenn sie sich wohler fühlt, wenn sie im Hintergrund bleiben kann. Den größten Spaß hatte sie beim Schauturnen, wie bei der Sportschau in der Sieverthalle. „Da haben wir vor Publikum gemeinsam etwas zeigen können. Das fand ich richtig schön. Aber in diesem Jahr war dafür keine Zeit.“


> Startzeiten finden sich im Internet unter www.dmkm2015.de auf der Seite der deutschen Mehrkampfmeisterschaften.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen