Jagdsteuer: Jäger wollen sprechen

Norman Stoll erklärt den Kinder das Jagdhornblasen.
Norman Stoll erklärt den Kinder das Jagdhornblasen.

Der Kreis Plön hat die höchste Damwild-Dichte Deutschlands / Abschusszahlen bleiben weiterhin auf einem hohen Niveau

shz.de von
18. Mai 2018, 10:21 Uhr

Die Jäger des Kreises Plön blicken auch im abgelaufenen Jagdjahr auf eine zufriedenstellende Strecke zurück. Das wurde im Rahmen der Trophäenschau anlässlich des Kreisjagdtages in Holm deutlich. 3357 Wildschweine, 2660 Stück Rehwild und 3008 Stück Damwild wurden von den Jägern erlegt.

„Die Zahl ist gleichbleibend hoch“, so Norman Stoll von der Kreisjägerschaft. Aber, auch das wurde in Gesprächen innerhalb der Jägerschaft deutlich, die Zahlen müssten höher sein und werden wohl auch in laufenden Jahr deutlich steigen. Denn der Kreis Plön ist deutschlandweit der Kreis mit der höchsten Damwild-Dichte.

Das war den Kindern der Kita „Strandpiraten“ natürlich bei ihrem Besuch der Trophäenschau egal. Sie interessierten sich mehr für die ausgestellten Geweihe und lauschten aufmerksam den Erläuterungen zum Leben der Tiere im Wald. „Wie alt werden Hirsche?“, so eine Frage und gleich noch eine – fachgerechte – Antwort von ihnen zu den Revierkämpfen: „Die kämpfen darum wer Chef ist.“ Auch selbst hatten einige der angehenden Erstklässler schon Rehe und Hirsche gesehen „mit Oma beim Spaziergang im Wald“.

Im Bericht des Vorsitzenden der Kreisjägerschaft, Claus-Henrick Estorff aus Plön, ging es um die Punkte, die bei den rund 120 anwesenden Jägern immer wieder für Diskussionen sorgen. Erst Mitte März ist in Schleswig-Holstein eine Änderung der Jagd- und Schonzeiten nach Bundesvorgaben in Kraft getreten. Damit ist die bisherige Schonzeit für Keiler und Bachen bei Wildschweinen aufgehoben.

Vorbehaltlich der Bestimmungen darf die Jagd auf Schwarzwild nun ganzjährig ausgeübt werden. Dieser Punkt ist für die Jäger im Hinblick auf die sich möglicherweise ausbreitende Afrikanische Schweinepest mehr als relevant. Noch grassiert sie eher in Ostpolen und Teilen Ungarns. Sollte sie jedoch irgendwann Schleswig-Holstein erreichen, muss schnell gehandelt werden. Denn sie auszurotten wird aus Sicht nicht nur der Jäger Jahre dauern und ist nur über verstärkte Abschüsse von Schwarzwild zu regeln.

Neu ist das vorgestellte Projekt „Fellwechsel“ des Deutschen Jagdverbandes, von dem nun auch die Jäger im Kreis profitieren sollen. In der Vergangenheit konnten die Jäger die Bälge und Felle der erlegten Tiere noch verkaufen, heute ist der Bedarf an echten Fellen drastisch reduziert und wird durch Importe „von fuchsähnlichen Hundefellen aus China“ gedeckt, so Stimmen aus dem Jäger-Lager. Durch eine neu eingerichtete Annahmestelle in Ascheberg können Jäger ihre Felle nun dort zu einer koordinierten deutschlandweiten Vermarktung abgeben. Weiter laufen sollen auch die erfolgreichen Programme des „Wildbuffets“ mit dem Dehoga, wo Jäger ihr Fleisch direkt über Restaurants vermarkten können. Und nicht zuletzt „Hochsitz statt Tiefschlaf“ und zu Wasser das „Otterpicknick“, wo Besucher eben mit dem Leben im Wald vertraut gemacht werden.

Ein weiteres – noch immer ungelöstes – Streitthema ist die vom Kreis erhobene Jagdsteuer. Die schon laufenden Gespräche darüber mit dem Kreis waren wegen der Wahl zunächst ausgesetzt worden. Im Kern geht es darum, dass die Jägerschaft wegen der erhobenen Jagdsteuer nicht mehr bereit ist, Fallwild aus Unfällen einzusammeln. Als Entgegenkommend hatte der Kreis letztlich beschlossen, 50 Prozent der Jagdsteuer an die Jägerschaft für bestimmte Projekte zu erstatten. Damit sind aber die Revierinhaber, die die Jagdsteuer zahlen müssen, nicht einverstanden, verlautete aus Jagdkreisen. Sie fordern, dass die Erstattung ihnen direkt und nicht der Kreisjägerschaft zufließt. Jetzt sollen die Gespräche weitergehen. Die Jäger setzen dabei vor allem auf CDU und FDP im Kreistag, die gegen die Steuer votiert haben. Der Vorsitzende der Kreisjägerschaft, Claus-Henrick Estorff, drückt es dabei vorsichtiger aus: „Die bisherigen Standpunkte beider Seiten wurden … noch einmal aufgefrischt.“ Nach der konstituierenden Sitzung des Kreistages sollen die Gespräche aber in jedem Fall wieder aufgenommen werden.

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