Jäger: Jagdsteuer wird ein Eigentor

Die Beseitigung von etwa 2400 verletzten oder getöteten Tieren erfordert pro Jahr einen Aufwand von rund 240 000 Euro vom Kreis

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15. Oktober 2011, 08:10 Uhr

Plön/Lütjenburg | Mit der beschlossenen Wiedereinführung der Jagdsteuer zum 1. April 2012 wird der Kreistag aus Sicht der Kreisjägerschaft ein finanzielles Eigentor schießen. Nach Überzeugung von Dr. Dieter Junkelmann, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Jagdsteuer in der Plöner Jägerschaft, würden die Kosten für die Entsorgung von sogenanntem Fallwild deutlich die Steuereinnahmen übersteigen.

"Erst, wenn vernünftige Zahlen vorliegen, können die Kreistagsabgeordneten auch eine verantwortungsvolle Entscheidung treffen", betont Dr. Junkelmann. Die Kreisverwaltung habe aber bislang weder tragfähige Zahlen über die Höhe der Jagdsteuer, noch über die auf den Kreis zukommenden Kosten vorgelegt. Es gebe lediglich eine Feststellung, dass andere Kreise die Jagdsteuer abgeschafft hätten, weil die Kosten höher seien als die Einnahmen.

Dr. Junkelmann rechnet vor, dass die Beseitigung von etwa 2400 angefahrenen und verletzten oder getöteten Tieren pro Jahr einen Aufwand von 240 000 Euro pro Jahr erfordern werde, vorsichtig geschätzt 100 Euro pro Tier. Denn durch Beschluss der Jäger, nach der Einführung einer Jagdsteuer ab April 2012 keine Wildbergung mehr vorzunehmen, müsse der Kreis für Bergungsgerät und Fangschusswaffen, Fahrzeug- und Personalkosten für eine 24-Stunden-Bereitschaft an 365 Tagen sowie für An- und Abfuhr eines Entsorgungsbetriebes sorgen.

Seit Aufhebung der Jagdsteuer am 31. März 2005 hätten die Jäger vertraglich abgesichert die Entsorgung des Fallwildes vorgenommen, seitdem eine 24-Stunden-Erreichbarkeit sichergestellt, für das Aufspüren verletzter Tiere eine Schweißhunde-Station mit drei Hunde-Führern aufgebaut, denen Schutzkleidung und Fangschusswaffen zur Verfügung stünden.

Für den Kreis komme bei Einführung der Steuer noch der personelle Verwaltungsaufwand zur Einziehung und Bearbeitung der Jagdsteuer in 250 Revieren hinzu. Der werde mit etwa 50 000 Euro im Kreishaushalt zu Buche schlagen. An Einnahmen seien zwischen 85 000 und 125 000 Euro vorstellbar. Angesichts dieser Zahlen könne eine Wiedereinführung der Steuer nicht im öffentlichen Interesse liegen und einen fiskalischen Nachteil zu Lasten des Kreishaushaltes bringen. Damit sei die Einführung eigentlich rechtswidrig.

"Die Jagsteuer ist eine nicht mehr zeitgemäße und völlig überalterte Steuer", betonte Dr. Junkelmann. Sie stamme aus dem 19. Jahrhundert, sei analog zur seinerzeit erhobenen Schlachtsteuer eingeführt worden, als die Jagd noch einen Überschuss eingebracht habe. Heute erfüllten Jäger nach Bundes- und Landesjagdgesetz eine öffentliche Aufgabe. Die Jagd diene beispielsweise dem Schutz der Wälder durch Verminderung von Verbiss- und Wildschäden. Durch den Abschuss werde für eine Regulierung und Gesunderhaltung der Wildbestände sowie für eine Reduzierung von Verkehrsunfällen gesorgt. Für die Pflege der Reviere sei keine Kostendeckung, geschweige denn ein Gewinn zu erzielen.

"Im September beschlossen die Revierinhaber mit einem einstimmigen Votum, dass im Fall der Einführung der Jagdsteuer ab April 2012 keine Wildbergung mehr vorgenommen wird", erinnert Dr. Dieter Junkelmann. Vor diesem Hintergrund weist er die Kritik, dass die Jäger nicht an dem Entwurf einer neuen Satzung mitwirken, zurück. "Warum sollen wir an etwas mitarbeiten, das wir ablehnen?"

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