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Ostholsteiner Anzeiger

17. Oktober 2017 | 00:32 Uhr

PLÖN : Jäger der vergessenen Bilderschätze

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Ist das Kunst oder kann das weg? Zwei Expertinnen gaben im Kreismuseum Antworten – und stießen auf reges Interesse.

shz.de von
erstellt am 16.Nov.2015 | 06:00 Uhr

Jeder Blick auf das große Ölgemälde ist immer auch ein Blick in die eigene Familiengeschichte. „Mein Ur-Urgroßvater aus Mecklenburg ist damals mit diesem Schiff gefahren“, sagt Joachim Permien, als er auf die Marinemalerei mit Goldrahmen zeigt. Sie porträtiert einen dreimastigen Segler auf hoher See, über dessen Beflaggung der Kunstbesitzer auf den Namen der Bark stieß: Este. Mehr wisse er aber auch nicht über das Werk, gibt Joachim Permien zu, nur, „dass es sich bereits seit Mitte des 19.Jahrhunderts im Familienbesitz befindet.“ Aber wer hat es gemalt? Und welchen Wert könnte es mittlerweile besitzen? Um Antworten zu finden, ist Permien am vergangenen Samstagvormittag ins Plöner Kreismuseum gekommen – zur Sprechstunde zweier Kunstexpertinnen, die hier sind, um Antworten zu geben.

Eine von ihnen ist Ariane Skora, einem größeren Publikum bekannt geworden als Fachfrau für Gemälde in der beliebten NDR-Fernsehproduktion „Lieb & Teuer“, und genau wie ihre Kollegin Anke Brakhage studierte Kunsthistorikerin. Beide kommen nun schon seit einigen Jahren regelmäßig nach Plön, doch bereits der erste Blick in die Eingangshalle des Kreismuseums verrät Skora, „dass wir mit unserem Angebot wohl mal wieder offene Türen eingerannt haben.“ Mehr als 50 Anmeldungen sind für den Tag registriert worden, die Liste musste aufgrund der großen Nachfrage sogar nochmals verlängert werden. Von 10 bis 17 Uhr haben sich die beiden Expertinnen nun Zeit genommen – in Arbeitsteilung, wie Anke Brakhage erklärt: „Während ich ein Werk genauer betrachte und meine Eindrücke schildere, recherchiert Frau Skora mittels Datenbanken und Lexika bereits Preise und, falls nötig, auch den Künstler.“

Das System scheint zu funktionieren. Zehn Minuten pro Gemälde, und bis jetzt immer ein Ergebnis. Bis jetzt. Als Joachim Permien an der Reihe ist und sein Schiffsbild vorstellt, gerät die Taktung kurz ins Stocken. Ariane Skora erkennt sofort die fehlende Signatur und erklärt dem Kunstbesitzer, dass es dann bei Marinemalereien mit der Recherche des Künstlers immer so eine Sache sei. Oft hätten Reedereien hierzu eigene Datenbanken, auf die man von außen nicht zugreifen könne, weswegen sie nun zunächst den Gang zum Museum für Hamburgische Geschichte empfehlen würde. „Man kann anhand der Beflaggung ja ganz klar erkennen, dass das Schiff dort gefahren sein muss.“

Und der Preis? „Generell besitzen solche Seefahrtsbilder einen hohen Sammlerwert“, wirft Anke Brakhage ein, während sie online vergleichbare Motive ähnlicher Größe ermittelt. Und Ariane Skora ergänzt, dass es sich bei diesem Exemplar zudem um eine sehr schöne Feinmalerei handele, an der es handwerklich nichts auszusetzen gebe. Ergebnis: Zwei- bis Dreitausend Euro, was über eine Auktion aber sogar noch steigerbar wäre.

Joachim Permien nimmt es stoisch zur Kenntnis. Das Gemälde sei ein Familienerbstück und daher ohnehin nicht zum Verkauf gedacht. „Und außerdem haben meine Kinder bereits Anspruch darauf erhoben“, lacht Permien, als er mit dem Kunstwerk das Museum verlässt.

Ariane Skora und Anke Brakhage widmen sich da längst der nächsten Malerei – vielleicht ja wieder ein vergessener Bilderschatz.

 

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