zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

12. Dezember 2017 | 14:07 Uhr

Neue Planung : Ist der Knoten nun durchschlagen?

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Ausschuss bringt trotz Klagedrohung des Investors einmütig einen Bebauungsplan für die ehemalige Hofstelle Wiese auf den Weg.

shz.de von
erstellt am 05.Sep.2014 | 12:53 Uhr

Eutin | Bei den Planungen für eine Bebauung der ehemaligen Hofstelle Wiese in der Riemannstraße hat die Stadt nun nach fast drei Jahren des Streits einen bedeutenden Schritt nach vorn gemacht. Einstimmig billigte der Stadtentwicklungsausschuss am Donnerstagabend die Planungen, die das von der Stadt beauftragte Lübecker Büro „Building Complete Solutions“ (BCS) vorgelegt hat. Damit ignorierten die Ausschussmitglieder Einwände des Investors Hans-Rudolf Kruse aus Bad Schwartau. Er sieht durch den nun eingeschlagenen Weg seine Planungen, barrierefreien Wohnraum zu bezahlbaren Mietpreisen zu schaffen, untergraben.

Die nun auf den Weg gebrachte Aufstellung des Bebauungsplans Nr. 118 für ein Gebiet östlich der Riemannstraße und südlich Kuhbergsredder sieht für die beiden Flurstücke der ehemalige Hofstelle Wiese (Riemannstraße 92) den Neubau von zwei Stadthäusern mit sechs Wohneinheiten sowie von drei Stadtwürfeln mit zwei Wohneinheiten vor. Die Wohnungen sollen jeweils zwischen durchschnittlich 70 und 75 Quadratmeter groß sein, die Häuser mit maximal zwei Vollgeschossen und einem Staffelgeschoss eine Höhe von zehn Metern nicht überschreiten, betonte Planerin Kerstin Langmaack auf Nachfrage. Insgesamt sollen so 18 Wohneinheiten entstehen. „Das ist städtebaulich eine sehr interessante Variante zur Abrundung des Wohngebiets“, lobte Karlheinz-Jepp (SPD) und fügte mit Blick auf die teils hitzigen Auseinandersetzungen um die Bebauung hinzu: „Auf diese Weise können wir den Knoten durchhauen.“

Eine Variante sah fünf Stadtwürfel mit jeweils fünf Wohneinheiten vor, womit insgesamt 25 Wohneinheiten entstanden wären. Für diesen Vorschlag stimmte jedoch nur die CDU. Die SPD,
Grüne, FWE und FDP plädierten für die etwas kleinere Variante. Diese umfasst auch die Neuanlage von insgesamt 41 Stellplätzen. Außerdem sieht die Planung die Bebauung neun benachbarter Flurstücke mit Einfamilienhäusern vor.

„Uns waren die Kleinteiligkeit und Blickachsen wichtig“, erläuterte Stadtplanerin Stephanie Eilers. Deshalb solle es keine größeren Gebäude geben. Größer bauen, dass ist jedoch das Ziel von Investor Kruse. Schriftlich hatte er bereits im Vorfeld der Sitzung gedroht: „Sollte mein Grundstück derart überplant werden, werde ich mich mit allen zur Verfügung stehenden juristischen Mitteln, einschließlich einer Schadenersatzklage gegen die Stadt Eutin, zur Wehr setzen.“ Um seine Planungen zu verhindern, hatte sich die Stadt nach vielem Hin und Her überhaupt erst durchgerungen, einen B-Plan aufzustellen.

Im Ausschuss zeigte sich Kruse etwas versöhnlicher: „Vom Prinzip her finde ich die Planung nicht so ganz verkehrt“, räumte er ein. Allerdings sei barrierefreies Wohnen mit den nun vorgesehenen kleinen Gebäuden nicht zu realisieren. „Barrierefreies Wohnen setzt voraus, dass ein Fahrstuhl da ist. Der ist sehr teuer.“ Das lasse sich mit kleinen Gebäuden nicht finanzieren.

Sein Vorschlag, die Zahl der Wohneinheiten von sechs auf zehn oder zwölf aufzustocken, stieß aber auf Ablehnung: „Das wäre ja doppelt so groß, das kann ich mir gar nicht vorstellen“, entgegnete Monika Obieray (Grüne). Und Karlheinz Jepp stellte die Notwendigkeit, barrierefrei zu bauen, in Abrede: „Wir haben als Stadt gar nicht gefordert, an dieser Stelle barrierefreie Wohnungen zu bauen.“ Von der Klagedrohung ließ sich der Ausschuss nicht beeindrucken: „Wir müssen vor einen Rechtsstreit keine Angst haben“, bekräftige SPD-Fraktionschef Hans-Georg Westphal.

Das gilt aus Sicht von Politik und Verwaltung auch für den seit langem schwelenden Streit um die Erschließung. Sie soll weiterhin zwischen den Gebäuden Nr. 92 und 94 erfolgen – mit einer Einbahnstraßenregelung. Das sei knifflig, weil die Durchfahrt sehr schmal sei, räumten die beiden Planerinnen unisono ein. Laut FWE-Vertreter Heinz Lange stehen 2,78 Meter zur Verfügung. Ein Anlieger drohte ebenfalls mit einer Klage, da es keine Überwegungs- und Leitungsrechte gebe. Bauamtsleiter Bernd Rubelt focht das nicht an. Zwar seien rechtliche Bedingungen in Betracht zu ziehen, eine geordnete Erschließung sei aber möglich.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen