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Ostholsteiner Anzeiger

22. August 2017 | 20:48 Uhr

Irrtum verhalf zu Einsatz in Lissabon

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Claus Slembeck konnte Spanisch – und musste auch Portugiesisch lernen

Mit ihm sind ein paar Besonderheiten verbunden, mit dem neuen stellvertretenden Kommandeur des Aufklärungsbataillons 6 „Holstein“. Augenfällig ist der Dienstgrad Oberstleutnant, den Claus Slembeck (42) bekleidet, denselben wie der Kommandeur. Stellvertreter waren bislang mit dem Dienstgrad Major ausgestattet. Zu den Besonderheiten zählen auch seine Erfahrungen mit Verwendungen im Ausland und seine Fremdsprachenkenntnisse: Englisch, Spanisch, Portugiesisch und – nicht zuletzt durch die Ehefrau befördert – Polnisch. Und ein bisschen Latein ist auch noch gespeichert.

Stettin in Polen war Slembecks letzte Dienststelle, bevor er zu Jahresbeginn als Nachfolger von Major Christoph von Freymann nach Eutin kam und offiziell bei einem Appell am 22. Januar vorgestellt wurde. Zwei Jahre war er im „Multinational Corps Northeast“, das von Dänen, Deutschen und Polen gebildet wird, in Stettin eingesetzt. Das wird für die Eutiner Aufklärer nicht „folgenlos“ bleiben: Slembeck möchte Kontakte zu den dänischen Aufklärern vertiefen, deren Hauptquartier nördlich von Esbjerg sitzt. Und die Eutiner Aufklärer werden, das steht bereits fest, Ende Mai mit einem Panzerspähwagen „Fennek“ an einem „Tag der offenen Tür“ des Multinationalen Korps’ in Stettin mitwirken.

Slembecks Frau und die beiden Kinder leben noch in Stettin. Sie werden im Sommer nach dem Ende des aktuellen Schuljahres zurück in das Haus der Familie in Lüneburg ziehen. Claus Slembeck ist Niedersachse und ein waschechter Aufklärer. Aufgewachsen in der Nähe von Munster, trat er nach dem Abitur am 1. Juli 1992 den Dienst beim Panzeraufklärungslehrbataillon 11 an. Nach dem Studium der Geschichte an der Bundeswehr-Universität in Hamburg kam er 1999 zur Aufklärungskompanie 400 in Lüneburg, die übrigens später nach Eutin verlegt wurde.

2002 gehörte Slembeck zum zweiten Kontingent der deutschen Soldaten, die ein halbes Jahr in der afghanischen Hauptstadt Kabul eingesetzt waren. Nach Stationen in Nienburg/Weser und Gotha sowie Auslandseinsätzen im Kosovo und in Bosnien kam eine besonders herausfordernde Zeit: drei Jahre im militärischen Nachrichtenwesen in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon.

Zu dieser Verwendung trug ein kleiner Irrtum bei: „Als zweite Fremdsprache habe ich Spanisch gelernt, und mein Kommandeur meinte, Portugiesisch sei doch so ähnlich.“ Drei Jahre saß Slembeck in Portugal in einem multinationalen Planungsstab der Nato. „Wir haben Einsätze geplant, darunter die Mission ,Ocean Shield‘, der Einsatz gegen Piraten am Horn von Afrika“, erzählt Slembeck. Nicht Afghanistan, sondern diese Zeit wertet er als seine bislang größte militärische Herausforderung. „Da geht es nicht um die eigene Sicherheit, sondern um die Verantwortung für andere. Wenn da etwas schief läuft, hat das böse Konsequenzen.“

Das mit einem Intensiv-Sprachkurs begleitete Lernen der portugiesischen Sprache, die von Spanisch weit entfernt ist, war da eher eine kleine Herausforderung. Dem Portugal-Einsatz folgte ein Jahr im Rheinland beim Kommando „Strategische Aufklärung“, bevor Slembeck mit der kompletten Familie nach Stettin verlegte.

Im Heimatland seiner Frau waren Slembecks Polnisch-Kenntnisse hilfreich, aber nicht notwendig: Im Multinationalen Korps wird Englisch gesprochen. „Ich verstehe auch mehr Polnisch, als ich sprechen kann“, räumt er ein. Die Zusammenarbeit mit Polen und Dänen fand er sehr gut, einfacher als mit Soldaten anderer Nationen.

Und warum ist er als Stellvertreter des Kommandeurs schon Oberstleutnant? Slembeck: „Ich bin sehr früh zum Oberstleutnant befördert worden, und die Stellvertreter in den Bataillonen sollen künftig immer mehr auch Oberstleutnant sein; die meisten müssen das Bataillon auch eine Zeitlang führen, weil die Chefs in der Regel auch in einen Auslandseinsatz gehen.“

In Eutin sei die Bataillonsführung im übrigen ein harmonisches Duo, zumal man sich seit Jahrzehnten kenne. Das gelte sowohl für Georg-Wilhelm Prinz zu Waldeck als auch für dessen Nachfolger Oberstleutnant Alexander Radü, der im April kommt. Aufklärer sind eine kleine Heereseinheit. Das ist schon ein bisschen wie eine große Familie.

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erstellt am 17.Mär.2015 | 16:53 Uhr

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