Plöner Gastronomen sehen sich im nachteil : Irritationen um Beach Club am Großen Plöner See

Eröffneten den Beach Club am Ufer des Großen Plöner Sees: Wulf Jesse (links) und Hanno Grode.
Eröffneten den Beach Club am Ufer des Großen Plöner Sees: Wulf Jesse (links) und Hanno Grode.

Betreiber Hanno Grode: „Plöner Gastronomen dürfen sich hier gern mit präsentieren und einen Stand aufbauen.“

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12. Juli 2020, 13:43 Uhr

Plön | Der Anfang Juli an der Plöner Stadtbucht auf dem Gelände der ehemaligen Fischerei Reese eröffnete Beach Club sorgt für Irritationen. Der Grund: Manch Plöner Gastronom hätte das Grundstück offenbar gern selber genutzt. Das Thema kochte Ende Juni im Stadtentwicklungsausschuss hoch (der OHA berichtete), als Hanno Grode (43) und Wulf Jesse (46) Kies und Sand auffahren ließen und Zelte aufbauten, um am Ufer des Großen Plöner Sees Snacks und Getränke anzubieten. Die gelernten Köche sind Geschäftsführer der Culisseum Gastro GmbH und betreiben in Kiel ein Unternehmen, das wegen Corona noch bis Ende Oktober gesperrt ist.

Gastronom Nicolas Tiede.
Orly Röhlk

Gastronom Nicolas Tiede.

 

„Wir sind sehr enttäuscht. Seit dem ersten Stadtbuchtfest stand immer im Raum, dass man das Gelände gern nutzen würde“, erklärte Nicolas Tiede im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Plöner betreibt in der Langen Straße eine Cocktailbar, die wegen Corona erst jetzt wieder donnerstags, freitags und sonnabends geöffnet ist. Er habe häufiger bei der Stadt nachgehakt, was mit dem Grundstück geschehen solle. „Niemand wusste, dass das Gelände zur Verfügung steht. Es ist ärgerlich, wenn Leute an einen Standort gelotst werden, den es vorher nicht gab“, machte Tiede keinen Hehl daraus, dass der Beach Club eine Konkurrenz für die Innenstadt bedeute.

Grode: 2Wir wollen nicht in Konkurrenz stehen"

„Wir wollen nicht in Konkurrenz stehen“, versicherte Grode auf Nachfrage. „Plöner Gastronomen dürfen sich hier gern mit präsentieren und einen Stand aufbauen.“ Jesse, der in Plön wohnt, erzählte, dass er auf das Grundstück über die Ausschreibung des Landes (für die Fischerei) gestoßen sei. Mit dem Beach Club sei es gelungen, alle acht Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zu holen.

Bürgermeister Lars Winter.
Orly Röhlk

Bürgermeister Lars Winter.

 

Wulf Jesse habe ihn am 16. April angeschrieben, bestätigte Bürgermeister Lars Winter. Da das Gelände dem Land gehört, hielt Winter Rücksprache mit dem Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN). Jesse habe ein Konzept eingereicht, das die Stadt mit der UNB des Kreises abklärte, und mit dem LKN einen Vertrag über die temporäre Nutzung bis Ende August abgeschlossen. Die Stadt erteilte die gaststättenrechtliche Genehmigung. Eine weitere Genehmigung sei nicht erforderlich, da Zelte als fliegende Bauten gelten. Nicolas Tiede habe zwar nachgefragt, was mit der Fläche passiert, aber nicht gefragt: Kann ich auf der Fläche etwas machen, räumte Winter ein. Von sich aus wäre die Verwaltung nie auf die Idee gekommen, das Grundstück in dieser Zeit einem Gastronomen anzubieten.

Gastronom Ronald Dobe.
Orly Röhlk

Gastronom Ronald Dobe.

 

„Für die Bars in der Stadt ist das ein Problem“, vermutet Ronald Dobe, Betreiber des Restaurants Concilium Culinarium. Er könne nachvollziehen, dass die Stadt an diesem Standort etwas bieten möchte, aber nicht, weshalb man dann einen Gastronomen von außen nach Plön holt. „Man hätte auch einen Plöner als Betreiber fragen können. Die Idee gab es schon länger, dort etwas zu machen.“

Dr. Birgit Böhnke.
Orly Röhlk

Dr. Birgit Böhnke.

 

„Es ist immer schön, wenn Gewerbetreibende die Initiative ergreifen, um Plön zu beleben, aber ich kann die Befürchtungen der Gastronomen verstehen, wenn außerhalb der Stadt Konkurrenz zur Innenstadt entsteht“, erklärte Dr. Birgit Böhnke, stellvertretende Vorsitzende des Stadtmarketing-Vereins. Veranstaltungen an der Stadtbucht hätten immer Einfluss auf die Innenstadt. Die Gastronomen müssten sich mit der 50-Prozent-Regelung (wegen Corona darf nur jeder zweite Tisch besetzt werden) ein Polster für den Winter erarbeiten. „Gerade in diesem Jahr, wo alle Geschäfte eingeschränkt wurden, hat man mehr Ängste als in normalen Jahren.“

Die Stadt Plön selbst ist am Standort der Fischerei Großer Plöner See interessiert

Wie berichtet, ist die Stadt selbst an dem Standort interessiert. Ideen gebe es einige, so der Bürgermeister: Beach Club, Tiny Houses für Übernachtungen, ein gemeinsames WC- und Duschhaus mit dem PSV, Co-working-Space. Das Problem: Das Land habe der Stadt bisher weniger als ein Drittel zugedacht, wo man gern mehr hätte. Ein Drittel soll an einen neuen Fischer verpachtet werden, ein weiteres Drittel werde für beide nutzbar sein. Die Stadt müsste die Fläche kaufen, würde aber auch gern pachten, so Winter. Darüber wie auch über die der Stadt zugedachte Größe der Fläche werde noch verhandelt.

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