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Ostholsteiner Anzeiger

19. November 2017 | 22:52 Uhr

Irrfahrten zum „Alten Bauhof“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Zustelldienste finden neue Adresse Alter Bauhof nur schwer / Navigationsgeräte helfen Autofahrern nicht weiter / Neue Schilder

von
erstellt am 17.Okt.2017 | 16:35 Uhr

Ein holländischer Lkw-Fahrer soll mit seinem schweren Lkw den Festspielen eine neue Vitrine liefern. Er orientiert sich an der allseits bekannten Adresse Schlossgarten. Doch an den fein mit Reet gedeckten Torhäusern ist für ihn und seinen Lkw Schluss. Es gibt nur eine Chance. Der Brummi-Fahrer muss sich rückwärts mit seinem langen Gefährt aus der Kopfsteinpflaster-Straße in die Oldenburger Landstraße zurückquälen und 300 Meter weiter links in die Straße Alter Bauhof einfahren. Das ist kein Einzelfall.

Mit der Landesgartenschau hat sich in dem Bereich der Zufahrt zum Schlossgarten nämlich einiges geändert – schleichend. Bewohner, die zuvor am Schlossgarten hinter den Torhäusern wohnten, sind jetzt – und das ohne Umzug – in der Straße Alter Bauhof zu Hause. Doch die neue Straße Alter Bauhof war rund 14 Monate ohne Beschilderung – was im Juli nach einem Beschluss der Stadtvertretung vom 21. Juni geändert wurde.

Sie mussten zum Beispiel ihre gesamte geschäftliche und private Korrespondenz auf neue Grundlagen stellen. „Wir haben Visitenkarten, Flyer, Stempel und unser Briefpapier erneuern müssen“, sagte Kirstin Schröder. Sie wohnt mit dem Männercoach Dirk Schröder und den vier Kindern jetzt in der Straße Alter Bauhof 6 – schon seit über einem Jahr und einem vorausgegangenen Beschluss der Stadtvertretung und ohne Schriftzug am Eingang der neuen Straße. Vorher wohnte die Schröder-Family noch im Schlossgarten 4. Ähnliche Veränderungen gibt es auch für die alte Försterei, die jetzt die Postadresse Jungfernort hat – vorher war es noch die Oldenburger Landstraße.

Ob es DHL, UPS, FedEx oder Hermes ist – es hat einige Zeit gedauert, bis alle Paketdienste den Bogen raushatten. Die routinierten Fahrer kennen jetzt den Umweg – aber was ist, wenn neue Fahrer kommen? „Wir wissen ja gar nicht, wer uns nicht erreicht“, schmunzelt Kirstin Schröder. Anfangs sei sie mit ihrem Mann zusammen an die Torhäuser gegangen, um die erwarteten Paketdienste abzufangen. Das ist aber nicht immer geglückt und soll auch kein Dauerzustand werden. Klienten, die sie erwarten, erhalten natürlich eine ausführliche Wegbeschreibung.

„Einmal erwarteten wir eine Gepäcknachlieferung vom Hamburger Flughafen“, sagte Kirstin Schröder. Hier habe nachts um 23 Uhr nur die alte Adresse und das nächtliche Warten vor den Torhäusern gezählt.

Doch es gibt noch mehr Probleme durch so einen nur einfach scheinenden Wechsel der Adresse: „In online-Systemen oder bei Banken ist die neue Adresse noch gar nicht vorhanden“, erfuhr Kirstin Schröder bei der Sparkasse. Dort sei Alter Braaker Mühlenweg für Alter Bauhof ausgeworfen worden. Den Alten Bauhof kennt halt keiner – nicht mal die schlauen Computer.

Aber das soll sich bald ändern. Die Stadt Eutin hat die Problematik bereits mit dem Landesvermessungsamt erörtert. Von dort werden die Daten an die Internetdienste generell zur Verfügung gestellt. Und Schwierigkeiten könnte es dort geben, weil die neue Straßen Am Bauhof noch gar nicht vom Katasteramt eingemessen sei. Auf jeden Fall wird die Stadt eine Vermessung der Verkehrsfläche zeitnah in Auftrag geben, heißt es aus dem Rathaus.

Doch damit sind die Navigationssysteme in den Fahrzeugen noch lange nicht auf dem neuesten Stand. Das dauert etwa drei Jahre, bis neue Straßen dort aufgenommen werden. Und so lange werden wohl auch holländische Lkw-Fahrer noch in die Straße am Schlossgarten fahren, um die Festspiele mit Dingen zu beliefern.

Beleg fehlender Navigationsangaben ist die Tatsache, dass der bereits zwei Mal per Notruf alarmierte und vor Ort orientierungslose Rettungsdienst in die Straße Alter Bauhof per Handzeichen gelotst werden musste.

 

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