Eutin : Internet blockiert beim Kreis Ostholstein

Das Internet ist auch für Landrat Reinhard Sager tägliche Informationsquelle. Die Homepage seines Kreises Ostholstein war jetzt zwei Tage vom Netz, blockiert durch massenhafte Zugriffe.
Das Internet ist auch für Landrat Reinhard Sager tägliche Informationsquelle. Die Homepage seines Kreises Ostholstein war jetzt zwei Tage vom Netz, blockiert durch massenhafte Zugriffe.

Eutin Der Internetbetrieb des Kreises Ostholstein ist zu Wochenbeginn vermutlich durch Sabotage für fast 48 Stunden lahm gelegt worden. Die Kreisverwaltung spricht von einem Angriff.

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06. Januar 2015, 13:52 Uhr

Der Internetbetrieb des Kreises Ostholstein ist zu Wochenbeginn vermutlich durch Sabotage für fast 48 Stunden lahm gelegt worden. „Wir gehen von einem Angriff aus. Durch eine Flut von Aufrufen innerhalb weniger Sekunden war seit Sonntagmittag kein Zugriff mehr auf unsere Homepage möglich“, sagte Verwaltungssprecher Thomas Jeck gestern.

Ebenfalls gestört war der Mailverkehr der Kreisverwaltung. Betroffen von der Netz-Blockade, die nach Erkenntis der Informationstechnik-Experten beim Kreis am 4. Januar um 13 Uhr einsetzte, waren auch die Städte Eutin, Fehmarn und Neustadt sowie die Gemeinden Ahrensbök, Stockelsdorf und Süsel. Ihre Internet-Seiten sind mit dem entsprechenden Serverdienst des Kreises verknüpft; wer seit Sonntag unter ihren Web-Adressen Auskünfte über Gremiensitzungen oder Öffnungszeiten der Rathäuser suchte, sah bis gestern Vormittag in die Röhre.

Der Netzbetreiber Vodafone wies früh jede Veranwortung für Leitungsdefekte von sich. Bei der Rekonstruktion der Datenströme entdeckten die IT-Spezialisten dann, dass schlagartig am Sonntag die Kreisadresse mit Aufrufen überlastet und damit für Folgenutzer für geraume Zeit blockiert worden war.

Dieser Vorgang wird in der Fachsprache „denial of service“ (Leistungsverweigerung) genannt und ist im Bereich der Wirtschaft bekannt als Mittel, Konkurrenten zu schaden. Diese Netz-Sabotage ist strafbar; gerätselt wird jetzt in Eutin, wer hinter dem Angriff auf die kommunale Internet-Präsenz in Ostholstein stecken könnte.

„Uns ist kein vergleichbarer Vorgang anderswo derzeit bekannt“, sagte Jeck. Es habe sich bei der Attacke nicht um einen Versuch gehandelt, direkt ins Datennetz der Verwaltung einzudringen: „Wir sind nicht ausspioniert, es wurden auch keine Viren abgelegt. Die Firewall, unser IT-Sicherheitssystem, hat stand gehalten.“

Zusätzliche Brisanz erhält durch diesen Vorfall die Kritik des Landesrechnungshofes am Umgang vieler Kreise mit der elektronischen Datentechnik. Viel zu bemängeln fanden die Prüfer auch in Ostholstein; eine ihrer Forderungen soll hier jetzt aber erfüllt werden: Im Stellenplan 2015 ist neu die Tätigkeit eines Datenschutzbeauftragten ausgewiesen.

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