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Ostholsteiner Anzeiger

19. Oktober 2017 | 08:19 Uhr

„Intermar“ kommt unter den Hammer

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Das ehemalige Hotel mit rund 40 Zimmern wird zwangsversteigert. Dafür sind zahlreiche Einzeltermine geplant. Start ist am 20. Mai im Eutiner Amtsgericht

shz.de von
erstellt am 16.Apr.2015 | 12:40 Uhr

Einst zog das „Intermar“-Hotel an der Malenter Diekseepromenade ganze Busladungen voller Urlauber an. Vereine und Verbände fanden in dem Gebäude außerdem einen der größten Veranstaltungsräume der Region. Doch mit der Insolvenz des 1974 eröffneten Hotels vor rund zehn Jahren war diese Ära endgültig vorbei. Jetzt kommt das ehemalige Hotel vom Restaurant über Saal und Schwimmbad bis hin zu rund 40 Hotelzimmern unter den Hammer.

Vom Eutiner Amtsgericht werden die Räume, die sich im Erdgeschoss und den ersten drei Obergeschossen des zwölfstöckigen Hochhauses befinden, in den nächsten Monaten versteigert – und zwar Stück für Stück. Auftakt ist am Mittwoch, 20. Mai, um 9 Uhr in Saal C des Amtsgerichts. Dort können Interessenten auf zwei Wohnungen bieten – dabei geht es um teils sehr niedrigen Beträge.

Bei nur 5001 Euro liegt der Verkehrswert der günstigeren der beiden Ein-Zimmerwohnungen mit Flur, Bad, Zimmer und Balkon, aber ohne Küche, gelegen im 2. Obergeschoss auf der Landseite. Der eine Euro über der runden Summe kommt durch den gutachterlich festgesetzte Wert des Inventars zustande. Der Unterhaltungsstau liegt bei 6850 Euro. Teurer ist die zweite Wohnung. Sie ist vergleichbar mit der ersten, liegt aber auf der Seeseite und hat mit 1600 Euro einen deutlich niedrigeren Unterhaltungsstau. Hier liegt der Verkehrswert bei 13  050 Euro.

Das obere Ende der Preisspanne markiert eine 69 Quadratmeter große ehemalige Betreiberwohnung im 1. Obergeschoss (Restaurant-Etage), laut Gutachter 31  000 Euro wert. Eine von drei zur Versteigerung stehenden Betreiberwohnungen ist bewohnt, alle anderen Zimmer stehen leer. Ein Teil der Wohnungen wurde in den 90er Jahren modernisiert. Die nebeneinander liegenden Zimmer, meist 19 oder 26 Quadratmeter groß, könnten auch zusammengelegt werden. Die folgenden Versteigerungen für jeweils zwei Wohnungen sind für den 15. und 20. Juli sowie den 2., 9. und 30. September geplant. Weitere Termine stehen noch nicht fest.

Zum Schnäppchenpreis ist das Schwimmbad zu haben. Sein Wert liegt bei 12  000 Euro. Allerdings liegt der Unterhaltungsstau bei immensen 240  000 Euro. Tiefer in die Tasche langen muss, wer auf das eigentliche Hotel bieten will – mit Restaurant, Foyer, Hotelhalle, Kursaal, WCs und Küchenraum. Sein Wert liegt bei 158  000 Euro. Hier liegt allerdings auch die Achillesferse des Intermars: Asbest. Aus Brandschutzgründen wurden Stahlträger seinerzeit mit Spritzasbest ummantelt. Der Sanierungsbedarf, dies ist den beim Amtsgericht einsehbaren Gutachten zu entnehmen, liegt bei rund 1,125 Millionen Euro.

„Das betrifft ausschließlich den Anbau, nicht das Hochhaus“, betont Hausverwalter Volker Moltzen. Diverse Maßnahmen seien nach einem Gutachten aus dem Jahr 2000 bereits ergriffen worden. In Teilbereichen gebe es noch Asbestvorkommen, die durch abgehängte und versiegelte Decken aber nicht freilägen. Da sie sich im seit Jahren ungenutzten Hotelbereich befänden, bestehe derzeit kein Sanierungsbedarf, sagt Moltzen.

Will ein Erwerber jedoch hier sanieren, müsste die Gemeinschaft aus derzeit 150 Eigentümern die Kosten gemeinsam tragen. Umgekehrt würde diese aber auch von einem Käufer profitieren, da sie derzeit auch die laufenden Kosten des leer stehenden Hotelbereichs mittragen muss. „Das Wohngeld könnte um 30 Prozent reduziert werden, wenn der insolvente Hotelbereich nicht wäre“, erklärt Moltzen. Laut Gutachten fehlen der Gemeinschaft rund 180  000 Euro Wohngeld jährlich.

Außerdem listet das Gutachten sanierungsbedürftige Flachdachbereiche und Feuchtigkeitsschäden im Bereich der Tiefgarage auf. Eine Instandhaltungsrücklage sei nicht vorhanden. In die Zeit nach Erstellung des Gutachtens fallen noch nicht restlos gelöste Probleme mit einer Verkeimung des Trinkwassers (wir berichteten).

Eine weitere Problematik ist die Nutzung der Wohnungen (siehe unten). Denn das Gebäude liegt im Sondergebiet Kur. Da hier nur Ferienwohnungen erlaubt sind, ist Dauerwohnen baurechtlich nicht zulässig. Trotzdem haben hier derzeit die Besitzer von 70 Wohnungen ihren ersten Wohnsitz angemeldet.

Eigentümerin der zur Versteigerung stehenden Räume ist immer noch die insolvente „Interhoma“ GmbH des Malenters Heinz Dieter Nolte-Franzen. Er hatte das Hotel 2006 erworben, um dies in Wohnraum umzuwandeln, scheiterte jedoch. Sein einstiger Geldgeber, eine GmbH, betreibt nun die Zwangsversteigerungen.

Diese sogenannte Grundschuldgläubigerin habe sich bereits Gedanken über eine mögliche künftige Nutzung des Hotelbereichs gemacht, weiß Moltzen. So könnte das Erdgeschoss etwa für Einzelhändler im touristischen Bereich und Dienstleister genutzt werden, denkbar wären Friseur, Pflegedienstbüro, Krankengymnasik, Café, Bäcker oder Kiosk. Der Saalbereich könnte durch eine Lichtkuppel für mehr Tageslicht aufgepeppt werden, lautet eine weitere Idee.

Ungeachtet aller Unsicherheiten ließen sich Interessenten in der Vergangenheit nicht abschrecken. Sie habe 2014 sechs Wohnungen im Intermar versteigert, erinnert sich Marianne Schnepel, Rechtspflegerin im Eutiner Amtsgericht. „Die sind reißend weggegangen.“ Alle Wohnungen hätten Preise über dem Verkehrswert erzielt.

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