Malente : Intermar: Erste Zimmer versteigert

Rund 40 Wohnungen in den unteren Intermar-Geschossen stehen leer. Gestern bekamen zwei von ihnen einen neuen Besitzer.
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Rund 40 Wohnungen in den unteren Intermar-Geschossen stehen leer. Gestern bekamen zwei von ihnen einen neuen Besitzer.

Die Hauptgläubigerin versuchte gestern vergeblich, den ersten Akt der von ihr selbst angestrengten Zwangsversteigerung abzubrechen

shz.de von
20. Mai 2015, 12:04 Uhr

Seit Jahren stehen rund 40 Wohnungen in den unteren Etagen des ehemaligen Intermar-Hotels leer. Seit Jahren hoffen etwa 160 Eigentümer in den darüber liegenden Stockwerken, dass sich neue Eigner für die ehemaligen Hotelzimmer und wenigen Betreiberwohnungen sowie für Räume wie den Saal oder das Schwimmbad finden. Dann müssten sie nicht mehr die laufenden Kosten mittragen. Ein kleiner Teil ihrer Hoffnung wurde gestern schon mal erfüllt.

Die ersten beiden in der ersten Etage liegenden 19-Quadratmeter-Wohnungen – eines zur Land-, eines zur Seeseite – wurden im Eutiner Amtsgericht versteigert. 18 Personen waren in Saal C des Amtsgerichts gekommen, darunter viele Bewohner des Intermars.

Das Zimmer zur Landseite ging nach einem Bieterstreit deutlich über dem Verkehrswert von 5000 Euro weg. Ein Hamburger, der bereits eine Wohnung im Intermar besitzt, zahlte schließlich 6800 Euro. Unter dem Verkehrswert von 13  000 Euro blieb die Wohnung zur Seeseite, auf die ebenfalls zwei Parteien geboten hatten. Zum Zuge kam eine Hamburger Immobilien-Firma. Ein Pinneberger, der ebenfalls schon eine Wohnung im Intermar besitzt, hatte auf beide Zimmer geboten, stieg dann aber aus.

Für eine Überraschung sorgte ein Vertreter der Firma, die das Zwangsversteigerungsverfahren betreibt. Die in Hamburg ansässige KG  FBK Service GmbH und Co. hatte der Interhoma GmbH des Malenters Heinz Dieter Nolte-Franzen einst Geld für den von ihm geplanten Umbau der Hotelzimmer in Wohnungen geliehen. Im Grundbuch steht eine Schuld von 400  000 Euro. Mitten in der Bietstunde stellte der Firmenvertreter plötzlich den Antrag, das Verfahren einzustellen. „Wir wollten doch mal sehen, ob es funktioniert“, kommentierte er die irritierten Mienen. Offensichtlich funktionierte es zu gut.

Allerdings hatte er dabei die Rechnung ohne die Gemeinde Malente gemacht, die gleich mit zwei Mitarbeitern zum vormittäglichen Termin gekommen war. Die Gemeinde nutzte die Zwangsversteigerung, um nicht gezahlte Grundsteuern einzutreiben. Da diese vorrangig zu behandeln seien, könne das Verfahren nur mit Zustimmung der Gemeinde eingestellt werden, erklärte Rechtspflegerin Frauke Wessendorf und belehrte den Firmenvertreter: „Dann hätten Sie die Grundsteuern vorher ablösen müssen.“

Welchen Hintersinn der Wunsch nach einem Abbruch der Versteigerung hatte, wollte der Firmenvertreter nicht verraten. Möglicherweise verfolgt das Unternehmen ein eigenes Konzept, wie es die ehemaligen Hotelräume und -zimmer künftig nutzen will. Hat es einen Investor an der Hand, wäre es günstiger, sich auf privatrechtlicher Ebene zu einigen, weil dann die Gerichtskosten für die Versteigerungen wegfielen.

Das hinderte den Firmenvertreter aber nicht, noch einmal gegen Nolte-Franzen auszuteilen. Dessen Firma ist mittlerweile mit einem Auflösungsvermerk versehen. „Die Eigentümergemeinschaft kann Herrn Nolte-Franzen jetzt Hausverbot erteilen, das ist ja schon mal was“, erklärte er süffisant.

In letzter Minute hatte Intermar-Hausverwalter Volker Moltzen noch Forderungen angemeldet. Für den Zeitraum von Juni 2009 bis Juni 2011 verlangte er Wohngelder in Höhe von je rund 1900 Euro. Das führte im Falle der günstigeren Wohnung zu der kuriosen Situation, dass das das Mindestgebot in die Höhe getrieben wurde. Normalerweise liegt dies bei der Hälfte des Verkehrswerts. Doch Gerichtskosten (1400 Euro), Grundsteuern (490 Euro) und Forderungen des Wasser- und Bodenverbands (30 Euro) addierten sich mit dem Wohngeld auf rund 3800 Euro als geringstes Gebot.

Die nächste Versteigerung zweier weiterer Wohnungen, beide auf der Seeseite und mit 19 Quadratmetern sowie mit Verkehrswerten von 8000 und 12  500 Euro, ist für Mittwoch, 15. Juli, um 9 Uhr angesetzt – wenn die Hauptgläubigerin nicht für einen Stopp der Versteigerungen sorgt.

Dabei spekulieren die gestrigen Erwerber durchaus noch mit der Ersteigerung weiterer Wohnungen: „Mir gefällt das Haus eigentlich gut, auch die Verwaltung ist gut“, erklärte der neue Eigentümer der landseitigen Wohnung. Wenn der Preis stimme, könne er sich vorstellen, weitere Wohnungen zu erwerben. Auch der Vertreter der Hamburger Immobilien-Firma schien nicht abgeneigt. Bevor er darüber nachdenke, müsse er sich den Neuerwerb aber erst einmal ansehen.

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