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Ostholsteiner Anzeiger

17. Oktober 2017 | 03:04 Uhr

Interesse für Pflegeberuf wecken

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Agentur für Arbeit veranstaltete erstes Branchengespräch in Eutin / Netzwerk gegründet / Gemeinsame Handlungsinitiativen geplant

von
erstellt am 28.Dez.2013 | 00:33 Uhr

Was tun gegen den Mangel an Fachkräften in
der Pflegebranche? Passende Antworten wollen Altenpflegeeinrichtungen, mobile Pflegedienste, die Fachschule für Altenpflege, Bildungsträger, Arbeitsagentur und Jobcenter in Ostholstein jetzt gemeinsam suchen. Dieses Ziel setzten sich ihre Vertreter bei einer ersten Netzwerk-Zusammenkunft in Eutin.

Eingeladen dazu hatte die Agentur für Arbeit Lübeck. „Uns bewegt die gleiche Herausforderung: Wie begegnen wir dem vorhandenen und sich weiter abzeichnenden Fachkräftebedarf in der Pflegebranche?“, sagte ihr Geschäftsführer Wolfgang Werner. In Lübeck und Ostholstein sei das Thema auch deswegen brisant, weil die Region ein bundesweit beliebter Altersruhesitz sei.

Vor rund 60 Personalverantwortlichen aus der Pflegebranche erläuterte Werner in der staatlich anerkannten Fachschule für Altenpflege des DRK-Landesverbandes Schleswig-Holstein in Eutin die Situation auf dem Arbeitsmarkt und die Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt. Sein Fazit: „Junge Leute interessieren sich nicht für den Pflegeberuf, weil sie meist gar keine oder falsche Vorstellungen davon haben. Auch die Chancen und Aufstiegsmöglichkeiten sind wenig bekannt.“

Leichter falle diese Berufswahl den Jugendlichen, die bereits sozial engagiert seien. Aus Sicht der Berufsberater sollte durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit und das Angebot von Praktika das Berufsbild besser vermarktet werden. Die Pflege sei nicht mehr der typische Frauenberuf, sondern biete auch Männern gute Einstiegschancen.

Die Meinung der Arbeitsmarkt-Experten: „Examinierte Kräfte finden schnell eine Arbeitsstelle, wenn es keine Einschränkungen gibt. Nach wie vor schwierig ist die Situation für Teilzeitkräfte, weil sie wenig flexibel reagieren und zum Beispiel keine geteilten Dienste übernehmen können.“ Eine Chance für alle sei die Weiterbildung gering qualifizierter Beschäftigter im Unternehmen, was unter bestimmten Voraussetzungen von der Agentur finanziell unterstützt werden könne.

Praktische Einsichten vermittelten vier Schüler der DRK-Altenpflegeschule, die ihren Weg in den Pflegeberuf schilderten. Martina L. hatte keine Bedenken, sich mit 53 Jahren nochmals auf die Schulbank zu setzen. Denn durch die Pflege ihrer Eltern und ehrenamtliche Tätigkeit sei ihr das Berufsbild bestens bekannt. Auch Cedric C. (17 Jahre) hatte bereits über seine Eltern Erfahrungen in der Pflege gesammelt. Er sehe hier für sich gute Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten. Die Alleinerziehende Annika S. (26 Jahre) kam durch ein Gespräch bei ihrem Arbeitsvermittler auf die Idee, ein Praktikum in der Altenpflege zu machen. Das gefiel ihr so gut, dass sie als Pflegeassistentin anfing und mit der Ausbildung nun ihren Abschluss zur Altenpflegerin machen will. . Die 24-jährige Kathrin R. hat eine abgeschlossene Ausbildung als Kosmetikerin. Doch als sie nach Fehmarn zog, fand sie in ihrem Beruf keine Stelle. Da bereits ihre Erstausbildung viele Gesundheitsaspekte umfasste, wolle sie darauf aufbauen.

Mit diesen Impulsen gingen die Teilnehmer des Branchengesprächs in fünf Workshops. Sie diskutierten, wie das Bild der Altenpflege in der Öffentlichkeit optimiert werden kann, welche zukunftsweisenden Arbeitsmodelle es gibt, mit welcher Fachkompetenz die Arbeitskräfte ausgestattet sein sollten, ob die Anwerbung von Arbeitskräften aus dem europäischen Ausland den Pflegenotstand beheben oder wie die Zusammenarbeit mit Arbeitsagentur und Jobcenter verbessert werden kann. Die Netzwerkarbeit soll im Frühjahr fortgesetzt werden.


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