Interesse an "Hein Lüttenborg"

Über die Gleise wächst langsam Gras. Doch noch ist das Ende von 'Hein Lüttenborg' nicht besiegelt. Foto: Schröder
Über die Gleise wächst langsam Gras. Doch noch ist das Ende von "Hein Lüttenborg" nicht besiegelt. Foto: Schröder

Wird die Bahnstrecke Malente - Lütjenburg doch nicht stillgelegt? Dem derzeitigen Eigentümer liegen mehrere Kaufangebote vor

shz.de von
04. Oktober 2012, 07:47 Uhr

Malente | Das Ende der Eisenbahnstrecke Malente - Lütjenburg ist noch nicht besiegelt: "Es gibt mehrere Interessenten", erklärte Ludger Guttwein zu einem möglichen Verkauf der rund 17 Kilometer langen Strecke. Wie viele Interessenten es gibt und um wen es sich handelt, wollte Guttwein mit Rücksicht auf mögliche rechtliche Konsequenzen für das Verkaufsverfahren nicht sagen. Das Interesse wertete der Eisenbahn-Unternehmer aus Borchen (Nordrhein-Westfalen) immerhin als "positiven Ausblick". Wie es nun weitergehe, sei aber völlig offen. Verhandlungen mit den Interessenten könnten sich "zwei Monate, aber auch zwei Jahre" hinziehen.

Hintergrund ist ein Stilllegungsverfahren (wir berichteten) für die mit dem Namen "Hein Lüttenborg" verknüpfte Trasse. Am 1. Oktober endete die Frist für Interessenten, ein Kaufangebot für die Strecke abzugeben. Eigentümerin ist derzeit

die Eisenbahnbetriebs- und Consulting GmbH (EBC), die Guttwein gehört. So lange ein Unternehmen bereit ist, Züge fahren zu lassen, darf die Strecke nicht stillgelegt werden. Über den Stilllegungsantrag entscheidet das Land.

Zu den Interessenten gehört auf jeden Fall der Landesverband Norddeutschland des Deutschen Bahnkundenverbands (DBV). Der DBV ist Gründer der Deutschen Regionaleisenbahn (DRE), die bereits mehrere Strecken in Deutschland betreibt und auch Interesse an "Hein Lüttenborg" hat. Allerdings habe die DRE aufgrund früherer Differenzen mit Guttwein kein Interesse, selbst mit diesem zu verhandeln, erklärte Gerhard J. Curth. Er ist sowohl Vorsitzender Geschäftsführer der DRE als auch DBV-Präsident. "Die DRE ist aber gerne bereit, fachlich einzusteigen, wenn jemand anderes Interesse am Kauf der Strecke bekundet."

Auf den ersten Blick erscheint es überraschend, dass überhaupt jemand einen Kauf der mehr als 120 Jahre alten Strecke in Erwägung zieht. Denn in der Veröffentlichung der EBC, mit der die Stilllegungsabsicht angekündigt wurde, nannte Guttwein extreme Kosten für sofort fällige Investitionen. Fünf Millionen Euro seien für die Instandsetzung von technischen Bahnübergangssicherungen fällig, heißt es im Bundesanzeiger. Das gelte jedoch nur, wenn die bestehenden Anlagen durch neue ersetzt würden, relativierte Guttwein.

"Da sind wir auf die Nase gefallen", räumte er mit Blick auf die alte Technik ein. Diese habe sich durch fehlende Teile und Kurzschlüsse als stark überholungsbedürftig erwiesen. "Wir hätten früher in die Schaltkästen blicken sollen", räumte Gutt wein ein. Doch auf anderen vergleichbaren Strecken habe er diese Probleme nicht gehabt. Alle Bemühungen, die Technik in Betrieb zu setzen, seien gescheitert: "Wir können die notwendigen Ersatzteile nicht auftreiben." Es sei aber durchaus möglich, dass einer der Interessenten selbst noch über die notwendigen Teile verfüge. Dann käme die Instandsetzung wesentlich billiger. Ein Betrieb wäre nach Angaben von Curth allerdings auch ohne Sicherungstechnik möglich. Dann müsse der Zug sich entweder durch Pfeifen bemerkbar machen oder den Bahnübergang erst nach Absicherung mit Posten queren. Der Kaufpreis dürfte aus Curths Sicht nicht allzu hoch ausfallen. "Der richtet sich nach dem Ertragswert." Und der tendiere gegen null.

Guttwein selbst hat sein Vorhaben, zwischen Malente und Lütjenburg wieder historische Züge fahren zu lassen, noch nicht völlig abgeschrieben. "Wenn wir die Ersatzteile bekommen, machen wir das." Die Befürchtung, er wolle die Strecke nach der Stilllegung entwidmen, um die Schienen zu demontieren und zu Geld zu machen, wies er zurück. "Das ist nicht ansatzweise eine Option." Es lohne sich nicht und sei mit einem erheblichen Verwaltungsaufwand verbunden. Üblicherweise würden Strecken nur von Kommunen entwidmet, die so zu ihrem Baurecht kommen wollten. Die Stilllegung habe er vorsorglich betrieben, erläuterte Guttwein. Denn wenn die Aufsichtsbehörde ihn zur Inbetriebnahme der Strecke auffordere, wäre er in der Pflicht, für eine funktionierende Bahnübergangssicherung zu sorgen.

Davon abgesehen habe er in den vergangenen Jahren bereits erhebliche Summen in die Sanierung der Strecke gesteckt, machte Guttwein klar. Allein die Erneuerung der Bahnübergänge habe einen fünfstelligen Betrag gekostet. Insgesamt seien bereits einige 100 000 Euro in die Strecke geflossen, etwa für die Erneuerung von Schwellen oder das Zurückschneiden der Vegetation.

Unterdessen macht man sich auch in Lütjenburg und Malente Gedanken, was man für den Erhalt der Strecke tun kann. Es hat bereits ein Treffen der Verwaltungsspitzen mit einem Vertreter der DRE gegeben. Ein Kauf der Strecke durch die Kommunen kommt dabei wohl kaum in Betracht: Das brächte neben dem finanziellen Aspekt zu viele Unwägbarkeiten mit sich, erklärte Lütjenburgs stellvertretende Bürgermeisterin Traudl Holst. Allerdings sei man nun auf der Suche nach Ideen, wie ein Betrieb, etwa durch Fördermittel, ermöglicht werden könne.

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