Integration schwer gemacht

Ortstermin: Torsten Geerdts (Mitte), Karsten Schneider vom Landesverband der VHS (re.) in einer Klasse mit Flüchtlingen.
Ortstermin: Torsten Geerdts (Mitte), Karsten Schneider vom Landesverband der VHS (re.) in einer Klasse mit Flüchtlingen.

Sprachkurse für Flüchtlinge werden sehr gut angenommen, aber es fehlt an der Koordinierung

shz.de von
24. Mai 2018, 14:55 Uhr

Sie sind einfach nur stolz darauf, dass sie nun auch schon ganz gut Deutsch sprechen können. Sie, das sind 31 Flüchtlinge, die in Lütjenburg freiwillig an einem Erstorientierungskurs der Volkshochschule teilnehmen. Auch wenn ihr Deutsch noch längst nicht perfekt ist, sie verstehen und können sich im Alltag ausdrücken. Und vor allem, sie wollen gerne weiter lernen.

Seit Sommer 2017 fördert nun auch der Bund diese Erstorientierungskurse für Geflüchtete mit unklarer Bleibeperspektive. Damit wird auch das Land entlastet, das diese Kurse bereits seit 2013 durchführte. „Der Bund hat eine gute Idee aus Schleswig-Holstein übernommen“, sagt Karsten Schneider vom Landesverband der Volkshochschulen, der diesen Unterricht betreut. Nachdem das Vorhaben an vier Standorten in Schleswig-Holstein in einem Modellprojekt erprobt wurde, übernahm der Landesverband der Volkshochschulen die Koordinierung der landesweit angebotenen bisher 51 Kurse an 21 Standorten.

Wie die Kurse angenommen werden und welche Erfolge damit erzielt werden, wollte Staatssekretär Torsten Geerdts (CDU) gestern bei einem Gespräch mit den Beteiligten in der Förderschule Plön, Außenstelle Lütjenburg, erfahren. Aber auch, welche Probleme es noch gibt. Weil der Bund nur die Kurse selbst zahlt, hilft das Land begleitend bei den Fahrkosten und der Kinderbetreuung, ein ganz zentrales Problem gerade in ländlichen Gebieten wie dem Amt Lütjenburg. 315 000 Euro stellt das Land für Fahrkostenerstattungen bereit – eigentlich zu wenig, wie in Gesprächen deutlich wurde.

Die Kurse selbst sind in sechs Module mit jeweils 50 Unterrichtseinheiten zu unterschiedlichen Schwerpunkten aufgeteilt. Gewählt werden können die Stunden nach Bedarf aus einer Vorgabe von elf. So beispielsweise Themenfelder wie „Kindergarten/Schule“ oder „Mediennutzung“. Andere Bereiche wie „Arbeit“, „Einkaufen“ oder „Sitten und Gebräuche“ spielen eine wesentliche Rolle, damit sich die Flüchtlinge einbringen können. Der Baustein „Werte und Zusammenleben“ ist dabei verpflichtend für alle. Bis Ende Februar 2018 konnten insgesamt mehr als 900 Teilnehmende erreicht werden.

Geerdts zeigte sich auch bei einem Rundgang im Gespräch mit den „Schülern“ – Männern und Frauen vor allem aus Afghanistan – beeindruckt. „Niemand in dieser Gesellschaft soll uns verloren gehen.“ Doch genau das ist noch der kritische Punkt. Was kommt nach diesen Erstkursen? Wenn weiterführende Kurse stattfinden, dann vielleicht in Kiel und nicht in Lütjenburg. Und schon ist man wieder bei der Transportfrage und dem Problem der Kinderbetreuung. Ein weiteres Problem ist die Schwierigkeit, ausreichend Lehrkräfte zu finden. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) habe einfach zu hohe Anforderungen und setze bei den Lehrkräften eher auf Formalien, so die Kritik der beteiligten Lehrer. Die BAMF-Anforderungen seien nicht praxisorientiert – eine Botschaft, die Geerdts mit nach Hause nehmen will.

Der Kursus in Lütjenburg läuft seit Januar bis zu den Sommerferien; der Klassenraum ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Motivation sei hoch. Gern erzählen die Beteiligten dem Staatssekretär etwas von sich, was sie vorhaben, wie sie lernen oder arbeiten wollen. Doch das alles geht nur, wenn sie die Anschlusskurse besuchen und dann die Prüfung machen könnten – nur eben diese Integrations-Kurse gibt es in Lütjenburg (noch) nicht. Ein Punkt, den sich der Staatssekretär wohl notierte.

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