„Integration kostet Zeit und Geld“

Projekt Migranten in Arbeit: Unternehmer ziehen erstes Fazit

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25. März 2017, 00:56 Uhr

Der Unternehmensverband Ostholstein-Plön (UVOHP) hat gemeinsam mit der Kreishandwerkerschaft das Projekt „Neue Wege in Beschäftigung“ vor rund einem Jahr gegründet. Integration von Flüchtlingen sei für die Wirtschaft ein großes Thema, bekräftigt UVOHP-Vorstand Werner Süß. Denn: „Der Fachkräftemangel in Deutschland kann nur gelingen, wenn wir es schaffen, die Menschen mit Asyl in vernünftige Ausbildungs- und Arbeitsverhältnisse zu bringen“, so Süß.

Die Zustimmung der rund 350 Mitgliedsbetriebe des UVOHP machte den Vorstand optimistisch: „Die Unternehmer sind bereit, Migranten zu beschäftigen, aber sie müssen über entsprechende Deutschkenntnisse verfügen und geeignet für die jeweiligen Berufe sein.“ Genau da setzt das Projekt „Neue Wege in Beschäftigung“ an, das vom zuständigen Ministerium bis Ende des Jahres (mit Option auf Verlängerung) gefördert wird. Langzeitarbeitslose Migranten ab 25 Jahre bekommen einen Coach an die Seite, der sie und den Unternehmer unterstützt. „Es ist 1:1-Betreuung, aber nur so können wir auch erfolgreich sein“, betonte Süß.

Das erste Fazit nach einem Jahr: Von bisher 29 Teilnehmern wurden zwei in Arbeit, zwei in eine Ausbildung und drei in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vermittelt. „Wir sind stolz, dass wir das Projekt angeschoben haben“, sagte Süß. Es seien viele kleine Schritte notwendig, aber wenn viele die gehen, geschehe eine ganze Menge. Die Vermittlung an den UVOHP erfolgt übers Jobcenter des Kreises Ostholstein. Derzeit gibt es in Ostholstein 1210 erwerbsfähige anerkannte Flüchtlinge: 419 sind in Sprachkursen, 256 in Unterrichtsklassen und 869 in Fördermaßnahmen, wie der des Verbandes. 350 Menschen können derzeit laut Jobcenter nicht arbeiten, weil sie traumatisiert sind oder Kinder betreuen.

Neben den zahlreichen bürokratischen Hürden, die zu überwinden seien, wenn man Flüchtlinge in Arbeit oder Ausbildung bringen will, stehe allen voran immer noch die Sprache als wichtigster Schlüssel. Die Sprachkurse brauchen mehr Zeit, als man allgemein denkt, so Süß, und selbst mit B1-Niveau seien die Menschen oft noch nicht in der Lage, in der Berufsschule der Fachsprache zu folgen. Süß: „Die Integration der Flüchtlinge dauert mindestens noch 15 Jahre. Das heißt auch, das Geld für solche Projekte zur Verfügung gestellt werden muss.“ Andernfalls drohe ein Abrutschen der Menschen in Sozialsysteme und Parallelgesellschaften.
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