Ins Kreuz gesprungen bei „Sport gegen Gewalt“

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Friedliches Fußballspiel endet für 22-Jährigen im Krankenwagen / 18-jähriger Freund vor Gericht

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31. Juli 2014, 19:00 Uhr

Gemeinsam etwas Fußball spielen, Freunde treffen oder die eigene Lebenssituation mit Sozialarbeitern besprechen – unter dem Motto „Sport gegen Gewalt“ findet auf Initiative des Kriminalpräventiven Rates der Gemeinde Scharbeutz seit 2003 immer donnerstags die „Offene Turnhalle Pönitz“ statt. Seit 2011 können sich Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis 27 Jahre auch in Scharbeutz treffen, um beim Sport Spaß zu haben und sich abzureagieren. Letzteres hat am 23. Januar dieses Jahres ein damals 18-Jähriger wohl zu wörtlich genommen: Dimitrij W. (Name geändert) musste sich gestern vor dem Amtsgericht Eutin dafür verantworten, dass er einem Freund während des gemeinsamen Fußballspiels in Scharbeutz ins Kreuz gesprungen ist. Das Opfer leidet noch heute unter den Folgen.

Anfänglich war es noch eine heitere, lockere Atmosphäre. Nils F. jagt Markus M. den Ball ab, die zwei Freunde jagen sich danach zum Spaß, bis beide auf dem Boden lagen – „vor Lachen“, betont Nils F. (21), der vor Gericht sich nur noch daran erinnern kann, dass er aus den Augenwinkeln sah, wie Kumpel Dimitrij angelaufen kam. Just in diesem Moment wollte F. aufstehen, als Dimitrij W. ihm in den Rücken sprang. Unter dem Gewicht des Freundes brach das Schienbein. „So hat der noch nie geschrien“, sagte F.s Schwester aus – sie hatte das Ganze von der Tribüne aus mitansehen müssen.

Dimitrij W. wollte nach eigener Aussage den „Streit“ zwischen den beiden Fußball-Kumpels beenden. „Ich bin dazwischen gegangen, weil ich wollte, dass das Fußballspiel weitergeht.“ Nach seiner Version, die zwei Zeugen nicht bestätigten, habe er Nils F. über die Schulter geworfen und nicht angesprungen. Eine Situation so zu klären, sei „ungewöhnlich, wenn man befreundet ist“, warf Amtsrichter Otto Witt ein.

Vorausgegangen seien wiederholte Meinungsverschiedenheiten zwischen den Kumpels. Ob Dimitrij W. vorsätzlich gehandelt habe, wollte der Richter von F.s Schwester wissen – bereits auf der Polizeiwache hatte die 14-Jährige darauf nicht geantwortet, aus der Akte ging jedoch hervor, dass sie auf die Frage des Polizisten nur gegrinst haben soll.

„Der war doch selber schuld“, habe Dimitrij W. noch neben dem Krankenwagen zu F.s Mutter und Schwester gesagt – dieses, eine bis in die Verhandlung fehlende Entschuldigung und drei weitere Vergehen (Diebstahl, Fahren ohne Führerschein und Führen eines nicht versicherten Fahrzeugs) gaben schließlich den Rahmen für das Strafmaß. Richter Witt folgte dem Antrag der Staatsanwältin: Dimitrij W. wurde verwarnt und muss 40 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Der Freundschaft tat das Ganze keinen Abbruch: „Wir haben uns wieder vertragen“, sagte Nils F.

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