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Ostholsteiner Anzeiger

19. November 2017 | 16:59 Uhr

Eutin : Inklusion: In Eutin „ein langer Weg“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Institutionen und Vereinen präsentierten sich in der Stadtbucht zum „Tag der Vielfalt – Inklusion auf der LGS“ / Betroffene fordern Verbesserung

shz.de von
erstellt am 06.Mai.2016 | 03:30 Uhr

Axel Kreutzfeldt lässt sich zu einer Proberunde auf dem Scooter überreden. Die Barrierefreiheit auf der LGS sei gut, „aber in der gesamten Stadt eine Katastrophe“, sagt er beim Aufsteigen auf das elektrische Hilfsmittel. Der 65-jährige Architekt für barrierefreies Bauen ist selbst noch nicht auf so ein Gerät angewiesen, kennt aber viele, die eines fahren – und so ihre Probleme mit Barrieren haben. Den kleinen Parcour meistert er mit Bravour. „Ein bisschen langsam ist es“, sagt er am Ende. „Wir haben die niedrigste Stufen eingestellt“, erklärt der Klindworth-Mitarbeiter, dessen Geräte während der gesamten LGS am Haupteingang ausgeliehen werden können.

Kreutzfeldt ist Ehrenamtler im Beirat des Kreises Ostholstein für Menschen mit Behinderungen. In dieser Funktion habe er viele Anregungen insbesondere für die LGS gegeben. Sein Urteil zur bisherigen Stadtsanierung ist ernüchternd: „Das fängt am Bahnhof an, wenn ich als Gast ankomme: Ich habe keine Rampe am Haupteingang. Die taktilen Elemente fehlen im kompletten bisher sanierten Bereich und die Rampe hier am Schloss auf das Gelände hat zwar ihre sechs Prozent, aber auf der Länge fehlen die geraden Stücke, auf denen sich die Menschen ausruhen können.“ Auch Rollstuhlfahrerin Gerda Behrens klagte über die spürbare Historie unter ihren Rädern: „Das Kopfsteinpflaster ist echt eine Herausforderung in Eutin.“

Wie schwer das Thema Barrierefreiheit und historische Altstadtsanierung zu vereinen ist, erklärte Bauamtsleiter Bernd Rubelt auf der Podiumsdiskussion zum Inklusionstag am Mittwoch auf der Hauptbühne: „Es ist die Frage zwischen wie erhalten wir Historie und wie schaffen wir es, sie jedem zugänglich zu machen, das ist ein langer Prozess.“ Besonders an öffentlichen Gebäuden der Stadt wie dem Rathaus oder dem Bauamt mit den verschiedenen Sitzungssälen sieht Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz dringenden Nachholbedarf. „Wir sind dabei und es ist ein langer Weg“, sagte er im Gespräch mit Lena Middendorf von der Lebenshilfe, die gleichzeitig das Projekt „Ostholstein erlebbar für alle“ leitet. Die verschiedenen Projekte, die speziell zur LGS initiiert wurden – ob taktiler Geländeplan oder Stadtreliefs sowie Gebärdendolmetscher bei den großen Veranstaltungen – finde sie klasse. „Es ist schön zu sehen, dass die Verantwortlichen nicht nur die baulichen Barrieren im Kopf hatten, sondern das Thema weiter fassten“, so Middendorf. Dass vieles davon erst Ende Mai oder Juni auch auf dem Gelände zugänglich sei, liege an der späten Förderzusage durch die Aktiv-Region. Rubelt: „Da hatten wir auch einige Barrieren zu überwinden.“ In Sachen Inklusion und Schule hat Eutin einen großen Nachbesserungsbedarf, das gestand Rubelt ein. Auch das sei ein langer Prozess. „Aber ich hoffe, dass wir uns von diesem Schwung und den Eindrücken der LGS ganz viel mit in die tägliche Arbeit für die Stadtsanierung nehmen können. “ Die „Straße der Vielfalt“ mit nur zehn Ständen verlor sich etwas an der neugestalteten Stadtbucht, hauptsächlich die lokalen Vertreter von der inklusiven Kita Kinderinsel über den kreisweiten Beirat bis hin zu Die Ostholsteiner waren vor Ort.


Service auf der LGS: Ehrenamtler begleiten übers Gelände, kostenloser Verleih u.a. von E-Scootern und Rollatoren (04521 76489-75)

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