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Ostholsteiner Anzeiger

18. Dezember 2017 | 23:50 Uhr

Initiative hofft auf Verhandlungen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Gegner der Stadtsanierung laden zu Vortragsabend und betonen ihre Bereitschaft zu einem Verzicht auf ein Bürgerbegehren

von
erstellt am 23.Feb.2017 | 15:00 Uhr

Ein volles Brauhaus hatte die Bürgerinitiative für den Erhalt der historischen Innenstadt Dienstagabend bei einem Informationsabend: 130 Menschen im Saal und auf der Galerie verfolgten über zwei Stunden hinweg im wesentlichen vier Vorträge, die von wenig Diskussion begleitet wurden.

Die zentrale Aussage des Abends: Oberflächliche Verschönerung der Innenstadt wäre gut, aber ein Tausch der Versorgungsleitungen überflüssig – und mit zu vielen Nachteilen für Anlieger, Gebührenzahler und Geschäftswelt verbunden. Statt einem Bürgerentscheid wäre Bürgerinitiative viel lieber, wenn sie ihre Ziele im Dialog mit der Stadt erreichen könnte, sagte Marcus Gutzeit zur Begrüßung. Der Hausherr und einer von drei Vertretern der Initiative unterstrich: „Ein weiterer Bürgerentscheid wäre für Eutin nicht gut, die Signalwirkung für die Stadt wäre besser, wenn man eine Lösung im Dialog findet.“ Alles sei verhandelbar, nur nicht das flächendeckende Aufnehmen und Neuverlegung des Pflasters und der Austausch von Versorgungsleitungen.

Diese Forderung bekräftigte BI-Vertreter Thorben Junge, der ein düsteres Bild von die Folgen einer Stadtsanierung im bislang geplanten Umfang malte: Viele Geschäfte müssten schließen, prophezeite er, und auch der Wochenmarkt werde nach einer monatelangen Auslagerung auf den Berliner Platz nicht mehr der gleiche sein.

Junge empfahl einen neuen Blick auf die Stadt: Eutin sei sehr schön, mit mehr Engagement jedes Einzelnen zu mehr Sauberkeit wäre es noch schöner. Der von der Stadtsanierung erhoffte Nährwert werde auf jeden Fall das, was durch die „jahrelangen Bauarbeiten“ zerstört werde, nicht mehr wettmachen.

Den größten Teil der Veranstaltung nahm eine sehr detaillierte Auflistung des Prozesses vom Beginn der Entwicklung eines Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (Isek) bis zu den jüngsten städtischen Beschlüssen über Bauarbeiten für die Stadtsanierung durch Elfi-Jacqueline „Jackie“ Meyer in Anspruch. „Ich stehe hier als Privatperson“, betonte sie, erntete aber trotzdem aus dem Publikum die Frage, wie sie als Stadtvertreterin der FDP und Mitglied im städtischen Bauausschuss auf die Seite der Sanierungskritiker geraten sei. Ihre Antwort: „Irgendwann kam der Punkt, an dem ich das Gefühl hatte, jetzt muss die Stopp-Taste gedrückt werden, eine Stadtsanierung in diesem Ausmaß und zu diesen Kosten ist nicht nötig.“ Meyer ließ die Sitzungstermine der vergangenen Jahre Revue passieren, die Treffen von Arbeitsgruppen, von bürgerlichen Foren, die Vorstellungen von Gutachten und Maßnahmenplänen, die Entwicklung der Kostenprognosen und die dezidierten, mit wechselnden Mehrheiten gefassten Beschlüsse im städtischen Bauausschuss zur Sanierung der Fußgängerzone – vom Pflaster über Standorte neuer Bäume, Lampen und Papierkörbe.

Eine wichtige Erkenntnis zog Hans-Wilhelm Hagen, Vorsitzender der Wirtschaftsvereinigung Eutin, aus dieser Chronik: Der finale Beschluss über die Größenordnung der Stadtsanierung sei erst Ende November 2016 in der Stadtvertretung gefallen. Der Vorwurf an die WVE, dass sie zu spät protestiert habe, könne damit nicht gelten.

FWE-Stadtvertreter Malte Tech stellte zwei technische Verfahren vor, mit denen sich Rohrleitungen ohne große Erdarbeiten reparieren und auch komplett erneuern ließen. Sowohl das seit Jahrzehnten bewährte Inline- als auch das Berstling-Verfahren seien bewährt und billiger als ein konventioneller Rohrtausch.

Die Leitungen in der Peterstraße seien erst 30 Jahre alt, könnten damit noch 60 Jahre problemlos liegen bleiben. Er habe schriftlich, dass die Stadtwerke Eutin den Austausch nur machen wollten, weil das Pflaster und die Betontragschicht aufgenommen werden sollen.

Helge Nickel stellte fest, dass es sich die Stadt leiste, alle Veranstaltung zu „killen“, mit denen Eutin ein Alleinstellungsmerkmal habe. Nach dem Stadtfest drohe auch dem Bluesfest und der Blues-Challenge 2018 das Ende, denn auf einem „aufgerissenen Marktplatz“ könne man das Festival nicht ausrichten. Einen anderen Veranstaltungsort in der Stadt sehe er nicht: „Auf dem Berliner Platz gibt es Ärger mit den Anwohnern, der Parkplatz am Schloss hat eine wassergebundene Oberfläche, da kann man keine mehrtägige Großveranstaltung ausrichten.“

Das Stadtfest wäre dieses Jahr nach Auflagen der Stadt nicht mehr rentabel gewesen: Zwei zertifizierte, aber unbewaffnete Sicherheitskräfte und Lkw-Fahrsperren hätten 13  000 Euro gekostet.

Nickel leistete sich einen Hieb auf den Landesgeburtstag im Herbst 2016, der 200  000 Euro an Steuergeld gekostet habe.

Und er stellte die Frage, warum die Stadt ein Defizit von geschätzt 4,5 Millionen Euro für die Landesgartenschau mit dem Hinweis auf die Werbewirksamkeit der Veranstaltung in den kommenden Jahren verteidige: „Da sollen Leute angelockt werden, und denen wird eine aufgerissene Stadt präsentiert?“

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