In einem Jahr war der Berufswunsch klar

Domenic Kirchhoff hat im FSJ entdeckt, dass ihm der Friseurberuf Spaß machen würde.
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Domenic Kirchhoff hat im FSJ entdeckt, dass ihm der Friseurberuf Spaß machen würde.

Der 22-jährige Domenic Kirchhoff arbeitete ein „soziales Jahr“ in der Senioren-Residenz „Godenblick“ in Bad Malente-Gremsmühlen – und wird jetzt Friseur

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25. Juli 2014, 12:18 Uhr

Domenic Kirchhoff weiß ganz genau, wie man mit alten Menschen umgeht: Würde und Respekt stehen dabei im Mittelpunkt. Das hat der 22-jährige Kölner bei einem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) in der Senioren-Residenz „Godenblick“ in Malente gelernt. Dieses Jahr hat er zur eigenen Orientierung genutzt – mit dem Ergebnis, dass Domenic Kirchhoff in wenigen Wochen eine Ausbildung zum Friseur in Eutin startet. Seine Erfahrungen aus dem Freiwilligen Sozialen Jahr haben ihn dazu gebracht.

„Meine Stiefmutter hat mich in ihren Schichten immer mal in die Senioren-Residenz ,Godenblick’ mitgenommen“, erzählte Domenic Kirchhoff über seinen Weg von Köln nach Malente und demnächst Eutin. Sie habe gewusst, dass die Berufsorientierung des ehemaligen Hauptschülers noch nicht klar war und ihm dann auch mal ein paar Sachen gezeigt. „Das FSJ in der Senioren-Residenz Godenblick hat mir zwar gezeigt, dass die Altenpflege nicht so ganz mein Ding ist. Es hat mir aber den Weg in eine Ausbildung gezeigt“, freut sich Domenic Kirchhoff. Bis zum Beginn der Lehre hat er seine Tätigkeit im Haus „Godenblick“ sogar um zwei Monate verlängert.

„Das Freiwillige Soziale Jahr bietet vielfältige Einsatzmöglichkeiten“, sagt Adolf Popall aus der Landesgeschäftsstelle des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) in Kiel. Das Beispiel Domenic zeige, dass viele junge Menschen ein wichtiges und wertvolles Jahr voller Erfahrungen erleben könnten, das ihnen Kenntnisse und Fähigkeiten, aber auch gute Chancen und Perspektiven biete.

Domenic Kirchhoff bestätigt: „Das FSJ war eine gute Erfahrung. Ich habe gelernt, auf Menschen zuzugehen, was ich in meinem neuen Ausbildungsberuf des Friseurs gut anwenden kann.“

Interview



Warum haben Sie sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr entschieden?
Domenic Kirchhoff: Ich war unschlüssig in welche Richtung mein Berufswunsch geht! Ich habe einiges ausprobiert: Kfz-Mechatroniker, Koch, Einzelhandelskaufmann. Alles war nicht das Richtige und dann riet mir meine Stiefmutter zu einem Freiwilligen Sozialen Jahr oder einem Praktikum. Dann habe ich zwei jeweils dreiwöchige Praktika in einem Kindergarten und in der Altenpflege gemacht. Ich habe mich dann für die Arbeit mit alten Menschen entschieden.

Wie hat Ihnen das Freiwillige Soziale Jahr gefallen?
Es war eine gute Erfahrung. Man lernt gut auf Menschen zuzugehen. Ich habe gelernt, wie man mit alten Menschen spricht, wie sie behandelt werden möchten, was Demenzkranke sind.

Was ist Ihnen besonders schwer gefallen?

Es ist schon traurig, wenn ein Bewohner stirbt, den man besser gekannt hat. Dennoch ist es anders, als wenn ein Familienmitglied stirbt. Man muss sich damit abfinden, wer das nicht kann, ist in dem Beruf falsch. Mir ist aber auch beigebracht worden, wie man sich bei dem Tod eines Bewohners zu verhalten hat. Dazu dienten spezielle Seminare.

Wie kommt man von einem FSJ in einem Alten- und Pflegeheim zu einem Ausbildungsplatz als Friseur?

Wir haben eine Friseurin mit einem eigenen Salon, die in die Senioren-Residenz kommt. Am Anfang habe ich die Bewohner hingebracht und gewartet, bis sie frisiert waren. Irgendwann habe ich dann angefangen, zu helfen. Nach der Wasserwelle habe ich die Lockenwickler aus den Haaren geholt. Später wurde es immer mehr und mehr. Ich habe die Friseurin nach einem Praktikum gefragt und eine Woche Praktikum in ihrem Salon gemacht. Die Einrichtung hat mich dafür freigestellt. Die Friseurin sagte mir, dass ich das habe, was ein Friseur braucht. Weil ihr Salon zu klein ist, habe ich gesucht und in Eutin einen Ausbildungsplatz gefunden.

Bewohner und Mitarbeiter in der Senioren-Residenz Godenblick sind doch bestimmt traurig, dass Sie nun das Heim verlassen?

Die sind schon traurig, aber auch froh, dass ich jetzt das machen kann, wozu ich Lust habe. Ich finde es in der Altenpflege zwar schön. Aber für mich ist es nicht ganz das Richtige. Ich bin ein penibler Mensch. Eigentlich wollte ich auch niemals die Toilettengänge der Bewohner begleiten. Ich habe das aber dann doch gemacht. Man muss sich mal vorstellen, man sitzt und wartet und wartet und niemand kommt um mit einem zur Toilette zu gehen. Ich hatte dann Mitleid und habe mich dann überwunden und bin mitgegangen.

In der Pflege würden Sie mehr Gehalt bekommen als im Friseursalon.

Ja, das stimmt, aber das ist mir egal. Mir geht es um eine Arbeit, die mir Spaß macht, nicht um das Geld. Klar, man braucht auch das Geld zum Leben. Mein Ziel ist es, ein bekannter Friseur zu werden. Ich möchte ein Starfriseur werden, der die Promis frisiert, und da kann man dann auch richtig Geld verdienen.

Was zählt im Rückblick zu den Besonderheiten ihrer FSJ-Erfahrungen?

Damit Fsj-ler viele Erlebnisse im Heim besser verstehen können, gab es das „Schattenmannprojekt“. Dabei bin ich für zwei Stunden selbst zum Bewohner geworden und konnte spüren, warum Bewohner zum Beispiel dauernd aufstehen oder wie sie sich fühlen, wenn wir ihnen was anbieten. Schon nach zwei Stunden konnte ich sehr gut nachvollziehen, warum die Bewohner aufstehen und unruhig werden: Ich saß auf einer Bank, die so unbequem war, dass ich nur noch aufstehen wollte. Man merkt viel eher, was mit den Bewohnern ist: Müdigkeit, Langeweile, Unruhe. Durch das „Schattenmannprojekt“ kann man sich sehr gut in die Bewohner einfühlen.

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