zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

18. Oktober 2017 | 17:13 Uhr

In 25 Minuten nach Neumünster

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der Wankendorfer Martin Schlünß will die Bahnstrecke Plön–Neumünster reaktivieren / Staatssekretär nimmt Unterschriften entgegen

shz.de von
erstellt am 07.Jan.2016 | 00:34 Uhr

Die Züge aus Kiel und Lübeck laufen in den Plöner Bahnhof ein. Mehrere Busse warten wenige Meter entfernt abfahrtbereit, um die Fahrgäste weiter zu transportieren, sei es in die Plöner Stadtteile oder die umliegenden Orte. Einen solchen Idealzustand will der Wankendorfer Martin Schlünß mit Hilfe einer Reaktivierung der stillgelegten Bahntrasse zwischen Neumünster und Plön auch für sein Heimatdorf und weitere Gemeinden erreichen. Mehr als 3600 Unterschriften sammelte er bereits 2014 in Wankendorf, Ascheberg und Plön für ein solches Projekt. Gestern übergab er dem Kieler Verkehrsstaatssekretär Frank Nägele die Unterschriftenlisten.

Als Ort der Übergabe hatte Schlünß die Plöner Tourist-Info gewählt, die im Bahnhofsgebäude liegt. Während der 39-Jährige drinnen sein Konzept erläuterte, waren draußen die einlaufenden Züge und wartenden Busse zu beobachten. Gut zwei Dutzend Gäste hatten sich in der Tourist-Info eingefunden, darunter die Landtagsabgeordneten Kai Vogel, Regina Poersch (beide SPD) und Detlef Matthiessen (Grüne), der Plöner Bürgermeister Jens Paustian, Vertreter der betroffenen Kommunen und des Vereins „Kulturlokschuppen Neumünster“, der das Areal des ehemaligen Bahnwerks in Neumünster gemietet hat.

„Über 3600 Unterschriften zeigen, wie sehr die Forderung nach guten öffentlichen Verkehren zwischen Kiel, Plön, Bad Segeberg und Neumünster den Bürgern auf den Nägeln brennt“, erklärte Schlünß. Der 39-Jährige arbeitet nicht nur als Lokführer, sondern ist auch staatlich geprüfter Techniker für Verkehrsmanagement und Eisenbahnbetrieb. In seiner Freizeit hat er ein Konzept ausgearbeitet, wie der Bus- und Bahnverkehr zwischen Plön und Neumünster künftig laufen könnte. Die Plöner kämen nicht nur in 25 Minuten per Zug nach Neumünster. Auch die kleinen Orte wie Kalübbe, Belau und Schmalensee, aber auch Bornhöved und Stolpe würden profitieren, ist Schlünß überzeugt.

Um wirklich eine Alternative zum Auto zu schaffen, schwebt dem Wankendorfer ein Halbstundentakt vor. Dafür müssten zwei Züge auf der gut 30 Kilometer langen, eingleisigen Strecke mit Wankendorf als Knotenpunkt verkehren. Von dort sollen auch die Busse in die umliegenden Orte weiterfahren. „Sehr geehrter Herr Staatssekretär, fragen Sie bitte nicht nur danach, was das kostet. Fragen Sie auch, was es bringt“, forderte Schlünß. Die Landflucht komme auf Dauer teurer. Ein gut ausgebauter Nahverkehr sei aber auch ein Tourismusmagnet.

Nägele wollte zwar keine Versprechungen abgeben, machte aber durchaus Hoffnung: „Dass wir diese Trasse gerettet haben, war kein Unfall und kein Zufall“, erklärte er. Die Landesregierung wisse, dass „nur eine kluge Verzahnung von Gummi und Stahl für den Nahverkehr sinnvoll“ sei. Er kündigte eine Machbarkeitsstudie im Rahmen des Mobilitätskonzepts an, das für die Landesentwicklungsstrategie erstellt werde. „Dabei wollen wir die Machbarkeit dieses wahrlich geschichtsträchtigen Schienenstücks mit prüfen.“

Bürgermeister Jens Paustian warb ebenfalls für eine Verknüpfung von Bus und Bahn, wie sie in Plön bereits verwirklicht sei: „Das ist wichtig, um die ländliche Bevölkerung nicht abzukoppeln.“ Von einer Reaktivierung der Trasse Neumünster–Plön könnten auch die Plöner profitieren: „Wir würden dann schnell einen ICE in Neumünster erreichen – ohne Umweg über Kiel.“

Bei einem Halbstundentakt rechnet Schlünß mit mindestens 2000 Fahrgästen täglich. Als der Personenverkehr im Jahr 1985 eingestellt worden sei, seien es 700 gewesen. Die Ertüchtigung der Strecke sei in zwei bis drei Jahren möglich. Dafür müssten drei Brücken und zwei Bahnübergänge erneuert werden.

Schlünß forderte Nägele auf, die Trasse mit in die Ausschreibung 2019 für die Strecke Kiel–Lübeck aufzunehmen wie es zuvor auch für „Hein Schönberg“, die Strecke von Kiel zum Schönberger Strand, geschehen sei. „Ich bin guter Dinge, dass wir uns in zwei bis drei Jahren in die Augen gucken und darüber sprechen können, wie wir das realisieren können“, erklärte Nägele.

An den Kosten dürfte die Reaktivierung der 1886 eröffneten Strecke Neumünster– Plön aus Sicht von Schlünß nicht scheitern. „Das ist auf jeden Fall günstiger als Kiel– Schönberg, weil die Strecke in einem besseren Zustand ist.“ Und für „Hein Schönberg“ hat Nägeles Chef, Wirtschaftsminister Reinhard Meyer, erst Anfang dieser Woche das Signal auf Grün gestellt. Dessen Reaktivierung sei „unumkehrbar“, erklärte Mayer.


> Informationen über das Projekt finden sich unter www.schienenbusse. de im Internet.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen