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Eutiner Amtsgericht : In 17 Jahren 25 mal verurteilt

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Ein Malenter muss wegen Körperverletzungen, Nötigung und Beleidigungen knapp 3,5 Jahre ins Gefängnis.

von
erstellt am 26.Okt.2017 | 04:00 Uhr

Das Gericht war mit seinem Latein am Ende. „Was müssen wir machen, damit Sie eine Strafe beeindruckt?“, fragte Richter Otto Witt den Angeklagten (33) gestern. Der Malenter verantwortete sich vor dem Eutiner Amtsgericht für fünf Taten aus diesem Jahr. Dafür verurteilte ihn das Schöffengericht am Ende zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und vier Monaten. Es folgte damit der Staatsanwaltschaft.

Die Liste der berücksichtigten Anklagepunkte war lang: Im ersten Fall ging es um versuchte räuberische Erpressung mit gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung und anschließenden Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte mit Beleidigungen, im zweiten Fall waren es Nötigung mit Beleidigung und Bedrohung sowie im dritten Fall Körperverletzung mit Beleidigung.

Am 17. Februar hatte der Angeklagte unter Alkoholeinfluss gegen 23 Uhr in der Rosenstraße einen Mann geschlagen, ihn mehrfach getreten, auch als er bereits am Boden lag. Dessen linkes Augenlid riss dadurch ein, wie das Opfer vor Gericht sagte. Sein Auge sei eine Woche lang geschwollen gewesen. Dazu habe ihm der Angeklagte noch mit dem Tod gedroht. Die körperlichen Taten gestand der Angeklagte. An die verbale Bedrohung könne er sich nicht erinnern.

Da die Polizei informiert worden war, fingen Beamte den Tatverdächtigen kurz vor seiner Wohnung ab und nahmen ihn mit. Was sich allerdings als nicht so einfach erwies. Der Tatverdächtige pöbelte die Schutzleute an, einen wollte er „aufschlitzen“, einen anderen beleidigte er mit einer sehr anzüglichen Äußerung. Die Polizisten, die ihn kannten, befürchteten zudem eine Spuckattacke und zogen dem Widerspenstigen deshalb eine Maske über den Kopf, wie ein Beamter gestern berichtete. Durch Spucke können Krankheiten übertragen werden. Am Ende seien fünf Polizeibeamte damit beschäftigt gewesen, den Angeklagten in den Streifenwagen zu bugsieren. Die Blutprobe gegen 0.30 Uhr hatte 1,86 Promille Alkoholgehalt im Blut ergeben.

Allein für die Körperverletzung des 56-Jährigen erhielt der Angeklagte 22 Monate Freiheitsstrafe. Staatsanwalt Felix Schwetzko forderte für Körperverletzung und Beamtenbeleidigung eine Gesamtfreiheitsstrafe von 22 Monaten.

Im zweiten Fall hatte der Malenter am 31. März eine 62-Jährige, die mit ihrem Fahrrad die Bahnhofstraße entlang gefahren war, genötigt. Der Mann sei ihr mit ausgebreiteten Armen in den Weg gesprungen, habe sie sofort mit „Du Hure“ beschimpft, und gefragt, warum sie auf dem Gehweg fahre, erzählte die Frau. Ihr Mann, dem sie davon berichtet hatte, habe den Malenter wenig später zur Rede gestellt, sei dafür von dem Angeklagten laut Anklageschrift mit den Worten bedroht worden: „Du Kanakenschwein, lass uns ins Ausland fahren. Da schneide ich Dir dann den Hals durch.“ Doch das konnten weder Zeugen, noch der Angeklagte vollständig bestätigen. Der Staatsanwalt forderte zehn Monate Gesamtfreiheitsstrafe.

Im dritten Fall bedrohte und verletzte der Malenter am 22. März eine 80-Jährige, die an ihrem Auto in ihrer Garage stand. Er habe sie einfach so angespuckt, ihr mit der Faust ins Gesicht geschlagen und gefordert, sie solle ihre Karre wegfahren, berichtete die Frau, die sich wenig später benommen auf dem Boden sitzend wiedergefunden hatte und auf allen Vieren aus ihrer Garage gekrabbelt war. Einige Wochen lang plagten sie Albträume. Heute gehe sie immer noch mit gemischten Gefühlen in ihre Garage. Der Staatsanwalt forderte zwölf Monate.

Bei diesen geforderten Strafen blieb es nicht. Das Gericht berücksichtigte in seinem Urteil noch 33 Monate Gesamtfreiheitsstrafe eines Urteils aus dem Vorjahr. Das Schöffengericht verhängte am Ende eine Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und vier Monaten. „Es liegt jetzt an Ihnen, was Sie daraus machen“, sagte Witt zum Angeklagten und bemerkte, dass die Staatsanwaltschaft auch vier Jahre hätte fordern können. Witt bekannte Ratlosigkeit: „Es ist alles versucht worden, nichts hat geholfen.“

Der Angeklagte ist für Witt kein Unbekannter. Mit dem gestrigen Urteil hat der Hauptschulabsolvent, der seine Ausbildung aus Kostengründen abbrach und derzeit arbeitslos ist, 25 Einträge (seit 2000) im Vorstrafenregister. Aus länger zurückliegenden Verfahren stehen Urteile noch zur Bewährung aus. „Aufgrund der neuen Entwicklung werden diese von der Vollstreckungsbehörde möglicherweise nicht aufrechterhalten“, erklärte der Staatsanwalt am Rande.

Der Angeklagte habe Momente, in denen er sich um therapeutische Hilfe oder Arbeit kümmere, sagte sein Bewährungshelfer. Die Pflichtverteidigerin bestätigte das. Ihr Mandant habe sich um einen Therapieplatz in Rickling und zwei weitere Hilfsoptionen gekümmert. Darum kümmert sich das Gericht nun nicht mehr, ließ Witt wissen: „Um andere Menschen scheren Sie sich offensichtlich einen Dreck.“

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