Impulsgeberin für Frauen im Kreis

Pastorin Ruth Gänßler-Rehse prägte 15 Jahre lang die Arbeit des Evangelischen Frauenwerks.
Pastorin Ruth Gänßler-Rehse prägte 15 Jahre lang die Arbeit des Evangelischen Frauenwerks.

Pastorin Ruth Gänßler-Rehse vom Evangelischen Frauenwerk geht Mitte Februar in den Ruhestand

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25. Januar 2018, 17:14 Uhr

Wenn Ruth Gänßler-Rehse (61) Mitte Februar in den Ruhestand geht, dann verliert die Frauenarbeit im Kirchenkreis Ostholstein eine wichtige Impulsgeberin. 15 Jahre hat die Pastorin die Arbeit des Evangelischen Frauenwerks (Propstei Eutin) geprägt und gemeinsam mit Andrea Rathjen (Propstei Oldenburg) Themen gesetzt, von der Bibel bis zur Gesellschaftspolitik. Beratend stand sie den Frauengruppen in den Kirchengemeinden zur Seite. „Ich habe immer probiert, den Lebensnerv der Zeit zu treffen“, sagt sie.

Die gebürtige Kielerin hat in Hamburg Theologie studiert und ging 1981 mit ihrem Mann nach Burg auf Fehmarn, wo er seine erste Pfarrstelle hatte. Ihre eigene Ordination erfolgte zwei Jahre später. Da das junge Paar gerne noch auf Fehmarn bleiben wollte, wurde Ruth Gänßler-Rehse im damaligen Kirchenkreis Oldenburg zunächst Pastorin im Ehrenamt und machte viele Vertretungsdienste, engagierte sich aber auch schon für die Frauenarbeit.

Im Jahr der Wiedervereinigung wechselten die Pastorin und ihr Mann als theologische Referenten an die Landvolkshochschule auf dem Koppelsberg in Plön. „In der Zeit habe ich eine Bäuerinnen-Gruppe begleitet. Wir haben Runde Tische für die Landbevölkerung organisiert, sowohl zu Umweltthemen aber auch zu Konflikten, die sich im Zusammenleben mit Zugezogenen aus der Stadt ergaben.“ Nach drei Jahren auf dem Koppelsberg änderte sich für das Ehepaar dann nicht so sehr die Aufgabe, aber doch der Name des Dienstgebers, der ab 1994 „Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt“ hieß. Gemeinsam mit einem Landwirt und Biologen sowie mit einem Agraringenieur kümmerten sie sich um den Bereich ländliche Räume. In dieser Zeit rief Ruth Gänßler-Rehse das „Sorgentelefon für landwirtschaftliche Familien“ ins Leben. „Da bin ich richtig stolz drauf; das gibt es immer noch“, sagt sie. 1997 übernahm die Pastorin eine halbe Pfarrstelle in der Kirchengemeinde Plön, wo sie bis 2002 blieb. „Meine Hauptaufgabe war die Jugendarbeit, aber auch in dieser Zeit habe ich viele Frauen in Gruppen und Veranstaltungen begleitet.“ Letztlich habe sie in allen Arbeitsbereichen mit Frauen zu tun gehabt. „Es war mein größter Wunsch, einmal nur für und mit Frauen zu arbeiten“, so Gänßler-Rehse. Da war es dann nur folgerichtig, dass sie im November 2002 ins Evangelische Frauenwerk wechselte.

Am meisten berührt hat sie in all den Jahren das absolute Vertrauen, das ihr die Menschen vor allem auf dem Land entgegen gebracht haben. „Auch wenn man mich gar nicht kannte, so wurde ich doch sofort hereingebeten und die Menschen haben sehr offen mit mir über ihre Probleme gesprochen. Das hat mich immer wieder auch erstaunt.“

Wichtig war ihr in der Arbeit mit Frauen stets, feministische Aspekte aufzugreifen, auch in der Bibelarbeit: Wo treten Frauen in der Bibel auf? Welche Rolle spielen sie? Wann werden sie erwähnt und wann nicht? Anhand solcher Fragen hat die Pastorin versucht, den Frauen verschiedene feministische Theologien näher zu bringen, etwa beim Bibelfrühstück oder als Mentorin im „Feministischen Fernstudium“ des Nordelbischen Frauenwerks. Und natürlich hat die Theologin spirituelle Räume für Frauen geöffnet: bei besonderen Gottesdiensten, bei Andachten im Garten, in Meditationskursen und Exerzitien.

Wenn Ruth Gänßler-Rehse jetzt – wie bald auch ihr Mann – in den Ruhestand geht, dann will sie Dinge machen, für die nie Zeit war. Der Besuch von Ringvorlesungen an der Uni gehört zum Beispiel dazu. Vor allem aber will sich das Ehepaar einen VW-Bus zulegen und die Ostseeküste rauf und runter düsen. Und einfach mal stehen bleiben, wenn den beiden danach ist.

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