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Ostholsteiner Anzeiger

21. Oktober 2017 | 20:23 Uhr

Immer eine besondere Stimmung

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Es gibt viele Menschen, die Heiligabend nicht im Kreis ihrer Familie verbringen können und sich trotzdem auf das Fest freuen

shz.de von
erstellt am 24.Dez.2013 | 00:31 Uhr

Weihnachten im Kreise der Familie und Freunde zu feiern: das ist für die meisten Menschen selbstverständlich. Doch es wird auch heute wieder Menschen geben, die Heiligabend aus den unterschiedlichsten Gründen nicht bei ihren Liebsten verbringen können oder wollen. Hier trifft es besonders die Schwächsten der Gesellschaft, die durch Alter und Krankheit das Bett nicht verlassen können. Aber auch jene, die sich bewusst für ein Leben ohne Familie entschieden haben, dürften heute die Gemeinschaft sehnen.

Seinen Bewohnern das Weihnachtsfest daher so schön wie möglich machen, will Werner Ochmann. „Das erste Weihnachten bei uns zu verbringen, ist für die Menschen immer sehr schwer und emotional. Gerade wenn sie aus Familien herauskommen“, sagt der Leiter des Eutiner DRK-Pflegezentrums Waldstraße. Nur etwa fünf Prozent der 110 Senioren würden die gesamten Festtage im Kreise ihrer Familien verbringen. „Der Grund liegt darin, dass viele unserer Bewohner einen sehr hohen Pflegebedarf haben.“ Umso wichtiger sei es, ihnen ein schönes Fest zu bereiten – auch abseits ihrer Familien.

Der heutige Tag beginnt für die Heimbewohner um 9.30 Uhr mit einem feierlichen Weihnachtsgottesdienst, der von Pastor Alexander Wohlfahrt und Gudrun Kruse geleitet wird. „Darüber freuen sich unsere Bewohner immer sehr“, sagt Ochmann.

Nach dem Gottesdienst tritt er traditionell selbst als Weihnachtsmann in Aktion. Gemeinsam mit dem jeweiligen Pflegedienstleiter stattet er jedem Senioren einen kurzen Besuch ab und überreicht ein kleines Geschenk.

Nichts Großes. Aber etwas, das von Herzen komme. In den vergangenen Jahren waren es Badeutensilien, Nackenkissen und Decken. Dinge, die gerade ältere Menschen gut gebrauchen können. Fehlen darf natürlich eine kleine Portion zum Naschen nicht. „Die wird es auch in diesem Jahr wieder geben“, verspricht der Einrichtungsleiter. Das Ziel von ihm und seinen Mitarbeitern sei es, den Bewohnern ihre Wünsche von den Augen abzulesen. „Auch wenn wir die Familie natürlich nicht ersetzen können.“

Traditionell geht es im DRK-Altenheim beim Essen zu. Während zum Mittag Lachsrouladen auf dem Speiseplan stehen, gibt es am Abend den Klassiker unter den einfachen Weihnachtsgerichten: Würstchen mit Kartoffelsalat. „Der Tisch wird feierlich eingedeckt und es wird eine weihnachtliche Atmosphäre herrschen.“ Anschließend bleibt für die Senioren Zeit, um den Abend mit ihren Mitbewohnern besinnlich ausklingen zu lassen. Im Hintergrund wird dabei leise die Musik laufen. „Ich habe in meiner Zeit als Pfleger immer ganz bewusst an Heiligabend gearbeitet, weil an dem Tag immer eine ganz besondere Stimmung herrschte“, berichtet Ochmann.

Äußerst besinnlich soll die Atmosphäre heute auch im Haus der evangelischen Kirchengemeinde Plön, Steinbergweg 20, werden. Hier treffen sich zwischen 18 und 21 Uhr all jene Menschen, die das Fest nicht alleine verbringen wollen.

„Die meisten sind über 50 Jahre alt, verwitwet, geschieden oder haben in Deutschland Asyl beantragt“, erklärt Pastorin Katja Zornig. Ihr Vorgänger Martin Schulz hatte das weihnachtliche Treffen von alleinstehenden Menschen vor einigen Jahren ins Leben gerufen und stieß dabei auf große Resonanz. „Ein Lied von Max Raabe sagt, dass man nicht alleine küssen kann. Für Weihnachten feiern gilt das gleiche“, sagt Zornig. Sie organisierte das Treffen bereits im vergangenen Jahr und schwärmt von der ruhigen Atmosphäre. Auch heute rechnet sie wieder mit zehn bis 15 Menschen, die den Weg ins Gemeindehaus finden werden.

Vorbeikommen kann jeder, der möchte. Eine Anmeldung ist nicht notwendig. „Wir haben genug zum Essen bestellt“, ist sich Zornig sicher. Auf den Tisch kommt Pute im Blätterteig mit Gemüse und Kroketten. Nach dem Essen werden Geschichten vorgelesen und Lieder gesungen. „Ich denke, dass die Menschen durch das Gemeinschaftsgefühl reich beschenkt nach Hause gehen werden.“

Das größte Weihnachtsgeschenk machte die August-Bier-Klinik in Malente einigen ihrer Patienten schon vor dem Fest. „Wir haben all diejenigen vorzeitig entlassen, bei denen es möglich war“, sagt Chefarzt Dr. Klaus Stecker. Dennoch werde es auch in diesem Jahr Menschen geben, die die gesamten Feiertage in dem Krankenhaus für Neurologie und Rehabilitation verbringen müssen.

Etwa Patienten, die gerade einen Schlaganfall erlitten haben. „Ihnen haben wir versucht deutlich zu machen, dass ihre Gesundheit wichtiger ist und sie in diesem Jahr eine Ausnahme machen müssen“, sagt Stecker. Gleichwohl will man ihnen das Weihnachtsfest so schön wie möglich machen. „Unsere Küche gibt sich immer große Mühe.“ In den vergangenen Jahren wurden den Patienten allerlei Geflügel-Leckereien zum Festessen gereicht. Eine zentrale Feier wird es jedoch nicht geben. Vor allem deshalb, weil die meist älteren Menschen nach ihrem Schlaganfall auf Ruhe angewiesen sind. „Wir werden auf der Station aber Musik laufen lassen“, verspricht Stecker.

Und so werden auch Menschen ein besinnliches Weihnachtsfest erleben, die heute nicht bei ihrer Familie sein können – oder gar keine Angehörigen mehr haben. Unzählige Alten- und Krankenpfleger, die heute Dienst haben, werden ihr Bestes dafür geben.

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