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Ostholsteiner Anzeiger

18. Oktober 2017 | 14:08 Uhr

Im Wiesenweg herrscht Land unter

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Mit Pumpen versucht die Gemeinde, der Lage Herr zu werden / Anwohner fordern, das Problem endlich grundsätzlich zu lösen

shz.de von
erstellt am 23.Feb.2016 | 14:58 Uhr

Alle zwei Stunden kommt ein Mann vom Bauhof. Mit einem großen Benzinkanister watet er in Gummistiefeln durch die Fluten, um eine Feuerwehrpumpe, die auf einem im Wasser abgestellten Anhänger steht, mit Treibstoff zu versorgen. Diese Szene spielt sich seit dem 11. Februar regelmäßig im unteren Wiesenweg nahe der Schwentine in Malente ab. Die Pumpen laufen von morgens bis in den Nachmittag, befördern das Wasser über dicke Schläuche in hohem Bogen in die Schwentine. Doch der Wasserstand ist in den vergangenen Tagen nur wenig gesunken.

Die Anlieger sind genervt. Seit Tagen kann Dieter zum Felde sein Grundstück mit dem Auto nicht mehr erreichen. Wasserkisten transportiert er etwa mit der Schubkarre über die Schwentinebrücke in sein Haus – vom Wendehammer des Wöbbensredders aus, wo sein Auto jetzt parkt.

Die Müllabfuhr hat die Anfahrt des Straßenabschnitts eingestellt, der Zeitungszusteller kommt nicht mehr durch, auch mit der Post gibt es Probleme, und zum Felde bangt um sein Geschäft: „Ich bin darauf angewiesen, dass hier Fahrzeuge durchkommen.“ Der Selbstständige betreibt eine Imkerei und handelt mit Bienenprodukten. Manchmal bekommt er tonnenschwere Lieferungen, etwa Met. Die können unmöglich über die Schwentinebrücke zu ihm gelangen. Außerdem fragt er sich, wie im Notfall ein Rettungswagen den Wiesenweg passieren soll.

Der Betrieb der Feuerwehrpumpe ist nicht die einzige Maßnahme der Gemeinde. Sie hat den Anwohnern bereits vor Längerem eine Tauchpumpe zur Verfügung gestellt, doch diese allein kann die Wassermassen nicht bewältigen. Außerdem hat der Bauhof eine Hebestation für Abwasser samt Schaltkasten auf einem Privatgrundstück mit Sandsäcken geschützt.

Einerseits ist Anlieger Helmut Hermanns froh über die Hilfe der Gemeinde: „Sonst würden die Wohnwagen auf dem Campingplatz durch die Gegend schwimmen und die Häuser unbewohnbar werden.“ Einerseits. Andererseits ist er mit seiner Geduld am Ende. „Was uns ein bisschen verbittert, ist, dass wir so lange vertröstet worden sind“, erklärt er. Denn seit Jahren sei für die Problematik keine Lösung erarbeitet worden.

Für Hermanns liegt die Ursache der Wasserproblematik auf der Hand. Seit Jahren gebe es Probleme mit einer Rohrleitung, die vom Grabensystem am Wiesenweg zu einem einige Dutzend Meter entfernten Schöpfwerk führe. „Das Rohr ist seit Anfang November definitiv dicht“, sagt Hermanns. Seitdem fließe das Wasser nicht mehr ab. Das Schöpfwerk könne seine Funktion nicht mehr erfüllen.

Möglicherweise wurde die Rohrleitung beim Bau des Hauses beschädigt, das Hermann vor einigen Jahren gekauft hat. Seitdem sollen die Entwässerungsprobleme jedenfalls bestehen.

Bereits 2014 habe es Vermessungsarbeiten für eine neue Rohrleitung gegeben, die unter dem Wiesenweg verlegt werden solle, erinnert sich zum Felde. Doch geschehen sei nichts. „Wir hoffen, dass sich nun endlich etwas bewegt.“ Für Hermanns steht fest, dass die Gemeinde handeln muss. Das Schöpfwerk werde in Verantwortung der Gemeinde betrieben, sagt er. Das habe ihm die Untere Wasserbehörde des Kreises Ostholstein versichert. Das gehe auch aus einem Rechtsstreit hervor, der bis vor den Bundesgerichtshof gegangen sei und dort 1992 zu einem Urteil geführt habe. Damals habe der damalige Eigentümer des Guts Rothensande gegen die Gemeinde geklagt.

Malentes Bürgermeister Michael Koch räumte ein, dass das Wasserproblem im Wiesenweg seit Jahren bestehe. Ein Aspekt des Problems sei auch die Zuständigkeitsfrage für Gewässer. Die Gemeinde bemühe sich aber um eine Lösung. „Die Anlieger haben eine persönliche Betroffenheit, und das kann ich sehr gut nachempfinden.“

Doch eine einfache Lösung scheint es nicht zu geben. Denn Koch macht die Ursache nicht in der defekten Rohrleitung aus. „Der Grund ist aus unserer Sicht das Hochwasser der Schwentine“, erklärt er. Auf dem Gelände des Campingplatzes sei der Deich lückenhaft. Daher bekomme die Gemeinde das Hochwasserproblem nicht gelöst. „Das Schwentinewasser läuft in den Graben, und wir pumpen es zurück in die Schwentine. Wir pumpen im Kreis.“ Dennoch tue die Gemeinde ihr Bestes, damit keine Gefahr entstehe, versichert Koch. Für den Notfall stehe eine weitere, große Pumpe auf Abruf.

Campingplatzbetreiber Ulrich Böttcher widerspricht allerdings Kochs Problemanalyse. Von seinem Campingplatz fließe kein Schwentinewasser in den Wiesenweg. Dorthin gebe es keine Verbindung. Auch Hermanns widerspricht. „Das Schöpfwerk würde mit dem Wasser aus der Schwentine locker fertig werden“, ist der pensionierte Wasserschutzpolizist überzeugt. Das Wasser im Wiesenweg stammt seiner Meinung nach jedoch aus dem Bergengehölz und der Schwentine-Niederung. Das zeige sich bei Starkregen im Hochsommer. Obwohl zu dieser Jahreszeit in der Schwentine Niedrigwasser herrsche, werde der Weg dann überflutet.

Die Gemeinde erwägt dennoch eine andere Lösung: „Wir überlegen, ob es im Bereich Wiesenweg Sinn ergibt, in der Senke die Straße anzuheben“, erklärt Koch. Fraglich sei jedoch, ob die Anlieger an den Kosten beteiligt werden müssten. Wenn das Problem damit gelöst wäre, wäre er dazu bereit, sagt Hermanns. Doch die Grundstücke stünden dann trotzdem unter Wasser, gibt er zu Bedenken.

Aus Sicht des Kreises Ostholstein herrscht im Wiesenweg Handlungsbedarf. „Die Planung müsste sicherlich mal in die Hand genommen werden“, formuliert Pressesprecherin Anja Sierks-Pfaff zurückhaltend. Sie verweist darauf, dass es bereits vor vier Jahren einen Ortstermin gegeben habe, an dem auch Wasser- und Bodenverband Schwentine und Gemeinde beteiligt gewesen seien. Immerhin: Heute Vormittag soll es einen neuen Ortstermin geben. Dann will das Malenter Bauamt die Lage erneut mit den Anliegern erörtern.

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