Eutin / Leipzig : Im Schutzanzug bei Pegida-Demos: Eine Arbeit, die Spaß machen muss

In Schutzanzügen verpackt: Zugführer Peter Thein (56) und Polizeimeisterin Katharina Kniejski (25) von der Ersten Einsatzhundertschaft der Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung und Bereitschaftspolizeiabteilung.
In Schutzanzügen verpackt: Zugführer Peter Thein (56) und Polizeimeisterin Katharina Kniejski (25) von der Ersten Einsatzhundertschaft der Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung und Bereitschaftspolizeiabteilung.

Für die Polizei ist jede Pegida-Kundgebung mittlerweile ein Großeinsatz. Der OHA begleitete zwei Beamte.

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26. Januar 2015, 18:00 Uhr

Die Demonstrationen der Pegida-Bewegung und ihrer Ableger: Für die Polizei ist mittlerweile jede der Kundgebungen ein Großeinsatz. Auch Schleswig-Holstein muss Kräfte stellen. Fünf Tage lang waren 150 Beamte aus dem Norden im Pegida-Einsatz.

Sie mussten kugelsichere Westen tragen und trafen auf Gegendemonstranten, die eine ausgeklügelte Strategie verfolgten. Zwei Beamte der 1.  Einsatzhundertschaft aus Eutin (Kreis Ostholstein) erzählen, was die Pegida-Aufmärsche so anspruchsvoll macht: Zugführer Peter Thein (56) und Polizeimeisterin Katharina Kniejski (25).

„Vor Leipzig waren wir bereits in Berlin“, berichtet Zugführer Thein. Zwölf Stunden im 15-Kilo-Vollschutz-Anzug, dazu die Weste. Normalerweise gehört sie nicht zum Equipment bei Demonstrationen. Doch weil Islamisten Angriffe auf Pegida-Märsche diskutieren, sollten die Polizisten sich vor Schüssen schützen. „Anders als in Dresden gab es zwar keine konkreten Hinweise auf Anschläge, aber die Anspannung war groß“, sagt Katharina Kniejski.

Während die Schleswig-Holsteiner in Berlin halfen, das Aufeinandertreffen von 400 Bärgida-Anhängern und 1000 Gegendemonstranten zu verhindern, waren die Dimensionen in Leipzig ungleich größer: 15  000 Legida-Anhängern standen 20  000 Teilnehmer von 19 Gegenveranstaltungen gegenüber.

„Die Legida-Teilnehmer waren jünger und aggressiver“, sagt Thein. Rechtsextremismus-Experten vermeldeten in der Rückschau: Die Hooligan-Szene von Lok Leipzig war beinahe komplett vertreten. 4000 Polizisten riegelten die Innenstand ab, Wasserwerfer und sogar Räumpanzer standen bereit. „Unsere Aufgabe war es, am Augustusplatz die Strecke zu sichern und ein Einsickern von Gegendemonstranten zu verhindern“, so Thein. „Dazu wirft man einen Blick auf die Spruchbänder und bewertet das Auftreten.“

Die Route der Legida-Anhänger im Rücken, standen die Schleswig-Holsteiner den Gegendemonstranten gegenüber. Katharina Kniejski: „Es waren viele Familien mit kleinen Kindern dabei.“ Einige boten den Polizisten in der Kälte sogar Tee an. Thein: Sie waren laut aber friedlich. Ein Protest wie man sich ihn wünscht.“ Gerne komme man da ins Gespräch. „Früher gab es die schweigende Polizei“, erklärt Thein. „Das heißt, mit den Demonstranten sollte nicht gesprochen werden. Heute wird der Kontakt als Strategie zur Deeskalation gesehen.“ Jeder Beamte könne selbst entscheiden, ob er das Gespräch suche. „Wenn man an Personen gerät, die keine Sachargumente, sondern nur Feindbilder haben, dann macht es natürlich keinen Sinn.“

Letztere Gruppe gab es in Leipzig ebenfalls – zur Gegendemonstration war auch eine starke linksautonome Szene angetreten. Mit Brandsätzen hatten Vermummte den Bahnverkehr lahmgelegt, um die Anreise der Legida-Anhänger zu erschweren. Und auch bei der Demonstration selbt gingen Autonome strategisch vor. „Sie blockierten die von der Polizei eingerichteten Zugänge zur Route“, berichtet Kniejski. „Die Legida-Anhänger kamen nicht mehr zur Kundgebung.“

Es gab Gerangel und Tumulte. Die Schleswig-Holsteiner schickten die Beweissicherungs- und Festnahmeinheit ihrer Hundertschaft los, darauf trainiert, Steinewerfer und Störer aus der Menge zu greifen. Sie drängte die Kette der Autonomen ab. „Allerdings ist die linke Szene gut vernetzt“, sagt Zugführer Thein. „Sie kommunizierte via Twitter. Das haben wir mitgelesen und gesehen, dass sie alle Durchlasspunkte blockieren wollten.“ Die Schleswig-Holsteiner entschieden spontan, ihre Reihen zu öffnen und einen eigenen Zugang zu schaffen. Die Legida-Anhänger wurden zu ihrem Schutz „eingekesselt“ und zur Route geleitet.

Der Einsatz für die Hundertschaft endet nach 15 Stunden. „Es ist eine Arbeit, die einem Spaß machen muss“, sagt Peter Thein, seit 38 Jahren dabei. „Da bei uns im Norden alle freiwillig in der Hundertschaft sind, ist die Motivation entsprechend hoch“, erklärt Katharina Kniejski. Wie viele Überstunden sie haben, wollen beide Beamte nicht verraten. „Da in der Politik die geplanten Stellenstreichungen heftig kritisiert werden, sind solche Zahlen unerwünscht“, sagt Thein mit einem Augenzwinkern. Nach einem großen Einsatz werde allerdings meist versucht, gleich Stunden abzubummeln.

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