Im Malenter Holm heult der Wolf

Der Wolf ist Heiko Wussows jüngste Holm-Skulptur. Deutlich zu erkennen ist der Riss, der sich vom Auge an abwärts zieht und von einer Harzader im Baumstamm herrührt.
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Der Wolf ist Heiko Wussows jüngste Holm-Skulptur. Deutlich zu erkennen ist der Riss, der sich vom Auge an abwärts zieht und von einer Harzader im Baumstamm herrührt.

Unter dem Motto „Kunst im Wald“ verwandelt Heiko Wussow Baumstämme in Tierfiguren – sein einziges Werkzeug ist die Kettensäge

shz.de von
29. November 2016, 14:49 Uhr

Im Malenter Holm, unweit der Kiesgrube, dort, wo die Motocross-Fahrer unterwegs sind, hat ihn der eine oder andere bereits gesichtet: den wohl ersten Wolf in Malente. Scheu ist das Exemplar nicht, allerdings braucht sich vor diesem Isegrim auch niemand zu fürchten. Die Skulptur in der Pose des heulenden Wolfs stammt von Heiko Wussow. Der Malenter, in seiner Heimat vielen als „Eulensäger“ bekannt, hat ihn allein mit der Motorsäge aus einem Baumstumpf herausgesägt.

Dafür sägten die Waldarbeiter der Dodauer Försterei die einst stattliche Lärche nicht wie üblich kurz über dem Boden ab, sondern in rund 1,20 Meter Höhe. Besonders viel Zeit lässt sich Wussow nicht, wenn er für eine seiner Tierfiguren zur Säge greift: „Bummelig ein Tag, dann muss das fertig sein“, erklärt er. Der Wolf trieb ihn zwischenzeitlich allerdings zur Verzweiflung. Grund: Mitten durch den Stamm verlief eine Harzader. Das ist jetzt deutlich an einem Riss im Wolfskopf zu erkennen, aus dem Harz herausgelaufen ist. „Ich war so sauer, ich wollte den Kopf abschneiden“, verrät Wussow. Zum Glück hat er davon wieder abgesehen. Denn nun ist der Riss nicht mehr als ein Schönheitsfehler.

Auf die Vorderläufe musste Wussow allerdings verzichten, weil genau dort der Riss durch den Stamm lief. „Lärche neigt dazu, solche Harzadern zu haben“, weiß der Kettensägen-Künstler, der vonBeruf Holzhändler ist. Generell sei dieses Holz wie auch Eiche und Douglasie aufgrund seiner Gerbstoffe und der insgesamt geringen Neigung zu Rissen sehr geeignet, um daraus Skulpturen zu sägen. Buche sei dagegen unbrauchbar. Sie neige zu Rissen und werde schnell schwarz.

„Wir wollen Touristen und Einheimische positiv ansprechen“, sagt Wussow. „Kunst im Wald“ laute das Motto. In Absprache mit dem Forst hat er deshalb noch weitere Figuren zurechtgesägt. Zwei Eulen, ein Eisvogel und ein Seeadler – am Ende der Spiegelteiche – finden sich an den Wanderwegen im Holm. Zum Teil stehen die Figuren schon seit fast einem Jahr.

Ideen für weitere Figuren hat Wussow eine ganze Menge. Hinter dem sitzenden Seeadler befindet sich ein Baumstumpf, auf dem Wussow bereits einen Seeadler im Flug vor dem inneren Auge hat. Und in der Nähe des Kneippbeckens am Dieksee hat er den Stumpf einer umgestürzten Buche im Visier. Dort will er mit der Kettensäge einen Adlerhorst modellieren. „Wenn ich mal Zeit habe“, fügt er einschränkend hinzu. Denn seine Figuren sind gefragt: Und nebenbei gibt er Kurse, in denen er den künstlerischen Umgang mit der Kettensäge weitergibt.

> Der nächste Schnitzkursus „Kunst mit der Kettensäge“ findet am Sonnabend, 14. Januar, ab 11 Uhr statt. Weitere Informationen gibt es unter „www.eulensäger.de“ und bei Heiko Wussow unter Telefon 0172/4518987.

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