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Gemeinde Süsel : Im Einsatz für den Naturschutz

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Ein internationales Workcamp für junge Leute aus drei Kontinenten findet zurzeit in Middelburg statt. Zu den Projekten gehört der Bau von Brutflößen für Flussseeschwalben.

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erstellt am 07.Aug.2015 | 17:00 Uhr

Wer hat schon mal eine Flussseeschwalbe gesehen? „Ich“, sagt Che-Yu Wu, „auf einem Foto.“ Die anderen lachen. Ja, auf einem Foto haben sie diesen Vogel auch schon gesehen, in echt allerdings noch nicht.

Vielleicht gibt es in Mexiko gar keine Flusseeschwalben. Oder in Taiwan. Denisse Archondia Leon (21) kommt aus Mexiko, Che-Yu Wu und Yen-Tzu Liu (beide 22) leben in der taiwanesischen Hauptstadt Taipeh. Die drei und fünf weitere Jugendliche aus Serbien, Spanien, Tschechien und Deutschland leben und arbeiten zurzeit in einem Zeltlager auf dem Buscherhof der Familie Teich in Middelburg.

14 Tage lang erleben sie Freizeit und Arbeit gemeinsam. Aktuell bauen sie zwei Flöße, die im nächsten Frühjahr auf dem Middelburger See verankert werden und bedrohten Flussseeschwalben als Brutinseln dienen sollen. „Flussseeschwalben bevorzugen eigentlich Spülsaum als Brutgelände. Davon gibt es immer weniger. Deshalb ist man in den vergangenen Jahren dazu übergangen, Flöße zu bauen, die auch gerne angenommen werden,“ erklärt Carsten Burggraf vom Verein Wasser Otter Mensch, der den Floßbau fachlich betreut. Die Materialkosten von 12  500 Euro hat die Untere Naturschutzbehörde aus dem Topf der Ausgleichsmittel bereit gestellt.

Die Flöße haben den Vorteil, dass die Gelege nicht von Füchsen oder Ratten geplündert werden. Und gegen Attacken von Seeadler oder Uhu schützen auf den schwimmenden Inseln kleine Häuschen, in denen sich die Flussseeschwalben verstecken können. „Brutkolonien könne sich auch eher gegen Angriffe wehren“, sagt Burggraf.

Mit dem aktuellen Floßbau sind die jungen Leute von drei Kontinenten freilich nicht für 14 Tage ausgelastet. Zu den Aufgaben des sogenannten Workcamps, das von der internationalen Organisation Service Civil International (SCI) organisiert wird, gehört auch die mechanische Bekämpfung von giftigem Jakobskreuzkraut auf Wiesen des Buscherhofes und der Bau von Zäunen. Außerdem haben die jungen Leute eine traditionelle Heuernte geschafft – so traditionell, dass die Erntewagen von Pferden gezogen wurden.

Es ist das zweite SCI-Workcamp auf dem am Ufer des Middelburger Sees gelegenen Buscherhofes. Die Idee, junge Leute aus der ganzen Welt auf den Hof zu holen, hatten Elke und Martin Teich, nachdem ihr heute 22-jährige Sohn Thilo selbst an einem SCI-Camp teilgenommen hatte und danach als SCI-Betreuer aktiv war. „Zurzeit hat Thilo allerdings keine Zeit und ist im Prüfungsstress“, berichtet seine Mutter,

Die jungen Leute, die sich auf Englisch verständigen, machen nicht den Eindruck, im Stress zu sein. Im Gegenteil. Die Gruppe ist fröhlich, erzählt bei einer Arbeitspause den Journalisten, wie sie nach Middelburg gekommen sind und was sie bislang erlebt haben.

Fast alle studieren, die beiden jüngsten – Aneta Chaloupkova und Veronika Nevriva aus dem tschechischen Brünn – sind 18 und gehen aufs Gymnasium. Die meisten sind zum ersten Mal in Deutschland, der 20-jährige Manuel Moreno Lopez aus Spanien war schon öfter hier, weil er auch Deutsch lernt.

Alle acht erzählen, dass sie sich bewusst für Deutschland und das Projekt Middelburg entschieden hätten, wobei Aneta und Veronika zugeben, dass sie vor allem die Aussicht auf zwei Tage Reitunterricht und die Zusammenarbeit mit Pferden gelockt habe. Denn neben der Arbeit gibt es natürlich auch Freizeitgestaltung. Eine Kanutour auf der Schwentine steht für die acht jungen Leute und zwei deutsche SCI-Betreuer heute auf dem Programm.

Die Chance, nochmal Flussseeschwalben zu sehen, wird allerdings nicht sehr groß sein: Die Brutsaison des Zugvogels ist fast vorbei. Und die Flöße werden erst im nächsten Jahr zu Wasser gelassen.

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