Plön : Im E-Bus-Testbetrieb durch Preetz

Friedrich Scheffer, Chef der Verkehrsbetriebe Kreis Plön (VKP), ist durchaus zufrieden mit dem ersten Test eines E-Busses im Preetzer Linienverkehr.
Friedrich Scheffer, Chef der Verkehrsbetriebe Kreis Plön (VKP), ist durchaus zufrieden mit dem ersten Test eines E-Busses im Preetzer Linienverkehr.

Verkehrsbetriebe Kreis Plön prüfen die Einsatzmöglichkeiten von vollelektrischen Bussen in ihrem Versorgungsgebiet.

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11. März 2019, 15:34 Uhr

Zuerst wunderten sich die Fahrgäste der Verkehrsbetriebe Kreis Plön (VKP) nur. Ihr bekannter Bus der Preetzer Stadt-Linie 341 sah gestern nicht nur anders aus, er trug auch ein französisches Kennzeichen. Begeistert aber waren sie dann, als die Türen sich schlossen, denn sie hörten nichts – kein leises Wummern eines Dieselmotors, nichts außer Stille. So schildert VKP-Chef Friedrich Scheffer die Erfahrungen und Reaktionen.

Eine Woche lang (noch bis zum morgigen Mittwoch) testen die VKP in Preetz einen neuartigen Elektrobus des französischen Herstellers Heuliez, einer Tochterfirma des bekannten Bus-Herstellers Iveco, überwiegend im regulären Stadtbetrieb. „Wir sind durchaus zufrieden, die Erfahrungen auch anderer Testbetriebe haben die Zuverlässigkeit des E-Busses bestätigt“, schildert Friedrich Scheffer in einer ersten Bilanz.

Zum ersten Mal wurde im Kreis Plön ein vollelektrischer Linienbus im regulären Betrieb getestet – wie zuvor schon dieses Modell im Regionalverkehr im Allgäu bei der Vierschanzentournee in Oberstdort bei extremen Wetterbedingungen von minus 6 Grad und Schnee. Mit Reichweiten bis zu 240 Kilometer täglich trotz rein elektrischer Innenraumheizung. Parallele Werte lieferte auch ein Test der Technischen Universität Landshut. Weitere praktische Tests folgten in Fulda, Flensburg und im Anschluss in Rendsburg.

Erreicht werden diese „positiven Reichweiten“ durch sogenannte „Body Master Controller“, die die Temperaturentwicklung der einzelnen Batteriepakete steuern. Bei anderen Herstellern geht bis zu 20 Prozent der Energie (und damit Kilometer) dafür verloren, damit sich die Batterie „wohlfühlt“, so Scheffer. Voraussetzung für die VKP ist, dass der Bus tagsüber seinen Dienst im Linienverkehr absolvieren kann und nur nachts im Depot aufgeladen werden muss. „Ziel ist es, herauszufinden, ob diese E-Busse für den schwerpunktmäßigen Einsatz im Stadtverkehr geeignet sind.“ Erfahrungen haben gezeigt, dass mit einer Ladung Laufleistungen von über 300 Kilometern problemlos möglich sind.

Ob und wann diese Busse bei den VKP in Betrieb gehen sollen, ist derzeit noch völlig offen. Nach dem mit dem Kreis diskutierten Konzept müssten in einem ersten Schritt sieben alte Fahrzeuge aus dem Dienstbetrieb aussortiert und stufenweise dann vielleicht bis 2030 alle Busse ersetzt werden. Pro VKP-Standort rechnet Scheffer zudem mit Kosten von 250 000 bis 300 000 Euro für die Einrichtung von Ladesäulen und entsprechenden Netzkapazitäten. „Die CO² Einsparungen aber würden die Investitionen durchaus rechtfertigen“, meint Scheffer. Die Betriebskosten seien allerdings etwas höher. Damit gelte es zu klären, ob dies auf die Tarife umgelegt werden muss.

„Alles in allem rechne ich mit Mehrkosten von bis zu 2,8 Millionen Euro für die Anschaffung und Investitionen“, hat Scheffer durch Gutachter errechnen lassen. Allerdings sind auch Fördermittel möglich – von Seiten des Bundes, des Umweltministeriums, vom Land und eventuell auch vom Kreis. „Mit dem politischen Segen könnten die ersten dieser E-Busse dann voraussichtlich ab 2021 in Preetz fahren.“ Die Beschaffung müsste aber europaweit ausgeschrieben werden und bei der derzeitigen großen Nachfrage nach E-Bussen müssen auch Warte- und Lieferzeiten einkalkuliert werden.

Deutsche Hersteller tun sich derzeit mit E-Bussen „noch etwas schwer“. Aber dennoch wird die VKP wohl schon im Juli einen weiteren E-Bus eines anderen Herstellers aus Deutschland im Tagesbetrieb testen. Wenn alles nach Plan verläuft, könnte eine grundlegende Entscheidung, ob überhaupt und mit welchem Modell der E-Bus-Betrieb im Kreis Plön angesteuert werden soll, noch in diesem Jahr fallen.

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