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Ostholsteiner Anzeiger

23. August 2017 | 04:43 Uhr

Im Bahnhof beißt die Flora zu

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Im Eutiner Stationsgebäude haben jugendliche Grafitti-Künstler eine Wand mit Motiven aus der Pflanzen- und Tierwelt verschönert

Lasse ist von dem Ergebnis ziemlich angetan: „Das ist echt cool geworden“, sagt der Zwölfjährige, als er einen Blick auf das Werk wirft, an dem er selbst mitgewirkt hat. Die große Innenwand des Eutiner Bahnhofgebäudes war am Morgen noch eine gewöhnliche weiße Wand. Jetzt – am Sonnabendnachmittag gegen 16 Uhr – ist hier eine Landschaft mit Marienkäfern, Fliegenpilzen, einem Wasserfall, Bäumen und Rosen zu sehen.

50 Spraydosen haben sechs Jugendliche unter Anleitung der Kieler Aktionskünstler und Erzieher Lukas Kund und Hendrik Eggers hier verbraucht und auf rund 40 Quadratmetern Fläche ein echtes Kunstwerk geschaffen. Ihre beiden Anleiter sind jedenfalls ziemlich zufrieden: „Sehr gut“, lobt Lukas Kund, und Hendrik Eggers fügt hinzu: „Ich bin überrascht gewesen. Ich habe schon mal drei Jahre an einer Schule gearbeitet, da waren nicht so viele Talente.“ Entzückt ist Stadtmanagerin Kerstin Stein-Schmidt: „Ich bin schwer begeistert“, sagt sie beim Blick auf die Wand.

Die jungen Sprayer aus Eutin, Quisdorf, Malente, Hansühn und Wangels sind zwischen zwölf und 17 Jahre alt. Im Eutiner Jugendzentrum haben sie sich auf ihre Aufgabe vorbereitet. An drei vierstündigen Nachmittagen feilten sie nicht nur an ihrer Spray-Technik, sondern lernten angesichts des lösungsmittelhaltigen Farbnebels auch etwas über Gesundheitsschutz und darüber, was beim Sprayen erlaubt ist und was nicht. Sie machten sich Gedanken, was sie sprühen wollten, und fertigten Skizzen an. Die Vorgabe lautete: Es soll etwas entstehen, was zur Landesgartenschau (LGS) 2016 passt – mit Motiven aus Flora und Fauna.

Hervorgegangen war die Idee aus einem Jugendworkshop zur LGS, berichtete Kerstin Stein-Schmidt. Dort sei der Wunsch nach einer Graffiti-Aktion geäußert worden. Auf die Schnelle wurden ein Bauwagen und ein Zaun im Seepark verschönert. „Das Ergebnis war besser, als wir alle gedacht hatten“, erinnert sich die Stadtmanagerin. Dann kam die Idee mit dem Bahnhof.

Der Hingucker des Gesamtkunstwerks, darin waren sich alle Beteiligten einig, ist eine fleischfressende Pflanze mit einem Krokodilsmaul. Urheber des „nicht ganz so braven Motivs“ ist Ivo Heckelmann aus Neutestorf (Gemeinde Wangels), der vor anderthalb Jahren zu Hause mit Graffiti angefangen hat. In Eutin habe er viel Neues gelernt, sagt der 16-Jährige: etwa „Fadings“, weiche Übergänge von einer Farbe in die andere, oder „Cutten“, eine Technik, mit der Linien eine klare Kante bekommen.

Die Künste der Grafitti-Sprayer aus dem Eutiner Jugendzentrum sind inzwischen gefragt, berichtet Leiterin Johanna Wester. So habe jemand schon sein Hoftor für Graffiti angeboten, und vor einigen Tagen sei jemand da gewesen, der sein Wohnmobil verschönern lassen wolle.

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erstellt am 23.Nov.2015 | 00:32 Uhr

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