IG Metall ruft zu Demo auf

Kampf um Arbeitsplätze bei Kendrion-Kuhnke: Gewerkschaft wirft Geschäftsführung Eskalationsstrategie vor

shz.de von
28. August 2018, 11:57 Uhr

Die Auseinandersetzung um den Abbau von
50 Arbeitsplätzen beim Malenter Technologie-Zulieferer Kendrion-Kuhnke Automotiv nimmt an Schärfe zu. Die IG Metall Lübeck Wismar kündigte gestern für heute um 14 Uhr eine „Demonstration für Arbeitsplätze und Mitbestimmung in Malente“ vor dem Firmensitz an der Lütjenburger Straße an. Zugleich warf die IG Metall der Unternehmensleitung vor, die Verhandlungen mit Betriebsrat und Gewerkschaft bewusst zu torpedieren.

Grund für die Kundgebung sei das Vorgehen der Geschäftsleitung von Kendrion-Kuhnke gegenüber Betriebsrat und IG Metall, erklärte Daniel Friedrich, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Lübeck-Wismar. „Der Arbeitgeber nutzt von Anfang an jede Möglichkeit zur Eskalation“, kritisierte der IG-Metall-Geschäftsführer. So seien etwa umfangreiche Unterlagen erst einen Arbeitstag vor den Verhandlungen zugänglich gemacht worden. Auch die Arbeit des Rechtsanwaltes des Betriebsrates sei behindert worden. Selbst innerhalb von acht Wochen – in solchen Fällen sonst üblich – habe keine Regelung über die Bezahlung des Rechtsanwalt vereinbart werden können. Außerdem würden immer wieder Ultimaten gegenüber dem Betriebsrat gesetzt und die nötige Arbeitszeit für Betriebsratstätigkeiten in Frage gestellt.

Als der Betriebsrat wegen mangelnder Vorbereitungszeit die zweite Verhandlung kurzfristig abgesagt habe, habe der Arbeitgeber die Verhandlungen zum Interessenausgleich und Sozialplan einseitig für gescheitert erklärt. „Mag man für die einzelnen Punkte immer nachvollziehbare Erklärungen liefern können, zeigt die Gesamtheit der Vorgänge doch: Hier werden mit System die Arbeit des Betriebsrates behindert und so die Zukunft der Arbeitsplätze gefährdet“, sagte Friedrich. „Das lassen wir uns nicht gefallen. Wer die Eskalation will, der kann sie bekommen“, drohte der Gewerkschaftsfunktionär mit Blick auf die nächsten Wochen.

Kendrion-Kuhnke räumte ein, die Verhandlungen für gescheitert erklärt zu haben. Dies sei allerdings eine Reaktion auf eine Absage des zweiten von sechs geplanten Terminen durch den Betriebsrat gewesen, erklärte Ronny Splettstößer, Kaufmännischer Leiter im Automotive-Bereich. Auf die Aufforderung, die Absage binnen 24 Stunden zu begründen und zu erklären, ob die Gespräche fortgeführt werden sollten, habe der Betriebsrat nicht reagiert. Erst daraufhin habe man den Prozess für gescheitert erklärt.

Nun setze man auf Gespräche vor einer Einigungsstelle unter Leitung eines Arbeitsrichters. „Das ist üblicherweise der Weg“, sagte Splettstößer. Den Vorwurf einer vergifteten Atmosphäre könne er nicht nachvollziehen. „Wir sind weithin gesprächsbereit“, bekräftigte er.

Splettstößer wies den Vorwurf zurück, die Geschäftsführung behindere systematisch die Arbeit des Betriebsrats. Zwar habe man sich über die Bezahlungsweise des Rechtsanwalt nicht einigen können, grundsätzlich werde der Anspruch des Betriebsrats auf bezahlte juristische Unterstützung aber anerkannt. Die Unterlagen zur ersten Sitzung seien zwar tatsächlich kurzfristig zugestellt worden. Die Geschäftsführung habe aber auch nur eine Woche Zeit gehabt, 180 Mitarbeiter-Fragen zu beantworten, die der Betriebsrat ihr zugeleitet habe. Darüber hinaus setzten Betriebsratsmitarbeiter derzeit ihre volle Arbeitszeit für die Tätigkeit im Betriebsrat ein.

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