Malente : IG Metall fordert Sozialtarif

Nicht zu übersehen: Forderungen der Gewerkschaft nach sozialer Verantwortung, Investitionen, Standortsicherung und Joberhalt bei Kendrion-Kuhnke auf dem Weg zu dem Unternehmenssitz in der Lütjenburger Straße. Fotos: Schröder
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Nicht zu übersehen: Forderungen der Gewerkschaft nach sozialer Verantwortung, Investitionen, Standortsicherung und Joberhalt bei Kendrion-Kuhnke auf dem Weg zu dem Unternehmenssitz in der Lütjenburger Straße. Fotos: Schröder

Mehr als 100 Beschäftigte stärken Gewerkschaft und Betriebsrat im Kampf gegen Jobverlust und für mehr Mitbestimmung bei Kendrion-Kuhnke den Rücken.

shz.de von
29. August 2018, 16:48 Uhr

Mehr als 100 Beschäftigte von Kendrion-Kuhnke Automotive folgten dem Gewerkschaftsaufruf: Damit demonstrierte gestern etwa die Hälfte der Belegschaft dieses Betriebszweigs am Standort Malente vor dem Firmengelände gegen den geplanten Abbau von 50 Jobs. Zugleich stärkten die Demo-Teilnehmer ihrem Betriebsrat und der IG Metall Lübeck-Wismar bei den Verhandlungen mit der Geschäftsführung über die Zukunft von Unternehmen und der Mitarbeitern den Rücken.

Der IG-Metall-Bevollmächtigte Daniel Friedrich erneuerte nicht nur seine tags zuvor geäußerte scharfe Kritik an der Geschäftsführung. Er machte zugleich deutlich, dass die Gewerkschaft mit der Forderung nach einem Sozialtarifvertrag in die Offensive geht. „Wir werden die Geschäftsführung auffordern, bis Freitag mitzuteilen, ob sie bereit ist, darüber zu verhandeln“, kündigte Friedrich an. Beginn solle bereits am kommenden Montag um 12 Uhr sein.

In einem Sozialtarifvertrag will die Gewerkschaft vier Forderungen erfüllt sehen. Wenn es Kündigungen gebe, müssten die Abfindungen mindestens zwei Monatsgehälter pro Beschäftigungsjahr betragen. Außerdem forderte Friedrich eine Transfergesellschaft, um Gekündigte dort mindestens ein Jahr zu qualifizieren. „Das wollen und werden wir durchsetzen“, bekräftigte er. Ebenfalls aufs Korn genommen hat die IG Metall das Thema Leiharbeit. „Wir wollen vernünftige Regelungen zur Leiharbeit“, erklärte Friedrich. Laut Betriebsrat liegt deren Anteil derzeit bei etwa sieben Prozent, was etwa 18 Prozent im Produktionsbereich bedeute. Schließlich solle ein Sozialtarifvertrag Betriebsrat und Belegschaft mehr Mitbestimmung bei Veränderungen im Betrieb einräumen.

Zuvor hatte der Geschäftsführer der IG Metall Lübeck-Wismar daran erinnert, dass dieses Jahr eigentlich Anlass zur Freude bieten könnte. Denn das Unternehmen werde 90 Jahre alt. Statt dessen sei ausgerechnet dort ein Rückfall zu beklagen, wo einst vernünftig mit Gewerkschaften und Betriebsrat zusammengearbeitet worden sei. „Wie Beschäftigte dritter Klasse“ würden die Mitarbeiter nun behandelt, warf Friedrich dem Unternehmen vor. „Wir wollen, dass mit uns auf Augenhöhe umgegangen wird“, forderte er.

Das Unternehmen habe mit der jahrelangen Tradition gebrochen, der IG Metall die Betriebskantine für die Information der Mitarbeiter zur Verfügung zu stellen. Angesichts dessen sei klar gewesen, dass die Kundgebung in der Öffentlichkeit stattfinde: „Wenn man jeden Anstand aufgibt, machen wir das öffentlich vor der Tür“, machte Friedrich deutlich.

Die Betriebsratsvorsitzende Cornelia Horn schlug in die gleiche Kerbe: „Man setzt nicht einfach Gewerkschaftsmitglieder und Betriebsrat vor die Tür“, geißelte sie das Verhalten der Geschäftsführung. Ihre Kritik richtete sich besonders an die von der Unternehmensleitung im niederländischen Zeist eingesetzte Interimsmanagerin Gabriele Muthreich, die das Geschehen auf der gegenüberliegenden Straßenseite Kaffee trinkend vom geöffneten Fenster aus verfolgte.

„Die Interimsmanagerin hat das Ziel verfolgt, den Rechtsanwalt des Betriebsrats nicht an den Verhandlungstisch zu lassen“, kritisierte Cornelia Horn. Das sei einmalig in der Firmengeschichte. Mit immer neuen Forderungen habe die Managerin den Abbruch der Verhandlungen erzwungen. Dennoch signalisierte Cornelia Horn Verhandlungsbereitschaft: „Der Betriebsrat ist immer noch bereit, in konstruktiven Gesprächen das beste Ergebnis für die Beschäftigten zu erzielen.“

Für drei Lehrlinge kommen mögliche Einigungen indessen wohl zu spät. Sie hatten zwar schon ihren Ausbildungsvertrag bei Kendrion-Kuhnke Automotive in der Tasche. Doch noch vor ihrem ersten Arbeitstag lag die Kündigung in ihrem Briefkasten.

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