zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

17. August 2017 | 11:58 Uhr

„Ich wollte ihn schützen“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Was passieren kann, wenn aus Liebe Hass wird, offenbarte die gestrige Verhandlung am Eutiner Amtsgericht.

Torsten D. (39)* soll betrunken Auto gefahren sein und seine damalige Freundin Melanie M.* an einer Kreuzung in Eutin aus dem Auto gestoßen haben, die sich darauf hin schwer am Knie und im Gesicht verletzte. Der zweite Vorwurf der Staatsanwaltschaft wiegt schwerer: Er soll sie am 15. Februar dieses Jahres in der Spielhalle, in der sie arbeitet, aufgesucht, und ohne Vorwarnung mit Fäusten und Tritten gegen den Oberkörper malträtiert haben. Als das Opfer versuchte zu fliehen, rannte er ihr hinterher und prügelte auf offener Straße weiter auf sie ein, bis eine Freundin ihn wegziehen konnte. Ein Freund des Angeklagten wurde außerdem Beleidigung gegenüber dem Opfer vorgeworfen – das Verfahren wurde mit der Auflage des Täter-Opfer-Ausgleichs und einer Geldstrafe vorzeitig eingestellt und geriet zur Randerscheinung.

Was sagt der Angeklagte zu den Vorwürfen? „Ich kann da nichts zu sagen, ich hatte einen Blackout“, sagt der selbstständige Dachdecker. Er sei bei beiden Taten betrunken gewesen, könne sich an nichts erinnern, entschuldige sich aber gern in aller Öffentlichkeit, wenn er es denn war. Daran allerdings hatte weder die Staatsanwaltschaft noch die Richterin Zweifel, nachdem sie das Opfer und Zeugen gehört hatten.

Melanie M. (41) hatte ihre Angst und die zahlreichen Faustschläge und Tritte anschaulich geschildert. Auch den Vorwurf des Freundes: „Du hast mir erzählt, du seiest über die Katze gefallen und nicht auf die Straße“ erklärte sie vor Gericht. Melanie M.: „Ja, ich habe ihn geliebt und wollte ihn schützen. Aber irgendwann geht das nicht mehr.“ Es sei immer mal wieder vorgekommen, dass sie sich gestritten haben, doch unter Alkohol sei er immer sofort aggressiv und gewaltbereit gewesen. Von fünf Jahren Beziehung habe sie das vier Jahre mitgemacht, dann nicht mehr gekonnt, sagt Melanie M.

Der Angeklagte erklärt seinen Wutausbruch auf Nachfrage dem OHA so: „Ich habe Post von meiner Ex-Frau bekommen, dass ich meine Kinder jetzt nicht mehr sehen darf. Das habe ich ihr zu verdanken.“ Melanie M. wirft er vor, sie habe ihn ins schlechte Licht gestellt vor seiner Ex-Frau. M. sagt: „Dazu hat er mich gar nicht gebraucht, das hat er selber gemacht.“

Aufgrund seiner einschlägigen Vorbestrafungen wegen Trunkenheit am Steuer verlängert sich die Führerscheinsperre um ein weiteres Jahr. „Als Selbstständiger ist das ein echtes Problem“, sagt er. Außerdem wurde er wegen gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen zu einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt, die zu drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt wurde und er muss zu einer Alkohol- und Drogenberatung.

*  Namen geändert

zur Startseite

von
erstellt am 03.Nov.2015 | 15:14 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen