zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

17. Dezember 2017 | 04:14 Uhr

„Ich werde neue Wege gehen“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Elke Salewski steht morgen zum letzten Mal in der Backstube – nach 57 Arbeitsjahren / Am Montag offizielle Verabschiedung

shz.de von
erstellt am 30.Okt.2015 | 17:42 Uhr

Wer noch einmal die von Elke Salewski gebackenen Brötchen, Kuchen und Torten aus Bosaus letzter Bäckerei genießen möchte, muss sich ranhalten. Denn die Bäckermeisterin wechselt ihren „Beruf“ und hat am morgigen Sonntag ihren letzten Arbeitstag im Café Lohse. „Ich werde jetzt Rentnerin“, freut sich die 71-jährige nach 57 Arbeitsjahren.

„Ich werde neue Wege gehen, mit dem Rad unterwegs sein und viel lesen“, sind die Pläne der agilen Elke Salewski, der bei dem Gedanken an den Abschied doch ein wenig die Tränen kommen. Sie gesteht: „Es tut ein bisschen weh.“

Das ist nur mehr als verständlich, denn mit dem Ausscheiden endet nach 65 Jahren auch eine Familien-Bäcker-Tradition. Schon ihr Vater, Walter Lohse, war Bäckermeister, bei dem Elke Salewski das Handwerk erlernte. Er kaufte 1949 das Grundstück in der Plöner Straße und baute mit der Familie in den folgenden Jahrzehnten die Bäckerei, das Café Lohse und das Hotel „Haus Schwanensee“ auf. Mit der Gründung der Bäckerei fuhr Walter Lohse außerdem täglich über Land, um auf seinen Brot-Touren rund um Plön – zwischen Lebrade und Seedorf – die Backwaren zu verkaufen.

„Ich habe immer nur in unserer Backstube gearbeitet“, erzählt Elke Salewski. Dem Vorbild ihres Vaters folgte sie 1967 und erwarb als erste Frau in Deutschland den Titel der Bäckermeisterin. Und auch ihr Mann, Günter Salewski, den sie im selben Jahr heiratete, war Bäcker. Er machte seinen Meister fünf Jahre später. Damit standen drei Bäckermeister in der Backstube.

Nachdem 1969 und 1973 die beiden Kinder Sylvia und Volker geboren wurden, pachteten Günter und Elke Salewski das Café Lohse von ihren Eltern, die die Führung des Hotels übernahmen. Fortan zeichnete Günter Salewski mit einem Gesellen für die Backstube verantwortlich, seine Frau übernahm die Aufgaben hinter dem Bäckereitresen und im Café.

Im Jahr 1994 wechselte die Verantwortung. Elke und Günter Salewski erwarben als zweite Generation das Café Lohse und das Hotel „Haus Schwanensee“. In dem Jahr feierten ihre Tochter Sylvia und Sven Sacknieß Hochzeit. Die gelernte Hotelfachfrau arbeitet seit ihrem Ausbildungsabschluss im elterlichen Betrieb. Ihr Mann ist gelernter Maschinenbautechniker und zeichnete anfangs für die umfassenden Hausmeistertätigkeiten verantwortlich.

Nur ein Jahr später verstarb Günter Salewski im Alter von nur 55 Jahren ganz plötzlich an einer Erkrankung. Von nun an stand die junge Witwe, nach 15-jähriger Pause, wieder in der Backstube. Ihren Part im Café und Hotel übernahmen ihre Tochter und ihr Schwiegersohn. „Rückblickend betrachtet kann man das als Fügung bezeichnen“, erzählt Elke Salewski.

Nachdem sie 1996 den gesamten Betrieb auf die nächste Generation überschrieb, war Elke Salewski angestellt und zeichnete „nur noch“ für die Backstube verantwortlich. Trotzdem gab es immer ausreichend zu tun. Während der Sommerzeit stand sie ab zwei Uhr nachts am Ofen und backte bis zu 800 Brötchen sowie unzählige Kuchen und Torten. Der Erfolg sprach für sich. 2010 wurden vom Institut für Qualitätssicherung von Backwaren (IQ-Back) Elke Salewskis Mohnweizenbrot mit Gold und das Ernte-Mischbrot, die Vielkorn- und Spitzbrötchen sowie das Sonnenblumenkern-Vollkornbrot mit Silber ausgezeichnet.

Nachdem der Geselle und die Backstubenhilfe ihre Mitarbeit beendeten, stand Elke Salewski allein in der Backstube. Auch die Brot-Touren machte sie weiter, allerdings nur noch zweimal wöchentlich, und letztendlich wurden sie eingestellt. „Eine Stunde Schlaf reichte mir. Danach, etwa ab 9 Uhr, bin ich losgefahren“, erzählt sie und gesteht, dass es manchmal schon eine harte Zeit gewesen sei. Dafür sei es im Winter etwas ruhiger gewesen. Da stand sie erst um 5 Uhr in der Backstube.

Den Gedanken mit 65 Jahren in Rente zu gehen, habe Elke Salewski schnell verworfen. „Das hätte Personaleinstellungen und damit Kosten bedeutet“, war der kaufmännische Hintergrund für die Bäckermeisterin. Und der persönliche Grund: „So hatte ich auch noch was zu tun.“

Am kommenden Montag können Wegbegleiter, Mitarbeiter und Freunde Elke Salewski im Café Lohse ab 11 Uhr persönlich in den wohlverdienten Ruhestand verabschieden. Und dann erfüllt sich auch einer ihrer größten Wünsche: „Dann kann ich endlich auf meiner schönen Terrasse in Ruhe frühstücken.“



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen