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„Ich werde meinen Mitarbeitern nicht den Wohnort vorschreiben“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Informationen zur aktuellen Lage der Sana-
Kliniken lieferte Regionalgeschäftsführer Klaus Abel beim Sozialausschuss des Kreises: „Es gibt mehr Geburten in Eutin“, so Abel. Im Vergleich zum Vorjahr mit 148 Geburten zählte die Geburtsstation bis zum 17. Februar dieses Jahres 157 Säuglinge, also fünf Prozent mehr. Die Gesamtzahl der Geburten wird, versicherte Klaus Abel, 2017 auf über 1150 steigen.

Auf Hinweise aus dem Plenum, es gäbe Gerüchte um nicht eingeleitete Geburten aufgrund von Personalmangel in der Sana-Klinik Eutin, antwortete Klaus Abel: „Ich kann Ihnen versichern, dass wir alles tun, um eine Geburt in Eutin zu ermöglichen. Da lege ich meine Hand für meine Mitarbeiter ins Feuer.“ Auch den folgenden kritischen Bemerkungen aus den Zuschauerreihen, es sei gerüchteweise in den vergangenen Monaten zu diversen Komplikationen auf der Geburtenstation gekommen, begegnete Abel: „Fälle von problematischen Geburten sind mir nicht bekannt.“ Es gäbe da, so der Regionalgeschäftsführer, unterschiedliche Wahrnehmungen. „Und es wird nicht miteinander, sondern übereinander gesprochen, und diese Gerüchte kommen bei Ihnen an“, versuchte Abel die Wogen im Ostholstein-Saal zu glätten. Zudem lud er die Anwesenden ein, einen Termin für eine Informationsveranstaltung zum Mutter-Kind-Zentrum mit ihm zu vereinbaren.

„Wir haben uns außerdem entschlossen, eine Stelle für die übergreifende organisatorische Leitung einzurichten und freuen uns, Frau Dr. Katja Stenzel bei uns willkommen zu heißen.“ Die Eutiner Ärztin mit dem „sehr guten Ruf“ werde spätestens zum 1. September ihre Tätigkeit im Mutter-Kind-Zentrum, sowie als Unterstützung etwa der Schlaf- oder Palliativmedizin, aufnehmen. Eine weitere Neuerung in seinem Haus hielt Abel zum Thema Vorsorge-Untersuchungen bei Neugeborenen bereit: „Wir werden ab dem 1. April wieder beide Untersuchungen, U1 und U2, routinemäßig organisieren.“

Im Oktober 2016 hatte die Sana-Klinik die geburtshilfliche Abteilung von Level zwei auf Level eins zurückgestuft. Die medizinische Versorgung am Eutiner Standort betrifft seither nur noch Frauen ab der 32. Schwangerschaftswoche und Ungeborene mit einem zu erwartenden Geburtsgewicht von mindestens 1500 Gramm.

Auch zum Thema Notfallambulanz der Sana-Klinik Oldenburg musste sich Klaus Abel kritische Fragen gefallen lassen. Aktuell hält die Klinik die Bereitschaftsdienst-Stufe eins vor: 24 Stunden sind also ein Internist, ein Chirurg, ein Intensivmediziner, ein Anästhesist und eine Anästhesiepflegekraft in der Klinik. Bis Ende 2016 hielten die Sana-Klinik Oldenburg ebenso wie Eutin einen nächtlichen Bereitschaftsdienst für ihre Patienten vor.

Zum 1. Januar 2017 hatte die Geschäftsführung noch ohne Einwilligung des Betriebsrates den nächtlichen Bereitschaftsdienst für Kräfte der Anästhesie in eine Rufbereitschaft geändert. Der Hintergrund: „Wir haben drei bis sieben Prozent Einsatzzeiten bei uns“, erklärte Abel. Mehr als sechs Mal pro Monat sei der jeweilige Narkose-Arzt und die Pflegekraft während des Bereitschaftsdienstes nicht zum Einsatz gekommen. Die Vergütung beträgt jedoch pro Nacht 60 Prozent des regulären Gehalts. Der anschließende Streit zwischen Betriebsrat und Klinik-Leitung infolge der angeordneten Rufbereitschaft landete vor Gericht (wir berichteten). Dieses gab dem Betriebsrat Recht. Die Geschäftsführung reagierte mit der Aussetzung von Notfall-Operationen in der Oldenburger Klinik zwischen 18.30 Uhr und den Morgenstunden.

Auf den Vorwurf von Alexander Schmuck (CDU), die Sana-Klinik würde ihren Versorgungsauftrag nicht wahrnehmen, reagierte Landrat Reinhard Sager: „Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ist die Zukunft der Krankenhausversorgung ein schwieriges Thema – überall.“ Die Sana-Klinik habe aber mit weit über 20 Millionen Euro wesentlich mehr in Oldenburg investiert, als sie müsste, betonte Sager.

Das Problem der Rufbereitschaft sei nicht der Personalmangel, konstatierte Klaus Abel: „Anästhesisten haben wir so viele wie noch nie, nur wohnen die in Eutin, Kiel und Lübeck. Und ich werde meinen Mitarbeitern nicht den Wohnort vorschreiben.“ Eine Notfallversorgung in Oldenburg sei gleichwohl notwendig, um die Klinik weiter betreiben zu können. „Die von Herrn Sager angesprochenen Herausforderungen sind richtig, ich stelle mich ihnen aber gern“, so Abel.

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erstellt am 22.Feb.2017 | 12:28 Uhr

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