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Ostholsteiner Anzeiger

20. August 2017 | 02:51 Uhr

„Ich war in dem Fall einfach zu naiv“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der Kaufmann Sebastian Bauer fiel auf einen Mietpreller herein, der in Malente sein Unwesen trieb, und blieb auf mehreren Tausend Euro Schaden sitzen

Wer sich mit Sebastian Bauer länger unterhält, gewinnt den Eindruck, dass er ein umsichtiger Kaufmann ist. Doch einmal war der Inhaber des Sport- und Freizeitmodegeschäfts „Basti Bauer“ in der Malenter Bahnhofstraße nicht umsichtig genug. Das war Ende 2012. Da vermietete er einen Laden, der sich hinter seinem Geschäft in der Kampstraße befindet, an einen Schuster. Es war eine Fehlentscheidung, die ihn einige Tausend Euro gekostet hat.

„Der stand irgendwann im Sommer bei mir im Laden“, erinnert sich der 38-Jährige an die erste Begegnung mit dem Schuster. Der Mann hatte seine Geschäftsräume damals noch an einem anderen Ort in der Bahnhofstraße, dessen Eigentümer sich zu seinem ehemaligen Mieter heute nicht einmal hinter vorgehaltener Hand äußern will. Der Schuster erklärte, er suche nach neuen Geschäftsräumen, weil sein Vermieter einen Umbau plane.

„Die Geschichte klang für mich plausibel“, erinnert sich Bauer. Zweimal kam der Schuster noch, um sich den Laden anzusehen, dann wurde ein Mietvertrag geschlossen. Zum 1. Januar 2013 sollte das Mietverhältnis beginnen. Es wurde ein sehr einseitiges Verhältnis. Zwar zog der neue Mieter schnell ein, doch weder die Kaution in Höhe von zwei Monatsmieten noch die Miete selbst (warm 610 Euro) habe der Mann jemals gezahlt. Stattdessen hörte Bauer immer neue Ausreden. Zunächst glaubte er noch an ein Missverständnis, als kein Geld floss. Man einigte sich auf den nächsten Monat als ersten Zahlungstermin. „Im Februar kam auch nichts“, berichtet Bauer. Der Schuster begründete seinen erneuten Zahlungsverzug mit Beziehungsproblemen, Mitte Februar waren Lieferanten Schuld, die Geld von seinem Konto abgebucht hätten, so dass dieses nicht gedeckt gewesen sei. Danach erklärte er, das Finanzamt habe das Konto gepfändet, weil er seine Umsatzsteuervoranmeldung nicht abgegeben habe. „Spätestens da habe ich gewusst, der erzählt Märchen“, sagt Bauer im Rückblick.

Bauer handelte, schrieb eine Mahnung und setzte eine letzte Zahlungsfrist zum 4. März. Als diese verstrich, schickte er die Kündigung mit einer Räumungsfrist von zwei Wochen. Doch am 19. März war der Schuster nicht da, statt dessen hing ein Zettel an der Tür: „Wegen Unfall geschlossen“. Bauer reichte Räumungsklage ein, zeigte seinen säumigen Mieter wegen Betrugs an und stellte ihm im April Strom und Wasser ab. Der wehrte sich mit einer einstweiligen Verfügung. Es kam zur Verhandlung vor dem Eutiner Amtsgericht. Dort einigten sich die Parteien auf einen Vergleich: Der Schuster verpflichtete sich, bis Mitte Mai zu zahlen und auszuziehen. „Ich wusste, das ist ein fauler Kompromiss, dafür hatte ich einen Räumungstitel in der Hand“, sagt Bauer. Es dauerte bis Ende Juni, dann konnte Bauer schließlich mit dem Gerichtsvollzieher anrücken und seinen säumigen Mieter vor die Tür setzen.

Ziemlich schnell war Bauer klar geworden, wen er sich da ins Haus geholt hatte. Für etliche Malenter Geschäftsleute ist der Schuster, der jetzt im Lübecker Raum leben soll, ein rotes Tuch: „Ende Februar ging es in der Gemeinde rum, dass er bei mir eingezogen ist. Da ging bei mir ständig das Telefon.“ Zu den Anrufern gehörte auch ein Malenter Handwerksbetrieb. Der Inhaber, der namentlich nicht genannt werden will, hatte dem Schuster 2500 Euro geliehen, bestätigte er dem OHA. Zuvor habe der Schuster mit einer Geschichte kräftig auf die Tränendrüse gedrückt: Das Finanzamt wolle 16 000 Euro von ihm, die er im Moment nicht aufbringen könne. Das Geld sah der Handwerker natürlich nie wieder. Zwar hat er jetzt genauso wie Sebastian Bauer einen Schuldschein, doch: „Greifen sie mal einem nackten Mann in die Tasche.“

Obwohl: Wenn es drauf ankommt, kann der Schuster offenbar einiges finanzieren. Als es im August 2014 vor dem Eutiner Amtsgericht zum Betrugsprozess gekommen sei, habe der vorbestrafte Angeklagte eine prominente Verteidigerin aufgeboten: Annette Marberth-Kubicki, die Ehefrau des FDP-Politikers Wolfgang Kubicki. Deren Einsatz hatte Erfolg: Das Verfahren wurde eingestellt – gegen eine Geldauflage von 400 Euro, zu zahlen an den Kinderschutzbund.

„Ich war in dem Fall einfach zu naiv“, sagt Bauer heute. Entfallene Mieteinnahmen, Gerichts-, Anwalts- sowie weitere Kosten, etwa für die Entsorgung des hinterlassenen Mülls, summieren sich auf etwa 8000 Euro, hat er ausgerechnet. Seine Lehre aus dem Fall: „Man sollte sich die Leute ganz genau ansehen und auch mal mit dem vorigen Vermieter Kontakt aufnehmen.“ Sinnvoll sei es, sich von seinem künftigen Mieter eine Bescheinigung geben zu lassen, in der der vorige Vermieter bestätigt, dass keine Mietrückstände bestehen. Vor Schaden bewahrt hätte ihn auch ein Blick ins Schuldnerverzeichnis beim Amtsgericht: Dort sei der Schuster gleich zweimal aktenkundig.

Zu den Geschädigten gehört unterdessen nicht nur Bauer selbst: Er sei von mindestens 20 Kunden des Schusters angesprochen worden. Sie alle hätten wissen wollen, wie sie jetzt ihre zur Reparatur abgegebenen Schuhe wiederbekämen. Sein Vertrauen in das Schusterhandwerk hat Bauer bei all dem aber nicht verloren. Der Mieter, den er inzwischen gefunden hat, ist erneut ein Schuster. „Der ist sehr korrekt“, betont Bauer. Und seine Arbeit sei auch gut.

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erstellt am 17.Sep.2014 | 12:50 Uhr

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