Eutin : „Ich helfe Menschen einfach gern“

Ihr Berufswunsch: Sharina Bunsen möchte Notfallsanitäterin werden.
Ihr Berufswunsch: Sharina Bunsen möchte Notfallsanitäterin werden.

Die Gymnasiastin Sharina Bunsen (17) ist Sanitäterin mit Leib und Seele. „Mir macht Helfen einfach Spaß“, sagt sie und grinst. Jochen Liebig verdankt ihr sein Leben.

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14. Dezember 2017, 23:16 Uhr

Die Gymnasiastin Sharina Bunsen (17) ist Sanitäterin mit Leib und Seele. „Mir macht Helfen einfach Spaß“, sagt sie und grinst. Als Schulsanitäterin hat sie mal mit Nasenbluten oder einem aufgeschürften Knie zu tun, als Ehrenamtliche der Johanniter kümmert sie sich bei Großveranstaltungen um Kreislaufzusammenbrüche oder Sportverletzungen. Ihren bislang größten Einsatz hatte sie diesen Sommer: Am 19. Juni rettete sie dem 81-jährigen Jochen Liebig das Leben. Der Ostholsteiner Anzeiger hat sie deshalb zum Menschen des Jahres gekürt.

„Den Tag werde ich nie vergessen“, sagt die 17-Jährige. Weil es in der Halle viel zu heiß war, entschloss sich die Klasse der Voß-Schule samt Lehrerin Pamela Junker zum Sportunterricht an diesem Montag in den Seepark zu gehen – eine Entscheidung, die Liebig vermutlich das Leben rettete.

Die Aufmerksamkeit der Schülerin wurde plötzlich durch einen Schrei auf den See gelenkt. Klassenkameradinnen hatten dort etwas an der Oberfläche treiben sehen. Eine Freundin und eine Arzthelferin rannten sofort ins Wasser, zogen den Mann raus – insgesamt brauchte es sechs Helfer, um den leblosen Körper an Land zu hieven. Sharina Bunsen wusste als Schulsanitäterin und Johanniterin, was zu tun war. „Ich hab keinen Puls gefühlt und sofort mit der Reanimation begonnen“, sagt sie. Die erste Reaktion war dann, das Wasser aus seinem Mund lief. Als er anfing zu röcheln, versuchte Luft zu holen, drehte sie ihn auf die Seite. „Der Puls war wieder spürbar, dann kamen irgendwann der Notarzt und Rettungswagen.“ Gefühlt habe es eine Ewigkeit gedauert, bis die Fahrzeuge durch die Poller im Seepark am Einsatzort eintrafen. Die ganze Zeit an ihrer Seite war Sportlehrerin Pamela Junker. „Es war tierisch anstrengend, das habe ich aber erst hinterher richtig gemerkt. In dem Moment funktionierte ich nur, dachte immer wieder ,Er darf nicht sterben, er darf nicht sterben‘. Dass meine Lehrerin da war, hat mir geholfen. Sie gab mir Sicherheit und das Gefühl, nicht allein zu sein“, sagt Sharina Bunsen.

Was da eigentlich gerade passiert war, fing Sharina Bunsen auch erst an zu realisieren, als Liebig mit dem Rettungswagen davonfuhr. „Auf dem Weg zurück zur Halle waren wir alle völlig fertig. Wie haben viel geredet, auch die Tage danach.“ Die quälende Frage, die ihr an diesem Tag aber nicht aus dem Kopf wich, war, ob er es nun geschafft hat. „Ich bin abends mit meiner Mama noch ins Krankenhaus, wollte mich eigentlich nur erkundigen und durfte zu ihm. Das war, als würde dort ein völlig anderer Mensch sitzen. Ich war komplett baff und glücklich“, sagt die 17-Jährige. Noch immer hat sie Kontakt zu ihm und seiner Familie und ihren Wunsch, Notfallsanitäterin zu werden, habe das nur bestätigt, sagt Bunsen. Nur noch wenige Tage, dann wird sie 18 Jahre alt.

Worauf sie sich dann mit am meisten freut? „Dann krieg’ ich einen Pieper und kann Einsätze mitfahren.“ Johanniter zu sein ist ihr wichtig, sie ist ein Menschenfreund und helfe gerne. Das Team der Ehrenamtler bei den Johannitern sei mehr wie eine große Familie als ein Zusammenschluss von Rettern. Und auch, wenn ihr einige von dem körperlich anstrengenden Berufswunsch abraten, sie hält am Notfallsanitäter fest. „Ich schaff das, das macht mir Spaß. Medizin kann ich immer noch irgendwann studieren, den praktischen Umgang und wirklich helfen, lernt man aber auf der Straße.“

Dass sie überhaupt diesen Weg für sich entdeckt habe, verdanke sie den Johannitern, die die Schulsanitäter seit Jahren schon an der Voß-Schule ausbilden. Die reine Sanitätshelfer-Ausbildung dafür habe ihr nicht gereicht, sie ging zu Übungs- und Dienstabenden der Johanniter, besuchte Schulungen und freut sich ab 18 auch in der SEG, der Schnell-Einsatz-Gruppe, mit unterwegs zu sein – um Menschen zu helfen und Leben zu retten.

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