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Hutzfeld-Prozess: Neues Gutachten und Zeugen ohne Erinnerung

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

shz.de von
erstellt am 12.Okt.2017 | 17:07 Uhr

Erneut stand im Prozess um den Überfall auf den Hutzfelder Edeka-Markt am 19. Oktober 2015 gestern ein Gutachten im Zentrum des Interesses. Nachdem eine Reihe von Experten bereits die Gesichter und die sprachlichen Besonderheiten der beiden 28-jährigen Angeklagten Igor T. und Vladimir K. unter die Lupe genommen hatten (wir berichteten), stellte nun eine Textilsachverständige des Landeskriminalamts (LKA) in Kiel ihre Expertise vor. Wie von der Verteidigung beantragt, sollte die 50-Jährige darlegen, ob es sich bei den Männern, die vor dem Überfall in dem BMW geblitzt worden waren, den Zeugen auch am Tatort gesehen hatten, um die gleichen Personen handelt, die auf den Videoaufzeichnungen der Überwachungskamera des Supermarkts zu sehen sind. Dazu hatte sie die jeweilige Kleidung verglichen. Die LKA-Beamtin kam zu dem Schluss, dass es „Anhaltspunkte gibt, dass es unterschiedliche Kleidung ist“. Doch ihr Fazit lautete konträr zu dem, was sich die beiden Rechtsanwälte der Angeklagten vielleicht erhofft hatten: „Die Vergleichsuntersuchung hat keine hinreichenden Unterschiede festgestellt. Die Kleidung kann als übereinstimmend beschrieben werden.“

Zwischen Gutachterin und den Verteidigern entbrannte eine detaillierte Diskussion rund um die Wirkung von Infrarot-Blitzkameras, den Ausstülpungen von Kapuzen oder den Farbvergleichen von Gummidichtungen des Autos und Oberbekleidung. Der Vorsitzende Richter Kai Schröder bremste ein Ausufern schließlich aus: „Die Diskussion kann man beenden, weil man das Textil nicht hat.“ Aufgrund der gemeinsam festgestellten Schwierigkeiten bei der Bewertung von Standbildern des Videos, des Blitzerfotos und insbesondere bei der Beurteilung der Bekleidung fasste der Richter zusammen: „Eine eindeutige Aussage ist wegen der Bildqualität nicht möglich“.

Vorhang zu und alle Fragen offen also. Zur Frage, ob die Kleidung identisch oder nicht ist, gab es keine genaue Aussage. Ebenfalls keine exakten Angaben konnten die Zeugen im zweiten Teil des Prozesstages machen: Auf Antrag der Verteidigung waren die beiden Schöffen und zwei Staatsanwältinnen aus dem ersten, geplatzten Prozess rund um den Hutzfelder Überfall in den Zeugenstand gebeten worden – um mögliche widersprüchliche Aussagen von Clemens G., Hauptbelastungszeuge und Mithäftling von K. und T., zu entlarven. Nachdem im Juni bereits einer der Zeugen den ehemals erkrankten Richter – wegen ihm musste der Hutzfeld-Prozess neu aufgerollt werden – auf seine „nur bruchstückhafte Erinnerung“ verwiesen hatte, folgten gestern auch die beiden Schöffen diesem Beispiel. An einige Aussagen von G. erinnerten sich hingegen die beiden Staatsanwältinnen des ersten Verfahrens. Doch wirklich neue Erkenntnisse traten hierbei nicht zu tage; nur die Widersprüchlichkeit der Aussagen von Clemens G. schien sich aus Sicht der Verteidigung zu bestätigen.

Der Prozess wird am 1. November fortgesetzt.

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