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Ostholsteiner Anzeiger

20. August 2017 | 19:29 Uhr

Hutzfeld-Prozess mit Rüge neu gestartet

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Raubüberfall auf den Edeka-Markt im Oktober 2015: Erster Verhandlungstag

Aus dem achten Verhandlungstag um den Überfall auf den Hutzfelder Edeka-Markt im Oktober 2015 wurde wieder ein erster. Gestern startete der Prozess neu, da einer der Richter längerfristig erkrankt ist (wir berichteten). Doch noch bevor Richter Kai Schröder überhaupt zum neuen ersten Verhandlungstag ansetzen konnte, äußerte einer der beiden Verteidiger Kritik an der Besetzung des Gerichts. Der „Ersatzrichter“ sei nicht der Vertreter der Erkrankten, der auf der Liste des Amtsgerichts stehe, so der Verteidiger. Richter Schröder reagierte auf die Besetzungsrüge des Rechtsanwalts unwirsch: „Für wie blöd halten Sie mich?“ Der Verteidiger hätte noch vor Beginn des Prozesstages die Rechtmäßigkeit in der Geschäftsstelle feststellen können, so Schröder. Nach rund einer Dreiviertelstunde Beratungszeit wurde die Rüge zurückgewiesen. „Die Kammer ist ordnungsgemäß besetzt“, sagte Schröder und wandte sich der langen Zeugenliste, die analog zum ersten Verhandlungstag im Januar 2017 gestrickt war, zu. Da der erste Prozess geplatzt ist, darf bei der Neuauflage laut der Vorschriften nicht auf die bisherigen Aussagen zurückgegriffen werden. Somit wurde gestern erneut in die Beweisaufnahme eingestiegen.

Während die beiden Angeklagten Igor T. und Vladimir K. erneut keine Aussagen zu den Vorwürfen machen wollten, schilderte zum zweiten Mal eine 23-jährige Angestellte des Supermarkts, wie zwei vermummte Männer sie gegen 6.20 Uhr im Bereich des Kassenbüros mit einem Küchenmesser bedroht hatten. Das Duo forderte Zugang zum Tresor – doch der Supermarkt war bereits am Tag zuvor ausgeraubt worden und der Safe somit leer. Den beiden Räubern blieb nur der Griff ins Kleingeldfach. Beute: 73 Euro.

Auf die Spur der Räuber waren die Ermittler durch ein Blitzerfoto gekommen. Denn sie sind mit einem gestohlenen BMW M3 Coupé eine Stunde vor dem Überfall in Bockhorn (Kreis Segeberg) zu schnell in eine Radarfalle gefahren. Das Auto hatte wiederum eine Angestellte des Supermarkts zufällig vor Ladenöffnung gegen 6.15 Uhr auf der Straße vor dem Geschäft stehen gesehen. Sie hatte sich das Kennzeichen des Sportwagens gemerkt und der Polizei mitgeteilt. Foto und Kennzeichen brachte die Polizei in umfangreicher Ermittlungsarbeit zu den beiden 27 und 28-jährigen, aus dem Kosovo stammenden Angeklagten. Wie aus den zurückliegenden Verhandlungstagen bereits bekannt, kam auch gestern erneut zur Sprache, dass die beiden kein unbeschriebenes Blatt sind. Eine Ermittlungsgruppe, die sich speziell mit Überfällen auf Edeka-Märkte im Großraum von Hamburg beschäftigt, war den beiden bereits auf die Spur gekommen, legt ihnen Überfälle seit mindestens 2014 zur Last.

In den Besitz des BMW sollen die beiden durch einen fingierten Einbruch gelangt sein. Auch zu diesem wurden gestern Ermittler von Polizei und Kripo befragt, ohne dass sich die Tat- oder Sachverhältnisse anhand der Aussagen änderten.

Der Prozess vor der III. Großen Strafkammer wird in der kommenden Woche fortgeführt.

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erstellt am 27.Apr.2017 | 16:23 Uhr

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