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Syrer in Ostholstein : Husein will zu krebskrankem Vater - doch es fehlen die Papiere

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Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Ein 25-jähriger Syrer wartet seit anderthalb Jahren auf die nötigen Papiere. Von denen hängt ab, ob er seinen Vater in Österreich noch lebend sehen kann.

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erstellt am 10.Feb.2016 | 13:32 Uhr

Sufian Husein hat eine wahre Odyssee hinter sich. Der 25-jährige Syrer ist schon am 14. Juli 2014 nach Deutschland gekommen, hat seinen bis jetzt noch unbeantworteten Asylantrag gestellt und lebt nun in der Gemeinde Bosau. Doch Sufian möchte jetzt gerade lieber in Wien sein. Dort wohnt sein Vater, mit dem er einst zusammen in Syrien Kleider verkaufte. Der 55-Jährige ist dort schwer an Krebs erkrankt und wartet auf den Tod. Doch ohne Papiere aus Deutschland würde er bei einem Besuch seines Vaters in Wien von den österreichischen Behörden vermutlich wieder nach Syrien abgeschoben.

Aus Furcht vor Verfolgung flüchtete Sufian Husein bereits Ende Juni 2013 aus seiner Heimat in Syrien per Flugzeug von Damaskus nach Kairo. Fast genau ein Jahr später hätten ihm „Schlepper“ einen Platz auf einem Containerschiff verschafft. Ein Ziel sei ihm nicht bekannt gewesen. Hauptsache weg. Nach sieben Tagen erreichten sie das Festland und fuhren etwa anderthalb Tage bis an die deutsch-niederländische Grenze, wo Sufian Husein mit seiner Cousine und deren Schwiegermutter aufgegriffen wurde.

Die beiden Frauen kamen nach Berlin in die Erstaufnahme. Ihre Asylanträge sind längst genehmigt. Sufian Husein verschlug es nach Neumünster. Dort lernte er Amjad Idene und Lorans Al Kassabra kennen, die mit ihm zusammen vor acht Monaten in die Gemeinde Bosau kamen. Während auch Amjad und Lorans bereits seit drei und fünf Monaten die Anerkennung ihres Asylantrages in den Händen halten, wartet Sufian Husein immer noch auf die Dokumente, die für ein „freies Bewegen“ in Europa nötig sind – jetzt insgesamt anderthalb Jahre nach der Antragstellung.

„Wir sind mit Sufian Husein in Neumünster gewesen, und auch Bürgermeister Mario Schmidt hat an die Behörde für Migration und Flüchtlinge in Neumünster geschrieben – leider ohne Erfolg“, sagte Katharina Kibbel aus Hassendorf. Sie hilft gemeinsam mit „Deutschlehrerin“ Anne Holtz bei der Integration der jungen Flüchtlinge in der Gemeinde Bosau. „Die jungen Leute sollen eigentlich Vertrauen in unsere Staatsform und die Bürokratie bekommen“, sieht Katharina Kibbel erhebliche Diskrepanzen. Es seien bisher etliche Telefonat geführt worden – ohne Erfolg.

Zwischenzeitlich deutete sich dann auch mal Erleichtering an: Es sollte ein Reisedokument in der Ausländerbehörde des Kreises Ostholstein vorliegen. „Doch da lag nichts vor“, ärgert sich Katharina Kibbel. Sufian Husein werde so von deutschen Behörden in die Illegalität getrieben. Wenn Sufian illegal über die „grüne Grenze“ nach Österreich gehe, um seinen Vater zu besuchen, seien 20 Monate in Deutschland umsonst gewesen.

Ehemann Eckhardt Kibbel, Arzt aus Hassendorf, bescheinigte Sufian Husein ein schweres, psychisches Trauma. Er zittere, habe Schweißausbrüche, sei bei einem Mörserangriff verwundet worden und werde in Syrien als Fahnenflüchtiger gesucht. „Ich habe in Syrien alles verloren: das Haus, alles Geld und die Freiheit in Syrien“, sagt Sufian Husein. Er hätte mitmachen können. Wenn nicht, wäre er getötet worden, begründet er seine Flucht nach Deutschland.

Magdalena Drywa, Pressesprecherin des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten, verwies zur Auskunft an Edith Avram, einer Sprecherin des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge in Nürnberg. Sie sagte dem Ostholsteiner Anzeiger, dass der Bescheid an Sufian Husein gerade am Donnerstag die Behörde in Richtung Bosau verlassen habe. Es ist also davon auszugehen, dass der Syrer in den nächsten Tagen seinen krebskranken Vater in Wien besuchen kann.


 

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