Eutin / St. Martin : Hurrikan verschlägt Familie von St. Martin an die Stadtbucht

Jasmine Herrmann (Mi.) wohnt mit ihrer Familie bei ihrem Vater Alexander und seiner Frau.
Jasmine Herrmann (Mi.) wohnt mit ihrer Familie bei ihrem Vater Alexander und seiner Frau.

Jasmine Herrmann verlor durch Hurrikan Irma auf St. Martin Haus, Arbeit und Alltag. Mit ihrer Familie konnte sie aus der Simpson Bay entkommen.

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10. September 2019, 14:28 Uhr

Eutin | Jasmine Herrmann gehört zu den Neubürgern in Eutin. Die 31-Jährige lebt seit November 2018 mit ihren Kindern und ihrem Lebenspartner im Alten Forsthaus, dort, wo Vater Alexander und Alexandra Herrmann zu Hause sind. Den Umzug nach Eutin hatte Jasmine Herrmann nicht geplant. „Wir hatten das perfekte Leben auf St. Martin.“ Es war Hurrikan Irma, der die Familie Anfang September 2017 obdachlos machte und ein Jahr später nach Eutin brachte. Mit dem allerletzten Flug hob sie von St. Martin ab.

Die gebürtige Tübingerin hatte sich auf St. Martin als „High–Level-Concierge“ im High-Ende-Segment selbstständig gemacht. Jasmine Herrmann richtete Villen als Urlaubsdomizil für gut Betuchte und Medienstars her. „Ich war sehr gut in dem Bereich.“ Just zur Saison 2017 hatte die Mutter mit ihrer drei Monate alten Tochter Zoë auf dem Arm 70.000 Dollar investiert. „Die hätten in der Saison den zehnfachen Gewinn erbracht.“

In Hamburg hatte Jasmine Herrmann Groß- und Außenhandelskauffrau gelernt. Später auf St. Martin verwaltete sie für eine Firma bereits Millionen, schulte sich gleichzeitig online weiter, bevor sie einer anderen Firma aus der Bresche half. „Deshalb bin ich Unternehmerin. Für mich gibt es keine Limitationen“, sagt Herrmann, die Deutsch, Englisch, Niederländisch und Französisch spricht.

Noch in Deutschland, hatte Herrmann das Studium Tourismus-Event-Management in Hamburg mit 21 Jahren abgebrochen, um mental zu arbeiten. „Ich wollte und musste Erlebtes aufarbeiten.“ Heute ist der Mutter von Zoe und James wichtig, ihrer Familie einen Ruhepol zu schaffen. „Nur wenn ich bei mir selbst bin, kann ich für meine Familie da sein.“

Und der Hurrikan war nicht die einzige Katastrophe für die vier. Tochter Zoë erlebte ihr eigenes Martyrium, bis die Ärzte endlich feststellten, dass die heute Dreijährige an starker Zöliakie leidet. Seitdem achtet Jasmine Herrmann penibel auf die Ernährung, backt Brot und bestellt die meiste Ware online, weil der örtliche Einkauf extrem aufwendig ist.

Ein Jahr lang war die Familie nach dem Hurrikan von Freunden zu Verwandten gezogen. Langsam kehrt Ruhe ein, und die Rückkehr nach Deutschland zur Familie und das Bitten um Sozialhilfe rücken in den Hintergrund. „Es war ein Switchen von Erfolg und Geld zu Sicherheit und Ruhe.“ Stagnieren dürfe sie nicht. Die Arbeit für das Stadtfest habe ihr Selbstbewusstsein gestärkt. „Ich habe eine große Schaffenskraft in mir, dass alles trotz Sorgen und Schulden gut wird.

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