Plön : Humor ist, wenn man trotzdem singt

Da singt Bariton Bo Skovhus noch aus voller Kehle, später bricht er das Konzert ab und überlässt seinem Pianisten Stefan Vladar die Bühne in der Nikolai-Kirche.
Da singt Bariton Bo Skovhus noch aus voller Kehle, später bricht er das Konzert ab und überlässt seinem Pianisten Stefan Vladar die Bühne in der Nikolai-Kirche.

Erst spät bremst eine Erkältung Bariton Bo Skovhus bei SHMF-Konzert in Plön

shz.de von
12. August 2018, 15:44 Uhr

„Sie werden sich wundern, warum ich so warm angezogen bin, aber ich habe mich schwer erkältet.“ So begrüßt Bariton Bo Skovhus am vergangenen Freitag seine Zuhörer. Er gibt im Rahmen des Schleswig-Holstein Musikfestivals zusammen mit dem Pianisten Stefan Vladar in der Nikolai-Kirche in Plön ein Konzert mit Liedern von Robert Schumann. Mit sehr dänischem Humor fährt Skovhus fort: „Ich bin selbst sehr gespannt, wie der Abend sich entwickelt, und wenn ich zwischendurch husten muss, lade ich Sie herzlich ein, an dieser Stelle mitzuhusten.“

Auf dem Programm stehen die Kerner-Lieder, von Schumann 1840 nach zwölf Gedichten von Justinus Kerner komponiert. Es sind Gedichte, die von seelischem Schmerz, von Abschied oder unerfüllter Liebe sprechen. Skovhus singt sie voller Innigkeit, trotz der Beeinträchtigung durch die Erkrankung scheinbar leicht. Uneitel, mit sparsamer Gestik singt er mit so großer Selbstverständlichkeit, dass man denkt, sein ganzer Körper sei ein einziger Resonanzkörper. Wunderbar, wie er die Texte mit dem ihm zur Verfügung stehenden enormen Repertoire des Ausdrucks in allen Feinheiten interpretiert: einfühlsam, weich, leise, traurig; dann wieder volltönend, überraschend in der Höhe, sprechend, um sich gleich darauf an eine Melodie zu verlieren, zwingt er zum Lauschen. Und das Publikum lauscht so intensiv, dass der letzte Ton vor der Pause erstaunlich viel Raum bekommt und nach dem Verklingen noch weiterwirken darf, bevor sich die Kirche mit tosendem Applaus und „Bravo“-Rufen füllt.

Den als Requiem bezeichneten Liederzyklus im zweiten Teil des Konzerts kann Skovhus dann leider nicht mehr ganz bis zum Ende singen. Vielleicht, weil er sich zuvor nicht im mindesten geschont hat. Stattdessen übergibt er an Stefan Vladar, der überrascht und nach eigenen Worten „ein bisschen ratlos“ sich spontan entscheidet, einige Stücke aus Schumanns Waldszenen zu spielen. Jetzt kann er, der sich als Begleitung hatte zurücknehmen müssen, zeigen, wie ausdrucksstark, eigen und einnehmend er seinerseits spielt.

Beide Künstler haben schon gemeinsam CDs eingespielt, Vladar aber als Solisten zu hören, ist natürlich etwas ganz anderes. Zumal Schumann so wenig leicht zu spielen wie zu singen ist. Seine Zugabe war „Der Vogel als Prophet“, ebenfalls aus den Waldszenen; ein Stück, das großer Kunst im Anschlag der Tasten bedarf und dabei das Bild eines wehmütig trillernden und flügelschlagenden kleinen Vogels entstehen lässt.

Den Schlussapplaus musste Stefan Vladar allein entgegennehmen; Bo Skovhus kam nicht noch einmal zu seinem begeisterten Auditorium zurück.

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