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Hotel oder Café – das sind die Pläne beider „Parteien“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

shz.de von
erstellt am 27.Apr.2017 | 00:09 Uhr

Die Zukunft des Haus des Gastes sowie die des 1a-Grundstücks an der Stadtbucht ist das wohl umstrittenste Thema Eutins bis zur Wahl am 7. Mai. Doch längst gibt es nicht mehr nur die beiden Lager der Abriss-Befürworter und der
-Gegner. Die Stimmung am Stand der Bürgerinitiative, die sich für den Erhalt und die Sanierung des Hauses einsetzt, fasst Sigrid Jürß, eine der drei BI-Sprecher, so zusammen: „Es gibt drei Gruppen: Die, die das Haus noch in seiner Blüte erlebt haben und von der Bedeutung schwärmen; die zweite Gruppe möchte den Kommerz an der Stadtbucht verhindern und die dritte Gruppe will der Stadtpolitik die rote Karte zeigen.“ Ein Ergebnis mag momentan keiner vorhersagen. Beteiligung und Interesse am Entscheid sind groß, fasst zehn Prozent der Wahlberechtigten haben bereits abgestimmt.

Zeit für die Frage: Was machen Sie, wenn der Entscheid zu Ihren Gunsten ausgeht? Reinhard E. Sohns, Geschäftsführer von „Die Ostholsteiner“, der gern ein Integrationshotel auf dem Grundstück des Haus des Gastes realisieren würde, würde zeitnah in die Verhandlungen mit der Stadt einsteigen und anschließend einen Architektenwettbewerb ausschreiben wollen. „Wir wollen eine aufgelockerte Architektur des Drei-Sterne-Hotels an dem Ort. Das kann in einem aber auch zwei Baukörpern realisiert werden. Auf keinen Fall wird es ein Klotz und bei weitem nicht so groß wie nebenstehende Wohngebäude“, sagt Sohns, der mit maximal drei Etagen rechnet. Das Grundstück des Haus des Gastes sei mit 3800 Quadratmetern groß genug für ein Hotel mit 35 bis 40 Zimmern. Sohns kalkuliert mit rund 100  000 Euro pro Zimmer „plus den Besonderheiten des Grundstückes wie einer Pfahlgründung“. Er rechne 2019/2020 mit einer Inbetriebnahme.

Und die Bürgerinitiative? „Wenn der Entscheid für uns ausgeht, bleibt die Frage, ob die Stadt ihrem Auftrag, das Gebäude zu sanieren, nachkommt“, sagt BI-Sprecherin Sigrid Jürß. Die Hilfe der BI werde bei der Umsetzung nicht gefragt sein, mutmaßt Jürß. „Wir werden bei der Nutzung behilflich sein können, aber dazu muss das Gebäude erstmal saniert sein und das wird dauern.“ Jürß könne sich gut ein Integrations-Café im Haus des Gastes vorstellen, dass dann auch durch „Die Ostholsteiner“ betrieben werden könne. Doch Sohns lehnte diesen Vorschlag auf Nachfrage bereits ab: „Als Solitär ist ein solches Café nicht wirtschaftlich.“ In einem Gesamtbetrieb Hotel sei das etwas anderes, so Sohns.

Eine Bachelorstudentin war an Sohns und Malte Tech (BI, FWE) herangetreten, weil sie im Rahmen ihrer Abschlussarbeit „Innenarchitektur“ ein Integrations-Café im Haus des Gastes mit deren Unterstützung realisieren würde. „Ihr gab ich die gleiche Antwort: So ein Café trägt sich im Haus des Gastes nicht, weil die Erwirtschaftung der monatlichen Pacht allein eine Herausforderung wäre.“ Den unterschwelligen Vorwurf, die Studentin habe Sohns erst auf die Idee des I-Hotels gebracht, entkräftet Bürgermeister Carsten Behnk persönlich: „Ein Investor solcher Hotels hat über mich den Kontakt zu Herrn Sohns gesucht.“ Als dieser sich nicht mehr meldete, sei Sohns so begeistert von der Idee gewesen, dass er es habe selbst rechnen lassen. Neben dem Sozialministerium, dass pro Arbeitsplatz für Menschen mit Behinderung bis zu 30  000 Euro fördert, habe auch das Wirtschaftsministerium Unterstützung signalisiert. Behnk: „Durch die zweckgebunden Zuschüsse haben wir außerdem die Garantie, dass es nicht die befürchteten Eigentumswohnungen werden können.“ Anderslautende Stimmungsmache bezeichnete Behnk „unterirdisch und ungehörig“. emd

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