Eutiner Schöffengericht : „Hoher Rabatt“ für Drogendealer

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Geld gegen Tütchen: Der angeklagte Dealer aus Eutin räumte alle Taten ein, die ihm vorgeworfen wurden.
Geld gegen Tütchen: Dem angeklagte Dealer aus Eutin räumte alle Taten ein, die ihm vorgeworfen wurden.

30-jähriger Eutiner kommt mit einer Bewährungsstrafe davon. Er wurde auf der Autobahn geschnappt.

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10. Juli 2019, 16:30 Uhr

Eutin | Die Falle schnappte auf der A 1 zu. Beamte der Fahndungsgruppe Schengen beim Polizei-Autobahn- und Bezirksrevier Scharbeutz stoppten im Mai vergangenen Jahres einen VW Polo, der in Richtung Eutin unterwegs war. Die beiden Insassen des Wagens versuchten noch, ihre heiße Ware loszuwerden. Drogen mit einem Schwarzmarktwert von gut 8000 Euro flogen aus dem Beifahrerfenster.

Was die Dealer nicht wussten: Es handelte sich nicht um einen Zufallstreffer, sondern um den Schlusspunkt längerer Ermittlungen. Geführt wurden sie gegen ein halbes Dutzend größerer Dealer, die in Eutin aktiv waren und bereits länger observiert wurden. Einen der beiden Männer, die auf der Autobahn ins Netz gingen, hat das Landgericht Lübeck mittlerweile verurteilt. Er sitzt eine dreieinhalbjährige Haftstrafe ab.

Der andere saß gestern in Eutin auf der Anklagebank, um sich vor dem Schöffengericht für Drogenhandel in insgesamt 13 Fällen zwischen November 2017 und Mai 2018 zu verantworten. Der 30-Jährige kam mit einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren davon – wegen Handelns mit Marihuana und Amphetaminen.

Appell des Verteidigers zeigt beim Angeklagte Wirkung

An dem milden Urteil hatte das frühzeitige Einwirken von Verteidiger Christian Schumacher auf seinen Mandanten wohl großen Anteil. Er habe ihm gleich zu Beginn klar gemacht, dass er mit dem Konsum von Drogen aufhören müsse, da er sonst vor Gericht keine Chance habe, berichtete Schumacher. Der Appell hat anscheinend gefruchtet. Seit er erwischt worden sei, nehme er keine Drogen mehr, sagte der Angeklagte, der zurzeit als Bauhelfer arbeitet und mit seiner Partnerin und zwei Kindern in Eutin lebt. Bislang fiel er der der Justiz vor allem durch Kleinkriminalität auf.

Verteidiger Schumacher machte dem Gericht unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektorin Anja Farries sehr schnell klar, worauf er hinaus will: Er sei „der Auffassung, dass bei einer geständigen Einlassung für alle 13 Fälle eine zweijährige Haftstrafe noch angemessen ist“, erklärte er und regte zur Sicherheit eine Auflage für seinen Mandanten an: Damit dieser dauerhaft sauber bleibe, solle er eine Drogenberatung aufsuchen. Ein Verständigungsgespräch mit Staatsanwältin Sabrina Parnitzke brachte das gewünschte Ergebnis.

Einstieg in der Clique

Nach dem Geständnis berichtete der Angeklagte, wie er in den Drogenkonsum rutschte. Etwa 2013 habe es in der Clique mit Marihuana angefangen, später seien Amphetamine und Kokain hinzugekommen. Mit dem Drogenhandel habe er seinen Konsum finanziert, zudem habe er Geld gebraucht, weil sein Arbeitgeber insolvent gegangen sei. Bei der Autobahn-Kontrolle wurden laut Anklage fast ein Kilogramm Marihuana und ein gutes halbes Kilo Amphetamine sichergestellt. In den übrigen zwölf Fällen, die dem Angeklagten zur Last gelegt wurden, ging es insgesamt um eine ähnliche Größenordnung.

Von den Drogen will der Angeklagte ohne ärztliche Hilfe losgekommen sein. „Ich habe einen Selbstentzug gemacht, die Kinder waren mir zu wichtig“, schilderte der Mann, der sich ansonsten mit Äußerungen zurückhielt. Das Schicksal seines Komplizen, der jetzt eine Haftstrafe absitzt, habe ihn abgeschreckt. Die alten Kontakte habe er abgebrochen.

Gericht ordnet Einziehung des Wertersatzes an

In die zweijährige Haftstrafe einbezogen wurde eine Geldstrafe von 1600 Euro von Mai 2018 wegen gefährlicher Körperverletzung. Anja Farries sprach in der Urteilsbegründung trotz „erheblicher Straftaten“ von einem „hohen Rabatt“, den das Gericht eingeräumt habe, weil sich der Drogenhandel irgendwann verselbstständigt habe und die Hemmschwelle dabei von Mal zu Mal sinke.

Das Gericht setzte die Strafe für vier Jahre zur Bewährung aus. Außerdem muss sich der Angeklagte einer Drogentherapie unterziehen und dem Gericht ein Jahr lang durch ärztliche Atteste nachweisen, dass er drogenfrei ist. Der Angeklagte signalisierte noch im Gerichtssaal, dass er die Strafe akzeptieren will. Sollte er die Auflagen einhalten und sich nichts zu Schulden kommen lassen, bleibt ihm das Gefängnis erspart. Die finanziellen Folgen der Taten bleiben ihm aber nicht erspart. Das Gericht ordnete den Einzug von 7440 Euro an. Dabei handelt es sich um den sogenannten Wertersatz für die Einnahmen aus den illegalen Drogengeschäften.

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